Analyse

Wachstum durch Umweltschutz

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Wer den Umweltschutz noch immer zur Gefahr für die deutsche Wirtschaft hochstilisiert, liegt falsch. Denn das Gegenteil ist richtig.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich im Umweltschutz viel vorgenommen – zumindest auf dem Papier. Sie will zum Beispiel den Ausstieg aus der Kohleverstromung einleiten, die Industrieproduktion klimafreundlicher machen, mehr Verkehr auf die Schiene bringen und den Einsatz von Ackergiften in der Landwirtschaft reduzieren. Wie nachdrücklich diese Ziele tatsächlich verfolgt werden und ob sie im Zweifel hinter ökonomischen Interessen zurückzustehen haben, wird man sehen müssen. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass der schwarz-rote Koalitionsvertrag ausdrücklich die Chancen anerkennt, die der Umweltschutz für Wirtschaft und Jobs eröffnet.

„Um die ehrgeizigen umwelt- und klimaschutzpolitischen Ziele zu erreichen, brauchen wir moderne Produkte und Verfahren“, ist in dem Vertrag unter anderem zu lesen. Über ein geplantes Förderprogramm zur Dekarbonisierung der Industrie heißt es: „Es dient der langfristigen Sicherung des Industriestandorts Deutschland, stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze in Deutschland.“

Welche Bedeutung der Umweltschutz als Wirtschaftsfaktor hierzulande bereits erlangt hat, zeigen am Dienstag veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Den Angaben zufolge erwirtschafteten Industrie und Dienstleistungssektor mit Waren, Bau- und Dienstleistungen für den Umweltschutz zuletzt einen Umsatz von 70 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Dieser Wert entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung des gesamten Bundeslandes Brandenburg.

Rund zwei Drittel der erfassten Umsätze entfielen auf den Bereich Klimaschutz. „Zu den wichtigsten wirtschaftlichen Säulen zählten dabei Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien (23,2 Milliarden Euro) sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Einsparung von Energie (21,9 Milliarden Euro)“, berichteten die Statistiker. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2016. Aktuellere Werte gibt es nicht.

Mehr als vier Fünftel der umweltschutzbezogenen Umsätze entstehen in der Industrie. Vor allem für die Metall- und Elektrobranche ist der Umweltschutz inzwischen ein wichtiges Geschäftsfeld. Hierzulande entstehen nicht nur Windräder und moderne Kraftwerksanlagen, sondern beispielsweise auch elektrische Ausrüstungen, die der Einsparung von Energie dienen.

All das hat natürlich auch beträchtliche Bedeutung für den Arbeitsmarkt. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, waren im Referenzjahr 2016 in Deutschland mehr als 251.000 Beschäftigte in der Umweltschutzwirtschaft tätig, zwei Drittel davon im Verarbeitenden Gewerbe. Im Baugewerbe seien rund 45.000 Beschäftigte für den Umweltschutz tätig gewesen, im Dienstleistungssektor rund 32.000. Diese Werte beziehen sich jeweils auf Vollzeit-Beschäftigte.

Eine Besonderheit der Umweltschutzwirtschaft ist, dass sie besonders stark auf den Inlandsmarkt ausgerichtet ist. Fast zwei Drittel der Umsätze sind den Angaben zufolge im Inland erwirtschaftet worden. Nur in Ausnahmefällen sind die Unternehmen vorwiegend für den Export tätig. Eine Ausnahme bilden zum Beispiel die Hersteller von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung: Hier machten die Exporte mehr als 90 Prozent der Umsätze aus.

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