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Wachstum soll allen nützen

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Chinas Präsident Xi Jinping begrüßt Kanzlerin Merkel in Hangzhou.
Chinas Präsident Xi Jinping begrüßt Kanzlerin Merkel in Hangzhou. © dpa

Die G20-Regierungschefs wollen gegen die weltweit steigende Ungleichheit kämpfen. Ihr wichtigstes Ziel ist die Schaffung von Vollzeitstellen.

Von Finn Mayer-Kuckuk

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen setzen sozialere Leitlinien für die Wirtschaftspolitik. „Wir wollen sicherstellen, dass die Vorteile von Wirtschaftswachstum, Globalisierung und technischen Neuerungen möglichst vielen Menschen zugutekommen“, versprachen sie am Montag im Abschlussdokument des diesjährigen G20-Gipfels in der chinesischen Küstenstadt Hangzhou. Das wichtigste Ziel sei jetzt die Schaffung von Vollzeitarbeitsplätze und von Jobchancen für junge Arbeitnehmer.

Die politischen Führer der 19 wirtschaftsstärksten Länder sowie Vertreter der EU treffen sich jährlich auf dem G20-Gipfel, um drängende Probleme zu besprechen. Die G20-Regierungschefs jeder Färbung haben sich zuletzt gezwungen gesehen, auf die weltweit steigende Ungleichheit zu reagieren. Die Bevölkerung von ganz verschiedenen Ländern hat zunehmend das Gefühl, dass Zuwächse der Wirtschaft vor allem den Reichen nützen. „Globalisierung ist nicht nur positiv, sie schafft auch erhöhte Ungleichheit“, sagte Kanzlerin Angela Merkel in Hangzhou. „Dafür ist ein Ausgleich zu schaffen durch nachhaltigeres Wachstum und mehr soziale Sicherheit.“

Das Ende des billigen Geldes?

Ein zentraler Punkt in der Abschlusserklärung vom Montag war daher auch die Abkehr von Wirtschaftsförderung durch immer billigere Geldpolitik. Zentralbanken weltweit, allen voran die der Eurozone und der USA, haben die Märkte mit immer mehr Gratis-Geld überspült – in der Hoffnung, die lahmende Wirtschaft zu beleben. Doch dieses Vorgehen stellt sich zunehmend als unsozial heraus. Das Geld findet seinen Weg vor allem an die Finanzmärkte und macht damit die Besitzer von Kapitalanlagen wie Aktien und Immobilien noch reicher. Die einkommensschwachen Schichten haben das Nachsehen.

Die Chancenungleichheit gilt zunehmend als Ursache für das Erstarken von Bewegungen, die sich gegen die etablierte Politik wehren. Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, auch in Großbritannien mit dem EU-Ausstieg oder in den USA mit den Wahlkampferfolgen des Demagogen Donald Trump könnten ähnliche Grundmuster am Werk sein. Selbst das nominal kommunistische China hat sich fest vorgenommen, wieder deutlich sozialer zu werden, nachdem die Zahl der Milliardäre in nur zehn Jahren von null auf 350 gestiegen ist, während es Uni-Absolventen aus der Unterschicht schwer haben, einen angemessenen Job zu ergattern.

Kanzlerin Merkel spielte auf dem Gipfel eine besondere Rolle: Im kommenden Jahr ist Deutschland Gastgeber der G20. Gegen Ende der Veranstaltung am Montag besprach sie sich noch einmal unter vier Augen mit Chinas Präsident Xi Jinping – zur Übernahme des Staffelstabs. Der nächste Gipfel findet im Juli 2017 in Hamburg statt.

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