Altersvorsorge

Pflegeversicherung - Pflege im Alter richtig planen

  • vonMechthild Henneke
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Die Unterbringung in einem Heim oder eine ambulante Betreuung kosten weit mehr, als die Kassen zahlen. Eine private Versicherung kann die Lücke schließen.

  • Die gesetzliche Pflegeversicherung reicht für die Finanzierung der Pflege oft nicht aus
  • Wer im Alter Pflege benötigt, sollte eine private Pflegeversicherung in Erwägung ziehen
  • Versicherungen für die Altersvorsorge im Überblick

Die gesetzliche Pflegeversicherung finanziert die Kosten für die Unterbringung in einem Heim oder die private Pflege. Doch reicht der staatliche Beitrag bei Weitem nicht aus. Wer Pflege braucht, muss zuzahlen – je mehr Pflegeleistungen benötigt werden, desto höher die Summe. Die Rente oder die Ersparnisse müssen meist dafür herhalten. Private Pflegevorsorge-Versicherungen bieten eine Alternative.

Die Pflegeversicherung, die mit der Krankenversicherung bezahlt wird, deckt nur einen Teil der Pflegeleistungen. Es bleibt eine sogenannte Pflegelücke, denn der Heimplatz ist teuer. Er kostet 3500 Euro und mehr. Der Staat zahlt derzeit aber maximal 2005 Euro aus der Pflegekasse hinzu.

Altersvorsorge im Überblick: Private Vorsorge für die Pflege

Die Pflegelücke wird abhängig von den durchschnittlichen Kosten der Pflegeeinrichtungen für die Bundesländer berechnet. In Hessen liegt die Pflegelücke nach einer Berechnung des Verbands der Privaten Krankenversicherung zurzeit bei 1940 Euro. Diese Summe müssen Pflegebedürftige aus ihrem privaten Vermögen zum Heimplatz dazu bezahlen. Reichen die eigenen Mittel nicht, können die Angehörigen als Unterhaltspflichtige vom Sozialamt hinzugezogen werden.

Private Pflegezusatzversicherungen gibt es in verschiedenen Varianten: als Pflegetagegeldversicherung, Pflegekostenversicherung und Pflegerentenversicherung. Ob eine private Pflegezusatzversicherung bedarfsgerecht und sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, heißt es beim Bund der Versicherten. Die eigene körperliche Konstitution spielt dabei eine Rolle und natürlich die zu erwartende Rente. Wer eine große Familie hat, die bereit ist, sich im Pflegefall zu kümmern, kann zudem eher mit Hilfe rechnen als Alleinstehende.

Altersvorsorge im Überblick: Pflegetagegeldversicherung am gängigsten

Sie ist die gängigste private Vorsorge; zahlreiche Versicherungen bieten sie an. Antragsteller müssen einen Gesundheitsfragebogen beantworten. Vorerkrankungen haben einen Risikozuschlag zur Folge. Eine Wartezeit gibt es in der Regel nicht.

Wenn der Versicherungsfall eintritt, wird das zuvor vereinbarte Tagegeld ungeachtet der tatsächlichen Kosten gezahlt. Die Höhe des Tagegeldes richtet sich nach dem Pflegegrad. Der volle Tagegeldsatz wird häufig erst bei Pflegegrad 5 fällig. Der Versicherte kann frei über das Geld verfügen und es zum Beispiel für die Pflegehilfe durch die Familie oder für Sachkosten einsetzen.

Neben dem Pflegegeld selbst können auch einige Modalitäten vereinbart werden, zum Beispiel dass das Geld auch bei einem Auslandsaufenthalt gezahlt wird. Hilfreich kann auch eine Sonderzahlung sein, wenn Pflegegrad 2 eintritt. Von der Summe, die mehrere 1000 Euro groß ist und die manche Versicherungen anbieten, kann zum Beispiel ein Seniorenbett angeschafft werden.

Altersvorsorge im Überblick: Stiftung Warentest prüft Pflegetagegeldversicherung

Die Stiftung Warentest hat kürzlich Pflegetagegeldversicherungen geprüft. So kann ein 55-Jähriger, der jetzt eine Versicherung abschließt und rund 90 Euro monatlich zahlt, bei Pflegegrad 2 zwischen 271 und 1100 Euro monatlich erhalten – je nach Anbieter.

Laut den Testern kann eine Pflegetagegeldversicherung sinnvoll sein, wenn Versicherte ihr Vermögen, etwa eine Immobilie, für ihre Kinder erhalten und nicht für die Pflege einsetzen wollen. Allerdings warnen die Tester: „Schließen Sie die Versicherung nur ab, wenn Sie absehen können, dass Sie im Ruhestand ein sicheres Einkommen haben.“ Wer die Versicherung im Rentenalter kündigen muss, verliert das eingezahlte Geld und den Versicherungsschutz.

Altersvorsorge im Überblick: Zuschüsse mit der Pflege-Bahr-Förderung

Um die Bürger dazu zu animieren, etwas für die private Pflegevorsorge zu tun, unterstützt der Staat den Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung unter bestimmten Umständen. Bei einer Eigenleistung von mindestens zehn Euro im Monat, schießt der Gesetzgeber fünf Euro monatlich, also 60 Euro im Jahr, zu. Diese Förderung nennt sich Pflege-Bahr nach dem ehemaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der die Gesetzesinitiative 2013 einbrachte.

Gesetzlich oder privat Krankenversicherte können einen Pflege-Bahr-Tarif abschließen – die Versicherungen müssen jeden Antragsteller aufnehmen. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt. Das führt dazu, dass der Pflege-Bahr für Menschen mit Vorerkrankungen eine gute Variante ist. Die Beiträge fallen entsprechend höher aus, als bei Versicherungen mit einem Gesundheitscheck. Die Experten vom Verbraucherratgeber Finanztip online raten vom Pflege-Bahr ab, weil die Beiträge im Lauf der Zeit unter Umständen die Höhe der ausgezahlten Beträge übersteigen könnten.

Altersvorsorge im Überblick: Pflegekostenversicherung eignet sich für professionelle Pflege

Die Krankenversicherungen bieten eine Pflegekostenversicherung an. Sie erstattet tatsächlich entstandene Kosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag oder einem Prozentsatz, die nicht durch die Pflichtversicherung abgedeckt werden. Die Kosten müssen mit Rechnungen belegt werden. Die Versicherung eignet sich deshalb vor allem für professionelle Pflege. Manche Tarife übernehmen auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Die Erstattung passt sich der Kostenentwicklung an und kann bei Preissteigerungen den größeren Teil der Auslagen decken, empfiehlt der Bund der Versicherten.

Altersvorsorge im Überblick: Garantierte monatliche Rente für die Pflege

Hier zahlt der Versicherte über die gesamte Laufzeit des Vertrags einen vereinbarten Betrag. Im Pflegefall erhält er oder sie eine garantierte monatliche Pflegerente. Die Höhe der Pflegerente bestimmt sich je nach Grad der Pflegebedürftigkeit und der vereinbarten Leistung. Die Versicherer steigen aber oft erst bei Pflegegrad 3 ein. Neben der Rente kann eine Kapitalleistung oder eine Altersrente, zum Beispiel ab 85 Jahren, abgeschlossen werden. Der Bund der Versicherten rät von dieser Art Versicherung ab, weil sie eine „undurchschaubare Kombination aus Versicherungsschutz und unrentablem Sparvorgang“ sei.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach

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