+
Die Gefahr eines Fehlkaufs ist deutlich geringer, wenn sich der Beschenkte seine Überraschung selbst aussuchen kann.

Weihnachtsgeschäft

Viele Gutscheine werden nie eingelöst

  • schließen

Gutscheine sind der Renner im Weihnachtsgeschäft. Das ist nicht nur für Verbraucher praktisch, auch der Handel profitiert: Viele Kunden lösen ihre Gutscheine nie ein.

Mit dem Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr ist Linh Nguyen, Geschäftsführerin des Berliner Online-Modehändlers Kisura, sehr zufrieden. Besonders gut lief der Verkauf von Geschenkgutscheinen: „Die sind zur Zeit sehr beliebt. In der Vorweihnachtszeit wurden Gutscheine viermal so häufig bestellt wie sonst.“ Und nicht nur dort. Gutscheine waren 2015 der Renner auf dem Gabentisch: „Rund ein Viertel der Weihnachtsgeschenke sind in diesem Jahr in Form von Geschenkgutscheinen gekauft worden“, sagt der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Kai Falk. Kein Wunder, denn die Vorteile der Gutscheine sind offensichtlich: Der Käufer muss nicht mehr lange grübeln und nach passenden Geschenken suchen, die dem Empfänger am Ende vielleicht doch nicht gefallen.

Der Beschenkte wiederum kann sich mit dem Gutschein nach Weihnachten in Ruhe den Pullover, das Smartphone, den Film oder die Flugreise aussuchen, die er haben möchte. Gutscheine sind also sowohl für den Schenkenden als auch für den Beschenkten eine tolle Sache, möchte man meinen. Doch in Wahrheit profitiert vor allem der Handel von der Gutscheinwelle. Denn ein großer Teil der Gutscheine wird gar nicht eingelöst und verfällt – entweder weil der Gutscheininhaber kein Interesse daran hat oder weil der Gutschein in Vergessenheit gerät. Das bedeutet: Der Händler hat Geld für eine Leistung eingenommen, die er gar nicht mehr erbringen muss.

Zwar gibt es keine offiziellen Studien darüber, wie hoch in Deutschland genau der Anteil der verkauften Gutscheine ist, der nicht eingelöst wird. Doch es gibt Annäherungswerte. So sagen in Umfragen knapp zehn Prozent der Menschen, die Gutscheine geschenkt bekommen haben, explizit, dass sie nicht vorhaben, diese einzulösen. Hinzurechnen muss man dann aber noch all diejenigen, die zwar eigentlich vorhaben, ihre Gutscheine einzulösen, es dann aber vergessen oder aus anderen Gründen doch nicht tun. Experten schätzen deshalb, dass der Anteil der nicht eingelösten Gutscheine deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegen dürfte.

Zahlen aus den USA bestätigen diese Schätzung: Dort geben einer Umfrage von Blackhawk Network zufolge 51 Prozent der Verbraucher an, dass sie noch über ungenutzte Geschenkkarten verfügen. Da die Umfrage noch vor Weihnachten durchgeführt wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass viele US-Verbraucher ihre Gutscheine schon eine ganze Weile im Besitz haben und ein guter Teil davon deshalb wohl auch nicht mehr eingelöst wird. Ein Grund, warum Gutscheine verfallen, ist die häufig kurze Geltungsdauer. Zwar sieht das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) vor, dass Gutscheine ab Ende des Jahres, in dem sie gekauft wurden, noch drei Jahre gültig sind.

Händler müssen auf Geltungsdauer hinweisen

2015 gekaufte Gutscheine gelten demnach also bis Ende 2018. Dies gilt aber nur, wenn der Händler keine andere Regelung trifft. Manche Händler legen eine längere Geltungsdauer fest, was aus Verbrauchersicht natürlich unproblematisch ist. In vielen Fällen verfallen Gutscheine aber schon nach zwei Jahren oder sogar nach nur einem Jahr. Dies muss nicht einmal auf dem Gutschein vermerkt sein. Der Händler muss den Käufer nur darauf hinweisen.

Manche Händler erklären Gutscheine sogar nach sechs Monaten für ungültig. Dies haben Gerichte zwar bereits für unzulässig erklärt. Doch solche Urteile gelten laut der Berliner Verbraucherzentrale immer nur für den Einzelfall. Im Zweifel müssten Betroffene also selbst den Rechtsweg beschreiten. Gutscheine für Internet-Händler müssen laut einem Urteil des Oberlandesgerichts München sogar mindestens ein Jahr lang gültig sei.

Gilt ein Gutschein nur für eine bestimmte Veranstaltung – wie eine Theateraufführung an einem festgelegten Tag – kann der Kunde keine nachträgliche Einlösung verlangen. Ist ein Gutschein verfallen, der befristet war, muss der Händler dem Inhaber den Geldwert des Gutscheins erstatten, solange die dreijährige gesetzliche Verjährungsfrist nicht abgelaufen ist. Die Höhe des Geldwerts ist indes umstritten. In der Regel ist er niedriger als der Gutscheinwert. Denn der Händler darf den Betrag behalten, den er bei rechtzeitiger Einlösung als Gewinn gemacht hätte. Er kann hier üblicherweise einen Abzug von 15 bis 25 Prozent geltend machen. Auch hier muss der Kunde im Zweifel den Händler verklagen.

Für den Handel hat der Boom der Gutscheine noch weitere Vorteile als die Aussicht, in vielen Fällen keine Leistung dafür erbringen zu müssen. „Seit verstärkt Gutscheine verkauft werden, werden viel weniger Waren umgetauscht“, sagt HDE-Sprecher Falk. Im Jahresschnitt liege die Umtauschquote aktuell bei weniger als fünf Prozent. Früher sei sie deutlich höher gewesen. Die Gefahr eines Fehlkaufs ist natürlich deutlich geringer, wenn sich der Beschenkte sein Geschenk selbst aussuchen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare