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Bankenbranche

Voller Misstrauen

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Die Finanzbranche verliert in der Bevölkerung weiter an Kredit - eine Ausnahme ist nur die Hausbank.

Dem beängstigenden Niedergang der deutschen Privatbanken setzt ihr Verband BdB ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein entgegen. Die Qualität der Bankdienstleistungen und der Service seien in kaum einem Land so gut wie hierzulande, verkündete BDB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer kürzlich bei einem Pressegespräch am Rande der Tagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Washington. Vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis sei für die Verbraucher in Köln, Frankfurt oder Berlin extrem günstig.

Eine internationale Studie ergibt ein skeptischeres, zumindest deutlich differenzierteres Bild. 52 000 Bankkunden hat die Unternehmensberatung Ernst & Young rund um den Globus befragt, davon 2000 in Deutschland. Demnach hält der Vertrauensverlust in die Branche an, auch und gerade in der Bundesrepublik. Mehr als jeder Dritte sagt, dass sein Vertrauen in die Banken insgesamt in den vergangenen zwölf Monaten gesunken sei. Gestiegen ist es nur bei elf Prozent. Deutsche Bankkunden gehen damit deutlich stärker auf Distanz zu den Geldhäusern als die in anderen Ländern. Weltweit nahm das Vertrauen bei jedem Vierten ab, verbesserte sich aber bei immerhin bei jedem Fünften.

Und doch können die gebeutelten Institute etwas Positives aus der Analyse ziehen. Die Deutschen fremdeln mit der Bankenbranche, nicht aber mit ihrer eigenen, einzelnen Hausbank. Jeder Zweite vertraut ihr voll. Weltweit sagen das nur 40 Prozent. In Westeuropa ist nur in der Schweiz mit 57 Prozent das Vertrauen in die Hausbank stärker ausgeprägt. Gute Noten bekommt die Hausbank auch, wenn es um die Relevanz für die Menschen geht. Für drei von vier Deutschen ist die klassische Filialbank der wichtigste beziehungsweise erste Ansprechpartner bei Finanzthemen. Da können die Direktbanken ebenso wenig mithalten wie neue Anbieter aus dem Digitalsektor, auch Non-Banks genannt.

Allerdings machen die traditionellen Anbieter aus diesem Kapital zu wenig. Die hoch geschätzten Filialen bauen sie in hohem Tempo ab. Um Kosten zu sparen, dünnen sie das Netz immer weiter aus. Laut Deutscher Bundesbank gab es im vergangenen Jahr bundesweit noch 34 045 Niederlassungen. Das sind zweitausend weniger als 2012. Experten sagen einen weiteren Rückgang um mindestens 25 Prozent in den nächsten fünf Jahren voraus. Einzelne Unternehmen fallen als Ausnahmen auf, wenn sie wie die Commerzbank gegen den Trend ihre Klientel möglichst weiter vor Ort bedienen möchten.

Offenbar spielen viele Gründe eine Rolle, wenn die Hausbanken daran scheitern, ihre gute Ausgangsposition zu nutzen, um ein lukratives, zukunftsträchtiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Eine Erklärung dürfte in dem wenig überzeugenden technischen Standard liegen. „Bei den traditionellen Filialbanken erhöht sich der Handlungsbedarf weiter“, meint Ulrich Trinkhaus von Ernst & Young. „Beim so wichtigen Zukunftsthema Digitalisierung werden ihre Leistungen hierzulande als ungenügend wahrgenommen.“ Mit anderen Worten: Nicht zwingend wandert das Geschäft zu den Digital-Pionieren. Wenn die klassische Bank die Abwicklung über Smartphone oder Computer erleichtert und verbessert, wären die Menschen bereit, weiter ihre Finanzangelegenheiten über sie zu regeln. Trotz der niedrigen Zinsen und der starke Konkurrenz durch ausländische und neue Finanzfirmen könnten die deutschen Banken besser dastehen. Sie müssen allerdings innovativer werden.

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