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Da wächst was zusammen: Eva Wunsch-Weber (Frankfurter Volksbank) und Oliver Klink (Taunus Sparkasse).

Finanzwirtschaft

Volkssparkasse in rot oder blau

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Taunus Sparkasse und Frankfurter Volksbank kooperieren bei ihrem Filialnetz. Kann das ein Ansatz für die gesamte Bankenbranche sein?

Es ist eine Art Laborsituation, die Taunus Sparkasse und Frankfurter Volksbank gestern in Sulzbach aufgebaut haben: Der Schriftzug „Finanzpunkt“ prangt über dem simulierten grauen Eingangsportal. Ein Lichtwürfel am Kundenschalter leuchtet im Wechsel rot und blau auf. Es gibt zwei Bankautomaten – einen von der Volksbank und einen von der Sparkasse. Hinten im Raum steht ein Besprechungstisch.

Genau so werden die Kunden der beiden Geldinstitute künftig die 26 gemeinsamen Geschäfts- und Selbstbedienungsstellen erleben, die Taunus Sparkasse und Frankfurter Volksbank bis 2021 in den Landkreisen Main-Taunus und Hochtaunus aufbauen wollen. „Finanzpunkte“ mit Beratung wird es an 17 Standorten geben. Mitarbeiter der beiden Geldinstitute werden an jeweils zwei Tagen pro Woche im Wechsel vor Ort sein. Leuchtet der Würfel am Eingang rot, sind die Sparkassenmitarbeiter da, ist das Licht blau, sind es die Berater der Volksbank. Sieben der neuen Finanzpunkte werden reine SB-Center mit Bankautomaten sein, an denen die Kunden Geld abheben und einzahlen sowie Kontoauszüge ziehen können.

Dass Geldhäuser aus unterschiedlichen Lagern in großem Stil so eng zusammenarbeiten, ist ein Novum. Dass es nun ausgerechnet eine Volksbank und eine Sparkasse tun, ist umso erstaunlicher, als beide Institute eigentlich in einem scharfen Wettbewerb zueinander stehen. Sie haben ein sehr ähnliches Produktangebot und konkurrieren um die gleiche Zielgruppe. „Wenn Sie mich vorher gefragt hätten, hätte ich das nicht für möglich gehalten“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Goetheuniversität in Frankfurt, im Gespräch mit der FR.

„Mutig und über alle Grenzen der tradierten Säulen des Bankwesens hinweg “ sei die flächendeckende Kooperation zweier Wettbewerber, sagte auch die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, Eva Wunsch-Weber, gestern vor Journalisten. Die beiden Institute fühlten sich gemeinsam verantwortlich für die Menschen in der Region – „anders als ausländische Banken oder Fintechs, die ohne regionale Verwurzelung tägig sind.“

Sparkasse und Volksbank kooperieren

Sinkende Kundenzahlen in ihren Filialen und Mitarbeiter, die ihre Mini-Geschäftsstellen nicht mehr als attraktiven Arbeitsplatz empfanden, hätten Sparkasse und Volksbank über eine Kooperation nachdenken lassen, sagte Wunsch-Weber. Wer am Ende bei wem vorstellig wurde, darüber mochte der Vorsitzende der Taunus Sparkasse Oliver Klink gestern nichts sagen. „Aber wir wollten beide nicht dem üblichen Reflex folgen, die Geschäftsstellen einfach irgendwann mal ganz zu schließen.“ Bankkunden bewegten sich heute zwischen analoger und digitaler Welt hin und her, sagte Eva Wunsch-Weber. Die meisten tätigten ihre Geldgeschäfte telefonisch, per Smartphone-App oder vom heimischen PC aus. Auf die Filialen ganz verzichten wollten viele dennoch nicht. „Auch wenn sie nur noch selten vorbeikommen.“

Das Resultat: Die gesamte Bankenbranche müht sich, den Spagat zwischen digitalen Angeboten und der Präsenz in der Fläche zu schaffen. Mit mehr oder minder großem Erfolg. Seit längerem schon schrumpft die Zahl der Filialen, denn das dichte Netz kostet die Institute eine Menge Geld. Im vergangenen Jahr verringerte sich die Zahl der Zweigstellen über den gesamten deutschen Markt hinweg um 2239 auf 27 887 Filialen. Im Jahr 2007 waren es noch rund 40 000. Und weitere Kürzungen schließt niemand aus. Da sei der Ansatz „optimieren, also Kosten zu sparen, ohne zu fusionieren sowohl intelligent als auch kreativ“, findet Brühl. „Betriebswirtschaftlich ist das eine gute Lösung. Praktisch werden sich noch viele Herausforderungen stellen. Etwa, bis sich die Kunden daran gewöhnt haben.“ Trotzdem ist sich der Professor für Finanzwesen sicher: „Das wird über die Region hinaus für Aufmerksamkeit sorgen.“

Kann das Konzept also für die gesamte Branche ein Ansatz sein, um Kosten zu sparen? Da ist Brühl eher skeptisch. Bei Sparkassen und Volksbanken würde die Zusammenarbeit gut funktionieren, weil jedes Institut in seiner Gruppe über eine eigene Eigentümerstruktur verfüge. „Bei Großbanken würde das wahrscheinlich nicht funktionieren“, sagt der Experte. Allerdings könne es dort zu einem Denkanstoß führen, über Kooperationen in einzelnen Funktionsbereichen nachzudenken.

Taunus Sparkasse und Frankfurter Volksbank wollen nun fünf Millionen Euro in ihr Finanzpunkt-Netz investieren, alle gemeinsamen Geschäftsstellen und SB-Center barrierefrei ausgestalten und in die Technik investieren. Durch die Schließung nicht mehr benötigter Filialen sollen rund 40 Prozent der Kosten eingespart werden. Weil die Bankberater der Institute zu unterschiedlich Zeiten anwesend sind und die IT-Infrastruktur streng getrennt ist, seien Bankgeheimnis und Datenschutz an den gemeinsamen Standorten in vollem Umfang gewährleistet, versicherte Eva Wunsch-Weber.

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