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Meldet für 2018 einen hohen Gewinn: VW-Chef Diess.

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Volkswagen-Chef macht Tempo

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Herbert Diess kündigt die nächste Offensive an. Der größte deutsche Konzern soll bis 2050 komplett klimaneutral werden. 

Die aktuellen Ziele hat VW noch nicht erreicht, da setzt Konzernchef Herbert Diess schon neue. Bei der Bilanzvorlage am Dienstag rief er in Wolfsburg eine neue E-Offensive aus, die weit über die Autos hinausreichen soll: Im Jahr 2050 soll der gesamte Konzern klimaneutral arbeiten, Zwischenziele werden deutlich früher gesetzt.

Diess verbindet das allerdings mit der Forderung nach weiteren Einsparungen. „Um die notwendigen Investitionen für die E-Offensive tätigen zu können, müssen wir unsere Effizienz und unsere Performance in allen Bereichen weiter steigern“, sagte er. Schon in den vergangenen Tagen war in Wolfsburg die Rede von weiteren Stellenstreichungen.

Diess ließ am Dienstag keinen Zweifel daran, dass er sie für nötig hält, nannte aber keine Details. Es läuft bereits der Abbau von 23 000 Stellen in Deutschland, der dank des mit dem Betriebsrat vereinbarten „Zukunftspakts“ ohne Kündigungen bewältigt werden soll. Ob das bei weiteren Sparrunden noch möglich sein wird, ist aber offen. Diess jedenfalls äußerte sich widersprüchlich: „Wir werden Arbeitsplätze abbauen, und es wird schwer, das allein mit Fluktuation und Altersteilzeit zu schaffen“, sagte er. Auf Nachfrage schloss er betriebsbedingte Kündigungen dann aus – bis 2025 gilt ohnehin eine Beschäftigungsgarantie.

Im kommenden Jahrzehnt will der Konzern 70 neue Modelle mit Elektromotor lancieren, bisher waren 50 geplant. Im gleichen Zeitraum sollen weltweit 22 statt 15 Millionen dieser Autos verkauft werden. Im Jahr 2030 hätten dann 40 Prozent aller Neuwagen aus dem VW-Konzern einen elektrischen Antrieb. VW hatte im vergangenen Herbst die Strategie geändert und investiert nun Milliarden in die E-Mobilität.

Nun wird noch einmal nachgelegt. Neben den neuen E-Modellen soll der gesamte Konzern auch in Produktion und Verwaltung „dekarbonisiert“ werden – also den Kohlendioxidausstoß drastisch reduzieren. „Auf dem Weg zur vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 hat der Volkswagen-Konzern in allen Bereichen Meilensteine festgelegt, die in den nächsten Jahren erreicht werden sollen“, sagte Diess. Wo CO2-Ausstoß technisch nicht zu vermeiden ist, soll es Ausgleichsmaßnahmen geben – zum Beispiel durch Aufforstung oder durch Wiederbefeuchtung von Mooren. Denkbar wäre auch der Kauf von Emissionszertifikaten. Das erste E-Auto der neuen Generation, der in einem Jahr startende ID, soll „bilanziell CO2-neutral“ verkauft werden.

Diess fordert auch von der Politik größere Anstrengungen beim Umstieg auf Elektromobilität. Sollten die Klimaziele erreicht werden, müsse man Diskussionen über Antriebskonzepte beenden, „wir brauchen eine Festlegung“, sagte Diess. „Den Systemwechsel gibt es nur, wenn die Gesellschaft das will.“

Sein ehrgeiziges Projekt verfolgt Diess, obwohl „starker Gegenwind“ das Geschäft erschwere. Doch es gibt auch selbstgemachte Probleme: Die schlecht vorbereitete Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP kostete den Konzern durch Absatzausfälle, Sonderschichten und Lagerkosten rund eine Milliarde Euro. Zwei hohe Bußgelder wegen des Diesel-Skandals schlugen mit fast zwei Milliarden Euro zu Buche.

Die Marke VW Pkw fährt ihren Rentabilitätszielen noch hinterher, auch der einstige Goldesel Audi schwächelt. Die Edelmarke Bentley fuhr unter anderem wegen eines verzögerten Modellanlaufs hohen Verlust ein. Ausgeglichen wurde das zum Beispiel durch die Konzerntochter Porsche. Unterm Strich stieg der Konzerngewinn 2018 trotz allem leicht auf 12,1 Milliarden Euro, der Umsatz legte auf 236 Milliarden Euro zu. Mit 10,8 Millionen verkauften Fahrzeugen der zwölf Konzernmarken ist VW größter Autohersteller der Welt.

Dabei ist China erfolgsentscheidend. Daher hat Diess die Verantwortung für den Markt selbst übernommen. Dort die Position zu halten, sei „strategisch die wichtigste Aufgabe, die VW hat, um die Zukunft zu sichern“.

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