Abgasuntersuchung bei einem VW Golf.
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Abgasuntersuchung bei einem VW Golf.

Steuervergünstigung

Vorteile für Diesel-Pkw in der Kritik

  • Peter Riesbeck
    vonPeter Riesbeck
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Ein Grüner schielt nach Frankreich und holt sich dort Inspiration: Er will das Ende der Steuervergünstigungen für Diesel-Motoren - aus der Union kommt Widerspruch.

Er klagte über Kopfschmerzen und Herzprobleme. Doch blieb sein Tod ewig mysteriös. Im September 1913 ist Rudolf Diesel bei der Reise über den Ärmelkanal nach Harwich auf der „Dresden“ über Bord gegangen. Bis heute halten sich Gerüchte, vor dem aufziehenden Ersten Weltkrieg könnte Großbritannien an seiner Motorerfindung Interesse gefunden haben. Auch deutsche Geheimdienste werden mit Diesels Tod in Verbindung gebracht.

Der Diesel-Motor hatte schon immer Probleme – nicht nur technische, auch politische. Am Mittwoch fand sich nun ein eifriger Verfechter. „Diesel ist Verbrauchsgut. Diesel ist eine Technologie, die man weiterentwickeln kann“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Werner Langen dem Deutschlandfunk. Er wünscht längere Übergangsfristen für die Einhaltung von Stickoxid-Normen für Diesel-Pkw und fordert: „Die Grenzwerte müssen hochgesetzt werden, generell.“

Noch eine Ausnahme für den Diesel? Der Motor gilt als verbrauchsarm. So wird er von der Politik gefördert, etwa durch eine niedrigere Mineralölsteuer. Frankreich geht einen anderen Weg. Dort hat Umweltministerin Ségolène Royal angekündigt, die Vergünstigungen für den Diesel zu kappen. Dabei hat Frankreich mit 62 Prozent den höchsten Anteil an Diesel-Pkw in der EU. Hersteller wie Peugeot sind in der Dieseltechnologie führend.

„Royals Vorschläge weisen in die richtige Richtung“, so Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Europaparlaments. Der Grünen-Politiker sagt der Frankfurter Rundschau: „Ich bin für eine langsame Angleichung bei der Mineralölsteuer für Diesel.“ Und fügt hinzu: „Jetzt hat die Beibehaltung der Stickoxid-Grenzwerte unter realen Bedingungen auf der Straße die oberste Priorität.“ Der frühere Bundesverkehrsminister Friedrich Zimmermann, CSU, habe die Dieselvergünstigungen einst durchgesetzt, weil Diesel sauberer sei als Benzin. „Er ist wegen der Stickoxide aber gefährlicher für die Menschen“, so Cramer.

Der Diesel-Motor verbrennt den Treibstoff bei höherer Temperatur, dabei entstehen aus dem Stickstoff der Luft Stickoxide. Mit bis zu 430 000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr durch Stickoxide rechnen manche in der EU. Jos Lelieveld hält diese Zahl aus wissenschaftlicher Sicht für problematisch. Lelieveld ist Professor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Im Forschungsmagazin Nature hat er unlängst eine vielbeachtete Studie zu Todesfällen durch Luftverschmutzung veröffentlicht. Lelieveld sagt: „Weil entsprechende Daten fehlen, lassen sich derzeit keine seriöse Angaben über vorzeitige Todesfälle durch Stickoxide machen. Was sich aber sagen lässt, Stickoxide können die Feinstaubbildung fördern – und das belastet die Luftqualität.“ Spricht nicht für den Dieselmotor.

Fazit des Forschers: „Durch Luftverschmutzung sterben allein in Deutschland pro Jahr 35 000 Menschen vorzeitig. Strengere Grenzwerte sind generell sinnvoll, weil wir mehr unternehmen müssen, um die Qualität der Luft zu verbessern.“

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