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Elektrofahrzeuge vom Typ BMW i3 werden im brandenburgischen Schönefeld aufgeladen.

IAA

Vorbehalte gegen E-Autos

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Die Mehrheit der Deutschen hält bisher wenig von Elektrowagen und autonomem Fahren. Vor der IAA zeigt eine Umfrage, woran es aus Sicht der Verbraucher noch am meisten hapert.

In den nächsten Tagen präsentiert die Industrie auf der Internationalen Industrieausstellung (IAA) in Frankfurt die Zukunftstechnologien im Auto. Reihenweise stellen die Hersteller neue Elektroautos vor, und das Google-Unternehmen Waymo schickt selbstfahrende Autos auf das Gelände. Waymo-Chef John Krafcik wird am Donnerstag sogar neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die IAA eröffnen.

Doch die Kunden sind offenbar noch nicht überzeugt: In einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung EY zeigen sie wenig Begeisterung für Elektroautos und autonomes Fahren. „Die Verbraucher sind nach wie vor skeptisch“, sagt EY-Autoexperte Peter Fuß. „Den Automobilherstellern und der Politik ist es bisher nicht gelungen, dem Großteil der Autokäufer den Mehrwert der E-Mobilität zu vermitteln.“

Die meisten Kunden fürchten eher das Gegenteil: höhere Kosten und weniger Nutzen. Mehr als zwei Drittel der 2500 Befragten sehen E-Autos derzeit nicht als Option. Gut ein Viertel der Skeptiker begründet das mit dem vergleichsweise hohen Preis. Mehr als die Hälfte fürchtet Probleme im Alltag – wegen zu geringer Reichweite (28 Prozent), lückenhaftem Ladenetz (13 Prozent) und zu langen Ladezeiten (elf Prozent). Die Konsequenz: Selbst unter den grundsätzlich Interessierten haben die meisten kein reines Elektroauto im Blick, sondern eher einen Hybrid, bei dem ein zusätzlicher Verbrennungsmotor für Vortrieb sorgt, falls die Batterie leer ist.

Bisher treiben vor allem die Batteriepreise die Kosten hoch. Außerdem werden die reinen E-Autos in vergleichsweise kleinen Stückzahlen gebaut. So steht das in Deutschland meistverkaufte reine E-Auto, Renaults Kleinwagen Zoe, mit mindestens 21.900 Euro in der Preisliste – zuzüglich mindestens 69 Euro Monatsmiete für die Batterie. Beim VW ID.3, der an diesem Montag offiziell vorgestellt wird, sollen die Preise mit der kleinsten Batterie bei rund 30.000 Euro beginnen.

Beim autonomen Fahren spielen die Kosten aus Kundensicht bisher keine Rolle – vor allem wohl, weil sie noch in keiner Preisliste auftauchen. Das dürfte sich ändern, denn fortgeschrittene Selbststeuerungssysteme werden zunächst mehrere Tausend Euro pro Auto kosten. Vorerst treiben die Autofahrer jedoch eher Sicherheitsbedenken und ethische Fragen um. Fast die Hälfte der Befragten will nicht in einem vollständig autonom steuernden Fahrzeug sitzen. Teilautonome Fahrzeuge, bei denen teilweise noch der Fahrer steuert, lehnt ein Drittel der Befragten ab.

Nachdem in der Industrie zeitweise große Euphorie rund um das autonome Fahren herrschte, dämpfen viele Experten inzwischen ohnehin die Erwartungen. Bis Autos flächendeckend vollautonom unterwegs sein könnten, werde es noch lange dauern, heißt es nun. Die ersten Anwendungen könnten Lieferdienste und Robotaxis in abgegrenzten Stadtgebieten sein. Systeme für teilautonomes Fahren, zum Beispiel auf Autobahnabschnitten, halten aber schon Einzug in die Fahrzeuge.

Für die Autohersteller bringt die Studie aber nicht nur schlechte Nachrichten, denn massenhafte Nachfrage könnten sie vorerst ohnehin nicht bedienen. Im vergangenen Jahr führten Lieferengpässe bei den Batterieherstellern dazu, dass einige nicht einmal die bisher bescheidenen Aufträge für Elektroautos abarbeiten konnten. Laut EY-Umfrage können sich derzeit neun Prozent der Befragten den Kauf eines rein elektrischen Autos vorstellen. Bei rund drei Millionen jährlich verkauften Pkw in Deutschland wären das immerhin knapp 300.000 Autos. Selbst ein Riese wie Volkswagen täte sich schwer, solche Stückzahlen im nächsten Jahr zu liefern.

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