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Viele Krisen, viele Profiteure

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Von: Stephan Kaufmann

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DHL-Logistik Leipzig
DHL-Logistik Leipzig. © imago

Nicht nur die Mineralölkonzerne machen derzeit glänzende Geschäfte.

Von der Einführung einer Übergewinnsteuer – also einer Steuer auf erhöhte Gewinne im Zuge von Corona-Pandemie und Ukrainekrieg – könnte eine ganze Reihe von Unternehmen und Branchen betroffen sein. Eine Auswahl:

Als Erstes fallen die Produzenten von Rohstoffen ins Auge, insbesondere von Öl und Gas. So haben Exxon Mobil und Total Energies ihren Gewinn im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahresquartal verdreifacht, bei Shell beträgt das Plus knapp 150 Prozent. Aber auch deutsche Firmen wie der Kupferproduzent Aurubis oder Stahlhersteller wie Salzgitter und Thyssen verdienen derzeit prächtig.

Im Zuge des Ukrainekriegs haben sich Düngemittel drastisch verteuert, davon profitiert der deutsche Konzern K+S, sein Segment „Landwirtschaft“ verdoppelte im ersten Quartal seine Erlöse. Auch bei Bayer ist es die Agrarsparte, die an Preiserhöhungen verdient. Der Krieg bringt daneben eine dauerhafte Erhöhung der deutschen Militärausgaben mit sich. Davon „dürfte der Rheinmetallkonzern durch sein Rüstungsgeschäft profitieren“, so die DZ Bank. „Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt könnten auch weitere europäische Staaten die Rüstungsausgaben erhöhen, wovon Rheinmetall ebenfalls profitieren könnte.“ Weitere deutsche Unternehmen in dieser Sparte sind KMW, Hensoldt und der Kleinwaffenhersteller Heckler & Koch.

Weltweit angespannte Lieferketten führen zu besseren Geschäften der Logistikbranche. Die Deutsche Post hat in jüngster Zeit sogar Marktanteile sowohl in der Luft- wie auch in der Seefracht hinzugewonnen. Beide Sparten sowie die Lagerhaltung sind nun Wachstumsmotoren des Konzerns, der Vorsteuergewinn der Post verdreifachte sich im ersten Quartal. Allerdings trübt das Privatkundengeschäft die Bilanz.

Die Corona-Pandemie hat dem Homeoffice zum Durchbruch verholfen und es wird nicht damit gerechnet, dass sich die Büropräsenzpflicht wieder so durchsetzt wie vor der Pandemie. Zudem haben Lockdowns das Onlineshopping weitgehend zur Normalität gemacht. Profiteure dieser Entwicklung könnten nicht nur US-Riesen wie Amazon, Facebook und Google-Mutter Alphabet sein, sondern auch der deutsche Onlinehändler Zalando. „Die Pandemie hat die Wettbewerbsposition von Zalando im europäischen Modemarkt verbessert“, so die DZ Bank.

Der russische Angriff auf die Ukraine führt auch zu einem Umdenken im Bezug auf die Energieversorgung. Um die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu senken, wird der Ausbau der erneuerbaren Energien massiv vorangetrieben. Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission beschlossen, den Anteil der Erneuerbaren von 22 Prozent im Jahr 2020 innerhalb von zehn Jahren auf 40 anzuheben. Nun prüft die Kommission, ob 2030 bereits ein Wert von 45 Prozent zu erreichen ist, unter anderem durch die drastische Verkürzung von Genehmigungsverfahren. „Die deutsche Windenergiebranche blickt zuversichtlich in die Zukunft“, meldete das „Handelsblatt“ Anfang Mai. „Eine Umfrage der Weltleitmesse für Windenergie förderte Spitzenwerte zutage.“

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