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Nachhaltiger Reputationsverlust: VW-Patriarch Ferdinand Piëch.

Ferdinand Piëch

VW-Patriarch manövriert sich ins Abseits

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Ferdinand Piëch wirkte über Jahre wie ein beinahe allmächtiger Herrscher des demnächst weltgrößten Autoimperiums. Mit der Affäre Winterkorn hat der VW-Patriarch aber einfachste Grundregeln der guten Unternehmensführung gebrochen - und so selbst seinem Ruf nachhaltig geschadet.

In einer am Freitag verbreiteten knappen Mitteilung über den Ausgang des Krisentreffens des VW-Aufsichtsrates in Salzburg kam der sonst bei solchen Gelegenheiten verwendete Begriff der Einstimmigkeit nicht vor. VW-Patriarch Ferdinand Piëch hat im Machtkampf mit Konzernchef Martin Winterkorn offenbar eine herbe Niederlage einstecken müssen. Fünf von sechs Mitgliedern im sechsköpfigen Präsidium des Aufsichtsrats hätten sich für den Konzernchef ausgesprochen und damit gegen Piëch gestellt, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen am Freitag. „Das ist offenkundig eine klare Niederlage für Herrn Piëch“, sagte eine weitere Person.

Der Machtkampf hat gezeigt, dass er sich nicht mehr so verhalten kann, als würde der Konzern ihm gehören. Einsam und allein, ohne sich vorher zumindest mit anderen wichtigen Aufsichtsräten zu besprechen, wollte er Winterkorn abservieren. Das widerspricht auch den einfachsten Grundregeln der guten Unternehmensführung. Vor allem Betriebsratschef Bernd Osterloh soll Piëch tapfer die Stirn geboten haben. Aber der 78-Jährige wird als Aufsichtsratschef weitermachen, er hat in der Vergangenheit vielfach gezeigt, dass er Rückschläge verkraften kann.

Bei VW ist nun vieles anders

Doch der Enkel des legendären Ferdinand Porsche, der bislang wie ein beinahe allmächtiger Herrscher des demnächst weltgrößten Autoimperiums wirkte, hat einen nachhaltigen Reputationsverlust erlitten, den – wie sollte es auch anders funktionieren – er sich selbst beigebracht hat. Bei Volkswagen ist nun vieles anders. Das Ergebnis der vergangenen Tagen ist eine Destabilisierung der Führung. Das birgt die Gefahr, dass die wichtigen Projekte, die die Profitabilität und damit dauerhaft auch Arbeitsplätze sichern sollen, nicht konsequent angegangen werden.

In der Führungskrise liegt aber auch eine Chance – dass sich aus dem aktuellen Vakuum heraus in dem Konzern endlich die Führungsstrukturen entwickeln, die dem global agierenden Konzern mit seinen zwölf Marken entsprechen. Und die müssen weniger hierarchisch, weniger auf einzelne Personen, weniger auf Piëch zugeschnitten sein, sondern erheblich dezentraler werden. Vor allem braucht es in den verschiedenen Regionen selbstbewusste Manager, die weitgehend autonom entscheiden können, welche Modelle in ihren Regionen produziert werden. (mit rtr)

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