Viessmann

Smart Home aus Hessen

  • schließen

Der hessische Heizungsbauer Viessmann investiert in digitale Projekte. Im Mittelpunkt sollen die Nutzerbedürfnisse stehen.

Wie wollen Sie gegen Amazon, Google und Co. bestehen?“, das ist eine Frage, die auf Telekom- oder IT-Firmen zu passen scheint. Aber bei Viessmann, zweitgrößter deutscher Hersteller von Heizungsanlagen, wirkt sie ungewöhnlich. Nicht für Max Viessmann, Co-Vorstandschef der nordhessischen Firma und Ur-Enkel des Unternehmensgründers. Man agiere mit der Wibutler-Allianz als „Membran in alle Richtungen“, so der jüngste Viessmann in der Unternehmensführung. Sein Vater Martin, aktuell noch Chairman, ergänzt: „Wir stellen die Bedürfnisse der Nutzer in den Mittelpunkt.“

Guter Punkt, aber eigentlich sollte das doch für jedes Unternehmen selbstverständlich sein? Ja, aber wer hat schon das Bedürfnis, einen Heizkessel zu kaufen oder eine Gas-Brennwerttherme? Abgesehen vielleicht von Haustechnik-Freaks wohl kaum jemand. Aber wir alle wollen es warm haben Zuhause.

Die strategische Neuausrichtung, die Viessmann in seinem Jubiläumsjahr 2017 zum hundertjährigen Bestehen ausgerufen hat, bedeutet daher: Weg von der Heiztechnik, hin zum Anbieter integrierter Lösungen. Max Viessmann hat dafür zuerst ein ganzes Bündel Start-ups gegründet, in Berlin natürlich, nicht in Allendorf. Dort geht es etwa um das Internet der Dinge, die Blockchain oder tiefe Datenanalyse mittels Deep Learning und künstlicher Intelligenz. Übernahmen wurden ebenso getätigt, wie erst jüngst den Hersteller von Kühlanlagen Tschritter oder eben das Smart Home-Unternehmen Wibutler aus Münster.

Das schlägt den Bogen zur Konkurrenz mit den großen Internetkonzernen. Die Übernahme des Thermostat-Herstellers Nest durch Google 2014 war für Martin Viessmann der Weckruf, die Digitalisierung und Unternehmensnachfolge anzugehen. Wibutler ist eben die Membran, von der Sohn Max sprach. Die Plattform soll alle Anwendungen im Haus vernetzen. Egal, ob deren Hersteller Viessmann heißt oder nicht. Wenn das klappt, dann sind die Nordhessen möglicherweise tatsächlich weit vorne.

Intelligent Energie sparen

Denn die oft sowieso schon recht ausgefeilte Anlagensteuerung der Heizung ist eben auch eine gute Basis, um zur Schaltzentrale für das gesamte Haus zu werden. Werden Wetterdaten eingebunden, lassen sich laut dem Institut für technische Gebäudeausstattung bis zu 15 Prozent Energiekosten sparen. Und von hier ist es nicht mehr weit bis zur Einbindung etwa von Rollos und Markisen, die je nach Sturm- oder Sonnenprognose geöffnet oder geschlossen werden, oder Batteriespeicher, die geladen werden, wenn gerade viel Strom im System ist und dieser somit günstig.

Das Beispiel zeigt, wie Viessmann eben die Nutzerbedürfnisse in den Mittelpunkt stellen will statt seiner eher unsinnlichen Kernprodukte. Wer keine Heizanlage kaufen will, kann von Viessmann auch einen reinen Wärmeliefervertrag bekommen. Alte Produkte bis zurück ins Jahr 2004 können mittels einer Plattform in die digitale Produktsteuerung - natürlich samt App - eingebunden werden. Und für Solarstromerzeuger bietet Viessmann eine Energy-Community zur Förderung der Direktvermarktung von Ökostrom.

Natürlich kostet Strategiewandel Geld: Nachdem seit 2005 rund 220 Millionen in den hessischen Standort investiert wurden, folgte 2017 die Eröffnung des Forschungs- und Entwicklungszentrums Technikum in Stadtallendorf für rund 50 Millionen Euro. 2017 wurden insgesamt 72 Millionen investiert und im vergangenen Jahr nochmals 80 Millionen. Für 2018 meldet Viessmann einen erneuten Umsatzanstieg von rund fünf Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Zum Gewinn macht das Familienunternehmen traditionell keine Angaben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare