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Traton will Navistar komplett kaufen, einen Hersteller von kommerziellen Lastwagen.

Kaufangebot für Navistar

VW-Lastwagentochter Traton auf der Überholspur

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Mit einer Milliarden-Übernahme will die Lkw-Tochter von VW auf dem Weltmarkt Boden gut machen. Doch das dürfte teuer werden. Die Analyse.

Die VW-Lastwagentochter Traton will einen globalen Lkw-Riesen schmieden und zu Weltmarktführer Daimler aufschließen. Mit dem Kaufangebot für den US-Hersteller Navistar vom vergangenen Freitag käme man diesem Ziel einen großen Schritt näher. Knapp 32 Dollar bietet Traton je Navistar-Aktie. Knapp 17 Prozent der Navistar-Anteile hält Traton seit dem Einstieg vor dreieinhalb Jahren. Der große Rest würde auf Basis der jetzigen Offerte gut 2,6 Milliarden Euro kosten. „Wir sind der Auffassung, dass ein vollständiger Zusammenschluss von Traton und Navistar überzeugende strategische und finanzielle Vorteile bietet“, wirbt Traton-Chef Andreas Renschler.

Eine Komplettübernahme von Navistar sei der logische nächste Schritt für Traton, betont der Lkw-Manager, der früher bei Daimler gearbeitet hat und nun seinem Ex-Arbeitgeber auf die Pelle rücken will. Auch Börsianer und Branchenanalysten wie Frank Schwope von der NordLB sehen den strategischen Sinn des Vorhabens. Traton sei mit den drei Marken MAN und Scania in Europa sowie VW-Lastwagen in Südamerika stark. Mit asiatischen Herstellern gibt es Kooperationen. Aber der wichtige US-Markt sei für den selbsternannten Verfolger von Daimler bislang ein weißer Fleck. Der Zugriff auf Navistar, mit zuletzt gut 100.000 pro Jahr verkauften Lkw und Bussen Nummer vier unter den großen US-Lastwagenproduzenten, würde das auf einen Schlag ändern.

Bislang verbindet die Münchner und Navistar aus dem US- Bundesstaat Illinois ein gemeinsamer Einkauf und eine technische Partnerschaft. Weit reicht die allerdings bislang nicht, weil US-Lastwagen und europäische Lkw bislang dazu technisch zu verschieden waren. Nun aber sorgen die beiden großen Technologietrends autonomes Fahren und Elektromobilität für eine Annäherung der Märkte. Um die Umbrüche besser zu finanzieren, wird Größe zum bestimmenden Argument. Traton ist heute im globalen Maßstab mit 242 000 verkauften Nutzfahrzeugen pro Jahr die Nummer sieben der führenden Lkw-Konzerne hinter Daimler mit einem rund doppelt so großen Absatz. Auch mehrere chinesische Hersteller und Volvo fahren Traton noch voraus. Addiert man aber die Stückzahlen von MAN, der schwedischen Scania, VW und Navistar zusammen, käme die Gruppe auf Rang drei. Nur Daimler mit seinen US-Marken Freightliner und Western Star sowie die chinesische FAW wären noch voluminöser.

Vom Umsatz her bringt Navistar gut zehn Milliarden Euro auf die Waage bei zuletzt eher mageren 200 Millionen Euro Jahresüberschuss. Der US-Konzern fertigt mittlere und schwere Lkw sowie Schulbusse, die technologisch als nicht so fortschrittlich gelten wie etwa MAN-Lkw oder gar Scania-Modelle. Die Schweden sind Premiumhersteller in der globalen Brummibranche. Traton brachte es zuletzt auf 26 Milliarden Euro Jahresumsatz. Die VW-Tochter ist auch weit profitabler als Navistar, was vor allem an Scania liegt.

Traton geht davon aus, dass die Übernahme Ende 2020 abgeschlossen sein könnte. Schwope hält das für anspruchsvoll. Er rechnet zwar weder mit kartellrechtlichen Hindernissen noch sei das Gegenangebot eines Konkurrenten wahrscheinlich. Ohne ein Aufstocken der Offerte werde Traton aber wohl nicht zum Ziel kommen. Dafür dürfte schon US-Starinvestor Carl Icahn sorgen, der heute rund 17 Prozent der Navistar-Anteile hält.

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