Das Geschäft mit den Privatkunden steht angeblich auf dem Prüfstand – mal wieder. Und wird die Postbank doch verkauft? Vielleicht sogar Personal entlassen?
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Das Geschäft mit den Privatkunden steht angeblich auf dem Prüfstand – mal wieder. Und wird die Postbank doch verkauft? Vielleicht sogar Personal entlassen?

Deutsche Bank

Vorzeigebank war einmal

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Die Deutsche Bank verdient Geld und schneidet dennoch nicht gut ab. 1,7 Milliarden Euro Gewinn stehen schlechte Zahlen im Geschäft mit Privatkunden und unzählige teure Rechtsstreitigkeiten gegenüber.

So ein bisschen Schadenfreude über die Deutsche Bank ist am Finanzplatz Frankfurt schon oft zu spüren. Jahrelang wurde das größte deutsche Geldhaus von Erfolgen verwöhnt. Viele Angestellte ließen vor den kleineren Konkurrenten auch gerne raushängen, dass sie sich eigentlich überhaupt nicht mit popeligen deutschen, sondern allein mit großen globalen Banken messen müssen.

So ist es wohl nur menschlich, dass viele Frankfurter Banker sich seit Jahren insgeheim freuen, dass die Deutsche Bank an allen Fronten zu kämpfen hat. In den vergangenen zwei Wochen wurde das wieder sehr deutlich: Überraschend sagte die Deutsche Bank ihre alljährliche, recht pompöse Jahrespressekonferenz ab. Stattdessen wurden die Journalisten für den gestrigen Donnerstag nur zu einer Telefonkonferenz eingeladen. Überall waren in Frankfurt dazu hämische Kommentare zu hören: Die trauen sich nicht mal mehr vor die Presse.

Prozesse schlagen auch auf künftige Ergebnisse

So ganz falsch ist das wohl auch nicht. Nach enttäuschenden Ergebnissen in den vergangenen Jahren arbeitet das Management an einer neuen Strategie – wobei es keine Denkverbote geben soll. Sogar die erst vor wenigen Jahren teuer erworbene Postbank und das hauseigene Privatkundengeschäft der Bank sollen angeblich auf den Prüfstand gestellt werden. Die Beschlüsse will die Bank im zweiten Quartal öffentlich vorstellen – eine Pressekonferenz zum jetzigen Zeitpunkt sah sie daher offenbar als sinnlos an.

Dabei konnte sie am Donnerstag Zahlen vorstellen, die immerhin besser waren als von den meisten erwartet. Analysten hatten für das vierte Quartal 2014 eigentlich einen Verlust prognostiziert – am Ende stand unter dem Strich aber ein Gewinn von 441 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2014 verdiente die Bank 1,7 Milliarden Euro – nach 681 Millionen Euro im Jahr 2013. Die Deutsche-Bank-Aktie legte am Donnerstag kräftig zu. Wie schon in den vergangenen vier Jahren will das Institut eine Dividende von 0,75 Euro je Aktie ausschütten.

Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bank weiterhin vor gravierenden Problemen steht. Die Eigenkapitalrendite ist mit 2,7 Prozent mickrig und weit entfernt von dem Ziel von 12 Prozent für das kommende Jahr. Zu ihren Hochzeiten 2007 notierte die Aktie bei über 102 Euro, nun sind es weniger als 26 Euro.

Rechtsstreitigkeiten belasten zudem weiterhin das Ergebnis. Insgesamt hat die Bank 3,2 Milliarden Euro Rückstellungen dafür gebildet. Unglaubliche 6000 Rechtsstreitigkeiten hat sie noch am laufen und Finanzvorstand Stefan Krause machte am Donnerstag klar: Es wird auf noch mehr Rückstellungen hinauslaufen. Auf 1,9 Milliarden Euro beziffert das Institut derzeit juristische Risiken, für die sie noch keine Vorsorge getroffen hat.

Insgesamt ist die Kostenbasis der Bank viel zu hoch. Von jedem eingenommenen Euro gehen 86,7 Cents für Kosten drauf. Und so wollte Krause am Donnerstag auch einen Stellenabbau nicht ausschließen: „Wir haben eine strategische Diskussion am laufen und Sie werden verstehen, dass ich da nicht vorgreifen will“, antwortete er auf die Frage, ob Jobs gestrichen würden.

Diese Kostendiskussion allerdings hinderte die Bank nicht daran, die Bezahlung der Investmentbanker 2014 zu erhöhen – wenn auch nur leicht. Durchschnittlich erhielt ein Investmentbanker – und dabei drücken Tausende weniger gut verdienende Angestellte im Back Office den Schnitt – 210 037 Euro nach 209 780 Euro ein Jahr zuvor. Wie viel davon Bonuszahlungen waren, sagt die Bank noch nicht. Insgesamt dürften die Boni wegen neuer gesetzlicher Regeln gesunken, dafür aber die Fixgehälter gestiegen sein. Für das Jahr 2013 hatte die Bank 3,2 Milliarden Euro Boni gezahlt, den Großteil davon an Investmentbanker.

Das Investmentbanking war 2014 der Gewinntreiber der Bank und steuerte mit 3,3 Milliarden Euro Vorsteuergewinn den Löwenanteil zum Ergebnis bei. Allerdings lagern viele verlustreiche Papiere des Geschäftsbereichs in einer internen Bad Bank, die 2014 einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro auswies.

Nur bei Mitarbeiterschulungen wachsen die Zahlen rasant

Im Privatkundengeschäft lief es nicht rund. Als einziges Kerngeschäftsfeld verdiente es 2014 weniger als im Vorjahr. Grund war, dass die Bank 450 Millionen Euro für Entschädigungen von Privatkunden zurücklegen musste. Der Bundesgerichtshof hatte zuletzt geurteilt, dass Banken jahrelang zu Unrecht Kreditbearbeitungsgebühren kassiert hatten.

Der Co-Chef der Bank, Jürgen Fitschen, betonte am Donnerstag erneut: „Wir haben uns zu einer verantwortungsvolleren Bank entwickelt, die sich unumstößlich einen Kulturwandel verschrieben hat.“ Im Jahr 2014 habe es weltweit 530 000 Schulungen zum Thema Compliance und Risikokultur für Mitarbeiter gegeben. 90 Prozent der Investmentbanker hätten an Kultur- und Verhaltensworkshops teilgenommen. Insgesamt seien über 1200 Transaktionen der Bank auf ihre sozialen und ökologischen Folgen hin überprüft worden – 2011 seien es nur 70 gewesen, erstaunlich wenige.

„Im Jahr 2014 hat sich die DB zu einer stärkeren, sichereren und ausgewogeneren Bank entwickelt“, sagte Fitschen.

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