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Bald in Zwangspause: VW-Beschäftigte montieren im Werk Wolfsburg einen Golf. 

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Volkswagen hält die Bänder an

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Der Wolfsburger Autobauer schließt zahlreiche Werke vorübergehend - für den Betriebsrat kommt der Schritt zu spät.

Jetzt legt das Corona-Virus auch Volkswagen lahm. Der Autobauer will die meisten Werke in Europa in den nächsten Tagen vorübergehend schließen. Konzernchef Herbert Diess sagte bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2019, die Priorität sei nun, Standorte abzuschalten, auch um eine weitere Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

2020 werde für seinen Konzern ein sehr schwieriges Jahr. „Die Corona-Pandemie stellt uns vor ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen. Zudem sind nachhaltige Konjunktureinflüsse zu befürchten“, so der Manager. Angesichts der aktuell deutlich verschlechterten Absatzlage und der sich abzeichnenden Unsicherheit bei der Teileversorgung kündigte Diess Produktionsunterbrechungen an den Standorten in Europa an.

Für die spanischen Werke, die Fabriken in Setubal (Portugal), Bratislava (Slowakei) sowie für die Standorte von Lamborghini und Ducati in Italien werde die Fertigung bereits in dieser Woche unterbrochen. In den meisten anderen deutschen und europäischen Werken des Konzerns werde zurzeit eine Produktionsunterbrechung voraussichtlich für zwei Wochen vorbereitet, so Diess.

Die Tochter Audi will ihre Fabriken in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn in den nächsten Tagen komplett herunterfahren. Von Montag an sollen die Bänder stillstehen. An die betroffenen Beschäftigten des Konzerns in Deutschland soll Kurzarbeitergeld gezahlt werden. Die Bundesregierung hat die Regelungen dafür gerade erst vereinfacht. Auch die tschechische VW-Tochter Skoda hat einen vorübergehenden Produktionsstopp ab Mittwoch beschlossen.

Volkswagen steht mit den Schließungen nicht alleine da. Die französische Opel-Mutter PSA macht überall in Europa ihre Produktionsstätten auf Zeit dicht (siehe Infobox). Fiat und auch Renault unterbrechen ebenfalls die Fertigung. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer geht von einem massiven Einbruch des Autoabsatzes in den vergangenen Wochen aus, der durch die Verbreitung des Corona-Virus ausgelöst wurde. Er erwartet deshalb, dass auch Daimler und BMW in den nächsten Tagen ihre Fertigung herunterfahren. Niemals zuvor seien die drei wichtigsten Automärkte der Welt (Europa, China, USA) gleichzeitig derart heftig erschüttert worden.

VW-Finanzvorstand Frank Witter will derzeit keine konkreten Vorhersagen für die Geschäftszahlen seines Unternehmen wagen. Es sei ungewiss, mit welcher Schwere und Dauer das Virus den Konzern treffen werde. Er schätzt aber, dass sich der Betriebsgewinn im ersten Quartal mindestens halbieren wird.

Bei den Volkswagen-Beschäftigten in den hiesigen Werken waren bislang nur relativ wenige Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Am vorigen Wochenende wurden mehrere Fälle im Wolfsburger Stammwerk sowie in der Fabrik in Baunatal bei Kassel publik. Der Konzern hatte zuletzt die Hygienevorschriften verschärft. Kantinen sollen geschlossen werden, Dienstreisen sind weitgehend verboten und größere Versammlungen wurden vertagt. Vom Betriebsrat gab es am Dienstag indes massive Kritik am Management. Das von Freitag an geplante Aussetzen der Produktion komme zu spät. Es sei nicht mehr einzusehen, dass die Beschäftigten für ein paar hundert Autos mehr eine Ansteckung riskierten, die sie dann womöglich in ihre Familien tragen würden.

Betriebsratschef Bernd Osterloh und seine Stellvertreterin Daniela Cavallo fordern in einem Schreiben an die Belegschaft, dass nun detaillierte Pläne für die einzelnen Werke vorgelegt werden müssten. Besonders wichtig sei, wie es am Standort Zwickau weitergehe. Dort läuft gerade die Produktion für das Elektroauto ID3 an, das ist das wichtigste Projekt des Konzerns in diesem Jahr. Diess will trotz des Shutdowns an den Plänen für den Stromer festhalten. Auch bei einer Pause von drei Wochen sei die für 2020 geplante Produktion von 100 000 Fahrzeugen möglich.

Diess betonte auch, dass die Fertigung in China – mit Ausnahme von zwei Werken – wieder aufgenommen worden sei. Volkswagen verkauft rund 40 Prozent seiner Fahrzeuge in der Volksrepublik.

Unternehmen im Stillstand

Airbus:Der Flugzeug- und Rüstungskonzern setzt wegen der Coronavirus-Pandemie seine Produktion in Frankreich und Spanien für den Rest der Woche aus. Der Stopp dauere vier Tage, teilte das Unternehmen mit. Der Hersteller reagiert auf die von den Regierungen erlassenen Vorschriften wie die Ausgangssperre in beiden Ländern. Die Airbus-Standorte in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, Großbritannien, Kanada, den USA und China, seien davon nicht betroffen, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen will nun schnell neue Sicherheits- und Hygienemaßnahmen umsetzen, um die Produktion in Frankreich und Spanien wieder aufnehmen zu können. Wo immer möglich, sollen Mitarbeiter vorerst von zu Hause aus arbeiten. Frankreich ist für Airbus das wichtigste Produktionsland neben Deutschland.

Ikea:Der Möbelhändler schließt ab Dienstag alle 53 Einrichtungshäuser in Deutschland. Man wolle damit die Ausbreitung des Coronavirus hemmen und die Mitarbeiter schützen, erklärte das Unternehmen in Hofheim bei Frankfurt. Man komme der Verantwortung als großer Einzelhändler nach, erklärte Deutschland-Geschäftsführer Dennis Balslev. Die Maßnahme gilt bis auf weiteres. Der Online-Shop soll ebenso wie das Kunden-Servicecenter weiter geführt werden. Ikea ist Deutschlands größter Möbelhändler.

Rolex:Der Schweizer Luxusuhrenhersteller schließt von diesem Dienstag bis zum 27. März seine Produktionsstätten in Genf, Biel und Crissier. Der Konzern will so seine Angestellten und ihre Familien vor der Coronavirus-Pandemie schützen, wie ein Rolex-Sprecher der Nachrichtenagentur AWP sagte. Das Unternehmen habe die Entscheidung getroffen, „um die Verbreitung des Coronavirus in der Schweiz zu stoppen“. Die Dauer der Schließung könne je nach Entwicklung der Pandemie noch verlängert werden. Wie viele Mitarbeiter von den Maßnahmen genau betroffen sind, wollte Rolex nicht sagen. An den Schweizer Standorten arbeiten laut Firmenangaben mehr als 6000 Mitarbeiter.

Opel:Nach dem vom Mutterkonzern PSA verhängten Produktionsstopp fährt Opel die Produktion in seinem Stammwerk Rüsselsheim herunter. Das geschehe wie in Eisenach und Kaiserslautern an diesem Dienstag, berichtete ein Unternehmenssprecher. Die Mitarbeiter seien noch für Abschlussarbeiten vor Ort. Zahlreiche Beschäftigte aus Entwicklung und Verwaltung hatten ihre Tätigkeit bereits in der vergangenen Woche ins Home-Office verlegt. In Rüsselsheim wird nun das Werk geschlossen, in dem der Mittelklassewagen Insignia montiert wird. Die rund 2400 Beschäftigten hatten bereits vor der Coronakrise Kurzarbeit, weil sich das Modell nur noch mäßig verkauft. Eine bessere Auslastung wird erst ab 2021 erwartet, wenn der neue Astra in Rüsselsheim vom Band läuft.
Opel spreche mit den Arbeitnehmern und der Arbeitsagentur über die Ausweitung der Kurzarbeit, hieß es in einer internen Information vom Montag. Über Dauer, Umfang und Zahl der betroffenen Beschäftigten wurde nichts bekannt. (dpa)

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