+
Anschluss gefunden: BMW und Viessmann wollen Firmen helfen, ihren Energieverbrauch zu senken.

Energieeffizienz

BMW und Viessmann schließen Bündnis

  • schließen

Der Autobauer und der Heiztechnikspezialist wollen Kleinunternehmen und Mittelständlern helfen, den Energieverbrauch effizient und kostengünstig zu gestalten. Damit eröffnen Viessmann und vor allem BMW ein neues Geschäftsgebiet.

Die Automobilbranche als eine von Deutschlands Schlüsselindustrien ist fraglos im Wandel. Das dokumentiert nicht nur der technologische Umbruch in Richtung Elektromobilität. Auch ein Bündnis wie das des Münchner Premiumherstellers BMW mit dem Heiztechnikspezialisten Viessmann hätte es vor ein paar Jahren noch nicht gegeben.

„Wir schließen eine Marktlücke“, erklärt Ulrich Schmack. Er ist einer der beiden Geschäftsführer des Münchner Gemeinschaftsunternehmens Digital Energy Solutions (DES), das beide Partner soeben gegründet haben. Ihn stellt Viessmann. Als Co-Geschäftsführer agiert für BMW Thorsten Nicklaß. Das Duo will Kleinunternehmen und Mittelständlern helfen, den Energieverbrauch effizient und kostengünstig zu gestalten. Damit eröffnen Viessmann und vor allem BMW ein neues Geschäftsgebiet.

Anknüpfungspunkte zu bestehenden Aktivitäten gibt es aber durchaus. Denn DES versteht sich nicht nur als Beratungs- und Dienstleistungsfirma. „Herstellerunabhängig geht es auch um Hardware“, sagt Schmack. Wenn bei Kunden der Verbrauch von Wärme, Strom und Gas mittels eines von BMW ursprünglich für den eigenen Werksverbund entwickelten IT-Systems integriert gemanagt und dabei optimiert wird, ist schnell auch die Rede von Hochvoltbatterien oder einer Elektroautoflotte. Die lassen sich im Energiesystem moderner Unternehmen als Speicher und Puffer nutzen, um zum Beispiel Lastspitzen im Stromverbrauch eines Industriebetriebs abzufedern.

Solche Spitzenverbräuche lassen sich Energieversorger teuer bezahlen. Auch ausrangierte Altbatterien von Elektroautos finden in einem solchen System ihren Platz – und dann wird auch das zweite Leben einer solchen Hochvoltbatterie in Form eines Zwischenspeichers zum Geschäft.
Zwingend seien solche Batterien oder eine Elektroautoflotte nicht, um Energieverbräuche zu senken, betont man seitens beider Partner.

Auch Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerke, mit denen hierzulande immer mehr produzierende Unternehmen arbeiten, böten in der Regel viel Optimierungspotenzial. Beispielhaft verweisen BMW und Viessmann zudem auf das jeweils im eigenen Haus Erreichte. BMW hat die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) pro gebautem Fahrzeug zwischen 2010 und 2014 um ein Viertel gesenkt und nutzt dabei verstärkt lokale regenerative Energiequellen. Viessmann hat am Unternehmenssitz im hessischen Allendorf den CO2-Ausstoß um 80 Prozent sowie die Nutzung fossiler Energieträger um 70 Prozent gemindert und im Gegenzug den Anteil erneuerbarer Energien auf rund zwei Drittel gesteigert.

Hohes Sparpotenzial

Mit einem Blockheizkraftwerk könnten Firmen regelmäßig fünfstellige Euro-Beträge pro Jahr sparen oder zusätzlich erlösen, wenn sie damit helfen, das allgemeine Stromnetz zu stabilisieren, verspricht Schmack. Das sei ohne Nutzungseinbußen des Kraftwerks für den firmeneigenen Einsatz möglich.

Für BMW ist das Geschäftsfeld nicht ganz so neu, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die Münchner haben 2015 bereits ein Projekt aus der Taufe gehoben, das sich eMobilie nennt. Ein Prototyp dessen steht im Münchner Vorort Hallbergmoos. Dort bringt BMW modernes Wohnen in einem Stromsparhaus mit E-Mobilität zusammen. Ein BMW-Elektroauto wird dort mit dem Energiesystem eines Wohnhauses inklusive Photovoltaikanlage am Dach vernetzt. Beides – Haus und Auto – werden dabei in ihren Verbräuchen per intelligenter IT so geschaltet, dass das Haus in einem Jahr mehr Strom produziert als verbraucht. Bei DES werden die dortigen Erfahrungen hochskaliert auf die Bedürfnisse eines Industriebetriebs, merkt man bei BMW an.

Über das Marktpotenzial und die wirtschaftlichen Ziele des Joint Venture schweigen sich die beiden Partner noch aus. Dazu wolle man so kurz nach dem Start noch keine Angaben machen, sagt Schmack. Keinen Zweifel hat das Duo aber daran, mit ihrem neuen Angebot, das vorerst auf deutsche und österreichische Firmenkunden beschränkt ist, grundsätzlich auf dem richtigen Weg zu sein. Energiemanagement sei eine neue Kernkompetenz in modernen Wirtschaften.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare