Kommentar

Maß ist voll

Es ist nur ein Ablenkungsmanöver. Die Bahn hat selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Vorwürfe im Datenskandal prüfen zu lassen. Von Thomas Wüpper

Von THOMAS WÜPPER

Es ist nur ein Ablenkungsmanöver. Die Bahn hat selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Vorwürfe im Datenskandal prüfen zu lassen. Das soll signalisieren: Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Doch letztlich kommt das einer Selbstanzeige gleich. Denn niemand anders als die Top-Manager im Konzern sind für die fragwürdigen Spähaktionen verantwortlich. Das hat nichts mit Vorverurteilung oder "Skandalisierung" zu tun, die der Konzern nun beklagt. Der Bericht der Berliner Datenschützer über die 43 Spähaktionen gegen die eigenen Mitarbeiter mittels einer dubiosen Spitzelfirma lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Und das scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein.

Denn wie üblich - siehe Boni-Affäre, ICE-Achsen oder Privatisierungsdebatte - rückt der Staatskonzern nur bruchstückhaft mit der Wahrheit heraus. Doch klar ist schon jetzt: So heftig hat der Vorstandssessel von Hartmut Mehdorn schon lange nicht mehr gewackelt. Es deutet vieles darauf hin, dass der Manager von den massiven Spitzelaktionen wusste und sie womöglich sogar selbst veranlasste. Falls sich das bestätigt, muss Mehdorn abtreten. Ohne Wenn und Aber. Das weiß die Bundesregierung, die bereits auf Distanz geht. Denn unabhängig von der straf- und zivilrechtlichen Relevanz ist ein solch monströser Datenmissbrauch ein schwerer Vertrauensbruch gegenüber der Belegschaft und nicht wieder gutzumachen. Allein deshalb sind die Spähaktionen inakzeptabel.

Das Maß ist voll. Es scheint so, als habe der eigenmächtige Bahnchef mit diesem Skandal den letzten Kredit bei der Regierung verspielt. Sein Rücktritt würde nicht mehr überraschen. Seite 17

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