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Ulrich Lehner gibt drei Mandate ab.
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Ulrich Lehner gibt drei Mandate ab.

ThyssenKrupp

Vielbeschäftigter Chefaufseher

  • Daniel Baumann
    VonDaniel Baumann
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Ulrich Lehner steht in seinem neuen Amt vor der schweren Aufgabe, ThyssenKrupp aus der tiefen Krise zu führen.

Der Kandidat zeigte sich vor der Wahl vernünftig: Er werde auf einige seiner Posten verzichten, versicherte Ulrich Lehner vor der Wahl zum Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp. Und tatsächlich wurde er in das prestigereiche Amt gehoben, ohne dass irgendwelche Verstimmungen in dem Wahlgremium bekanntgeworden wären. Nun steht Lehner vor der Aufgabe, das Unternehmen aus einer tiefen Krise herauszuführen. Doch ob er dafür tatsächlich genügend Zeit haben wird, hinter dieser Frage steht zumindest ein großes Fragezeichen.

Denn Lehner hat inzwischen erklärt, welche Ämter er aufgeben will, und er hat damit zumindest bei Beobachtern des Unternehmens Verwunderung ausgelöst: „Ich finde es nicht in Ordnung, was Herr Lehner hier macht“, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Lehner will lediglich drei kleinere Mandate bei Porsche, Henkel und Oetker aufgeben. Damit verbleiben noch – neben dem neuen Amt als Chefkontrolleur bei ThyssenKrupp – der Aufsichtsratsvorsitz bei der Deutschen Telekom, das Amt als Interimspräsident beim Pharmakonzern Novartis, das Kontrollmandat beim Energiekonzern Eon sowie die Mitgliedschaften im Gesellschafterausschuss des Chemiekonzerns Henkel und der Krombacher Brauerei. Außerdem vertritt Lehner als Präsident die Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf. Er hat also alle Hände voll zu tun.

Minimum von 60 Tagen

Die Zusammenballung von Aufsichtsämtern ist in der deutschen Wirtschaft häufig. Nach einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung der Personalberatung Kienbaum bündeln 26 Männer ein Viertel der gesamten Aufsichtsratsmandate aller Dax-Konzerne. Je mehr Ämter ein Kontrolleur hat, desto fragwürdiger ist, ob er sie auch ordentlich ausfüllen kann. Das gilt besonders für den Aufsichtsratsvorsitzenden.

Der Aufwand des Chefaufsehers sei etwa doppelt so hoch wie der eines einfachen Aufsichtsrats, sagt Guido Happe. Er hat die Board Academy gegründet, die dazu beitragen will, dass Aufsichtsräte besser qualifiziert werden, und ist Vorstandsvorsitzender von Steinbach & Partner. Die Personalberatung rekrutiert Topmanager und Aufsichtsräte. Etwa 20 bis 40 Arbeitstage müsse ein Aufsichtsratsvorsitzender in normalen Zeiten für sein Amt aufwenden. In Krisenzeiten seien es deutlich mehr.

„Ich schätze mal, dass Herr Lehner im Minimum 60 Tage bei Thyssen sitzt, womöglich sogar bis zu 80 Tage“, sagt Happe. Hinzu kommen dann noch all die anderen Mandate. Lehner muss sich in verschiedenen Branchen, Ländern und Unternehmen auskennen, bei sich ständig verändernden Technologien, Gesetzen und Märkten. „Ich frage mich, wie der Mann das macht, obwohl er ganz bestimmt ein hervorragend erfahrener Aufsichtsrat ist“, sagt der Personalberater. „Das kann eigentlich gar nicht funktionieren. Das ist viel zu viel Aufwand. Ich halte das auch für nicht richtig.“

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