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Vollgas für Kompakt-SUVs

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Hochgebockt:Audi-Chef Stadler präsentiert den  Audi Q2.
Hochgebockt:Audi-Chef Stadler präsentiert den Audi Q2. © dpa

Der Genfer Autosalon öffnet seine Pforten und die Branche brummt wie selten zuvor. Grund ist der billige Sprit, von dem der Autoabsatz stark profitiert.

Bugatti, McLaren, Maserati – Automarken mit klangvollen Namen präsentieren auf dem Genfer Autosalon bis zum 13. März Neuheiten. Doch zum Star dürfte ein etwas kleiner geratener Wagen werden: der Audi Q2.

Die VW-Tochter Audi stößt damit in eine Nische vor, der immenses Wachstum prognostiziert wird. Es handelt sich um kompakte Sports Utility Vehicle (SUV), die für eher junge Stadtbewohner gedacht sind. Das ist die neueste Typen-Variante in der Welt der Pseudo-Geländewagen, die nun rein gar nicht mehr mit Querfeldein zu tun hat. Die Marktforscher von IHS Automotive gehen davon aus, dass sich in Europa der Absatz dieser Fahrzeuge in den nächsten fünf Jahren auf mehr als 2,1 Millionen Exemplare mehr als verdoppeln wird.

Noch macht Audi ein großes Geheimnis um das Aussehen des Q2. Der Innenraum soll komplett neu gestaltet und zum Fahrer hin angewinkelt sein, berichtet aber schon das Fachblatt „Auto, Motor und Sport“. Eine größere Bandbreite bei der Ausstattung soll es geben mit Chrom, Carbon und hochglänzendem Schwarz. Der Wagen soll sowohl mit einem braven Drei-Zylinder-Motor als auch mit einem wuchtigen 230-PS-Aggregat zu haben sein und mindestens 25 000 Euro kosten.

Das alles erweckt den Eindruck eines neu erwachten Selbstbewusstseins, und es ist symptomatisch – nicht nur für den noch mit dem Abgasskandal kämpfenden VW-Konzern, sondern für die gesamte Branche.

Wachstum bei allen Marken

Sah es noch zu Jahresbeginn nach einem eher finsteren Jahr insbesondere für die deutschen Autobauer aus, so haben sich die dunklen Wolken inzwischen verzogen. Volkswagen, BMW und Mercedes haben für den Januar überraschend hohe Absatzzuwächse gemeldet. Bei vielen Marken wurden neue Rekordwerte für den ersten Monat des Jahres gemeldet. Selbst die Marke VW, die im Zentrum des Abgasskandals steht, konnte weltweit um fast drei Prozent zulegen. Porsche steigerte die Auslieferungen gar um fast ein Viertel. Das Wachstum spielt sich indes vor allem in einem Land ab: China. Der VW-Konzern legte hier um fast 14 Prozent zu. Mercedes schaffte sogar ein Plus von 50 Prozent.

Unter Branchenkennern ist mittlerweile die Skepsis über die diesjährige Entwicklung des weltgrößten Automarktes verflogen. So prognostiziert etwa der Autowissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer ein Plus von 4,5 Prozent auf knapp 21 Millionen neuverkaufte Autos. Das bedeutet, dass die Hälfte des weltweiten Absatzwachstums in der Volksrepublik stattfindet. Davon dürfte zuallererst VW profitieren, die Wolfsburger sind dort mit General Motors Marktführer. Besonders bei kleineren Modellen wird es heftig nach oben gehen. Denn Chinas Regierung gewährt bis Ende 2016 Steuererleichterungen für Autos mit maximal 1,6-Liter-Hubraum. Und Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, macht darauf aufmerksam, dass der China-Markt überdies noch ein Riesenpotenzial hat, nämlich von 500 Millionen Pkw, wenn das Land auf eine Motorisierung wie in Industriestaaten kommen will.

Dieselgate verdüstert das Bild

In diesem Jahr dürfte es auch in USA und in Westeuropa nach oben. Dudenhöffer prognostiziert jedenfalls, dass bis Ende Dezember erstmal weltweit mehr als 80 Millionen Fahrzeuge verkauft werden. Der Absatz wird dabei auch vom billigen Sprit befeuert.

Dazu passt dass es in Genf neben neuen Supersportwagen von Bugatti oder McLaren nicht nur den Q2, sondern gleich eine ganze Flotte neuer hochgebockter Modelle zu sehen gibt. Unter anderem steigt Maserati mit dem Levante in die SUV-Oberklasse ein – als Rivale für den BMW-X5 der den GLE von Mercedes.

Alles also licht und hell für die Autobranche? Nicht ganz. Der Abgasskandal verdunkelt weiter das Bild. Diesel-Motoren könnten für die hiesigen Hersteller 2016 zum Riesenproblem werden. Bei BMW und Audi haben die Selbstzünder einen Anteil von über drei Viertel aller verkauften Fahrzeuge. In den USA sind aber im Januar die Diesel-Verkäufe um mehr als 60 Prozent eingebrochen.

Da komme eine Lawine ins Rollen, das werde man in Genf spüren, meint Dudenhöffer. Die Autobauer müssten in den nächsten Jahren Milliarden in die Standfestigkeit des Diesels investieren. Er meint damit, dass Motorentechnik und Abgasreinigung so weit optimiert werden müssen, das die Autos tatsächlich sauber werden und nicht nur auf dem Prüfstand gute Abgaswerte liefern. Dudenhöffer: „Die schönen Gewinne der letzten Jahre werden damit dünner werden.“

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