+
Volkswagen-Chef Herbert Diess spricht zu den Aktionären.

Hauptversammlung

Volkswagen will Batteriefabriken bauen

  • schließen

Der Autokonzern drängt die Politik zu einem Bekenntnis zur Elektromobilität und fordert bessere Rahmenbedingungen.

Volkswagen macht den nächsten Schritt beim Elektroantrieb. Nach langen internen Diskussionen will der Konzern nun auch selbst die Batteriezellen für E-Autos herstellen. Mit Partnern sollen mehrere Fabriken hochgezogen werden – auch in Deutschland. Dafür müssten aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, sagte Vorstandschef Herbert Diess auf der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin. Er machte kein Geheimnis daraus, dass er dafür auch staatliche Unterstützung erwartet.

Das erste Projekt hat der Aufsichtsrat vor der Hauptversammlung beschlossen – allerdings mit einigen Unbekannten. Eine Milliarde Euro steht jetzt für eine Batteriefertigung im VW-Werk Salzgitter bereit. Sie soll mit einer Jahreskapazität von zehn Gigawattstunden relativ klein ausfallen und im ersten Schritt ab 2022 oder 2023 rund 700 Arbeitsplätze bringen. Sie werden dort dringend gebraucht: Dem Motorenwerk wird bei einem Erfolg der Elektroautos sonst die Arbeit knapp. Das nötige Know-how in der Elektrochemie, das dem Autobauer fehlt, soll ein Partner mitbringen. Den Namen behält VW wegen ungeklärter Fragen noch für sich, es sei aber ein europäisches Unternehmen.

Auch weitere Batteriefabriken sollen in Europa und namentlich Deutschland entstehen. Die Rahmenbedingungen stimmen hier aber offenbar noch nicht. „Wir fordern ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität und ein entschlossenes Handeln aller Beteiligten“, sagte Diess. In der Branche – und bisher auch bei VW – gilt Deutschland vor allem wegen der hohen Strompreise als schlechter Standort für die Batterieproduktion. Das Land Niedersachsen, das bei VW Großaktionär ist, werde keine Subventionen geben, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Rande der Hauptversammlung. Investoren müssten aber verlässliche Rahmenbedingungen in der Energiepolitik bekommen. Eine Befreiung solcher Fabriken von der EEG-Umlage zum Beispiel müsse dauerhaft sein. Weil fordert, die Stromsteuern im Sinne der Energiewende grundsätzlich neu zu regeln. Außerdem müssten der Verkauf von E-Autos weiter gefördert und der Ausbau des Ladenetzes vorangetrieben werden.

Offenbar haben Standorte in Osteuropa mit hohen Subventionen um die Ansiedlung der Batteriefabriken geworben. Die EU müsse hier für gleiche Bedingungen sorgen, forderte Weil: „Wir haben es eindeutig mit einer Schieflage zu tun.“ Sowohl die Bundesregierung als auch die EU-Kommission haben eine Förderung angekündigt, doch „es geht leider furchtbar durcheinander“.

Vorerst muss der Konzern allerdings selbst für Geld sorgen. Deshalb steht nun das Maschinenbaugeschäft der Lkw-Tochter MAN mit der Tochter Renk zum Verkauf. Es gehe um „zukunftsweisende, industriell sinnvolle Lösungen“, sagte Diess – von Partnerschaften bis zum völligen Verkauf, den der Betriebsrat bisher strikt abgelehnt hatte.

Vor allem aber wird der erst vor zwei Monaten abgesagte Börsengang der Lkw-Tochter Traton nun wieder vorangetrieben. So ein Sinneswandel sei bei geänderten Marktbedingungen nicht ungewöhnlich, sagte Traton-Chef Andreas Renschler in Berlin. Allerdings haben sich die Bedingungen nicht erkennbar geändert. Renschler wolle unbedingt die Milliarden für die Traton-Expansion hereinholen und nicht länger warten, hieß es in Konzernkreisen dazu.

Manche Frage, die sich die Aktionäre vor der Hauptversammlung stellten, hatte sich mit den Beschlüssen des Aufsichtsrats bereits erledigt. Er begrüße die Elektrostrategie und den Bau einer Batteriefabrik in Deutschland, sagte etwa der Sprecher der Umweltorganisation BUND, der allerdings auch dabei blieb: „Dieselgate ist nicht vorbei.“ Deutlich weniger Aktionäre als in früheren Jahren kamen zum Berliner Messegelände. Der Diesel-Skandal rückte in den meisten Redebeiträgen in den Hintergrund, den Geschäftsverlauf lobten die meisten Redner.

An Kritik fehlte es gleichwohl nicht. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre prangerte die Zusammenarbeit des Konzerns mit autoritären Regierungen in Brasilien an. Die Stiftung Ethecon schlug Jürgen Resch, den Chef der Umwelthilfe, für den Aufsichtsrat vor. Das hatte allerdings genauso wenig Chancen auf eine Mehrheit wie diverse Anträge, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder nicht zu entlasten: Die Großaktionäre halten mehr als 90 Prozent der VW-Stimmrechte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare