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Familienbetriebe

Viel Vermögen in der Firma

  • VonStephan Kaufmann
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Eine Studie belegt: Privatleute halten mehr Betriebsvermögen als bislang gedacht. Das Geld ist jedoch gebunden - eine höhere Besteuerung sei daher gefährlich, warnen die Fachleute.

In Deutschland ist nicht nur die personale Ungleichheit besonders hoch, also die Vermögensunterschiede zwischen den Reichen und den Armen. Hoch ist auch die Ungleichheit bei der funktionalen Verteilung, also zwischen abhängig Beschäftigten und den Eigentümer:innen von Unternehmen. Der Wohlstand letzterer besteht zum Großteil in Betriebsvermögen – und das ist deutlich größer als bisher angenommen, so eine neue Untersuchung.

Wie reich die Reichen sind, ist nur ansatzweise bekannt. Denn die Bestimmung der Höhe des Betriebsvermögens ist problematisch. Zwar existieren Befragungsdaten. Auf Grund der kleinen Stichproben jedoch sind hier sehr hohe Vermögen aber regelmäßig untererfasst. Eine Studie des arbeitgeberfinanzierten Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat nun einen Ansatz entwickelt, um das Betriebsvermögen möglichst realitätsnah zu bewerten.

Als Datengrundlage dient der Studie eine Stichprobe von knapp 4500 Unternehmen in Kombination mit Befragungsdaten der Deutschen Bundesbank, die das IW ausgewertet hat. Auf dieser Basis schätzen die Forscher:innen das von Privatleuten gehaltene Betriebsvermögen 2017 auf 2,4 bis 3,1 Billionen Euro. Auf Basis der Befragungsdaten der Bundesbank allein ergäben sich dagegen Betriebsvermögen von nur 1,1 Billionen Euro. Diese Daten sind auch insofern interessant, als sie aus einer Quelle stammen, die den Klagen über die Ungleichheit in Deutschland eher kritisch gegenübertritt.

Laut der Studie besteht der Wohlstand der Vermögenden zum Großteil aus den Unternehmen. So sei das Vermögen des wohlhabendsten Prozents der Bevölkerung zu 56 bis 65 Prozent im Betrieb gebunden. Den Befragungsdaten der Deutschen Bundesbank zufolge seien es nur 39 Prozent. Der große Anteil der Firmen am Vermögen hänge mit der Wirtschaftsstruktur Deutschlands zusammen, wo es relativ viele große Familienunternehmen gebe.

Zwar sind die Unternehmer:innen wohlhabender als bisher vermutet. Eine Vermögensteuer lehnt das IW allerdings ab. Denn zum einen verhindere eine Vermögensbesteuerung die Stärkung der Eigenkapitalbasis der Unternehmen. Zum anderen handele es sich bei Betriebsvermögen – anders als im Fall von liquiden Finanzanlagen wie Aktien – um gebundenes Kapital, welches produktiv eingesetzt werde und Arbeitsplätze sichere, heißt es in der Studie.

Das IW warnt daher davor, dieses Vermögen durch eine Steuer zu schmälern. Dies könne in die Substanz von Unternehmen eingreifen, da sie unabhängig davon anfalle, ob dem Vermögen ein Ertrag entgegenstehe. Insbesondere in Zeiten mit niedrigen oder ausbleibenden Gewinnen müssten zur Begleichung der Steuerschuld zum Beispiel Maschinen verkauft oder Investitionen zurückgestellt werden, um Liquiditätsengpässe zu verhindern, heißt es in der Studie.

Gefährdet würde „vor allem die Substanz von Unternehmen, deren Gewinne zumindest in einigen Branchen bereits durch die Corona-Krise stark belastet sind“. Die Fachleute weisen darüber hinaus darauf hin, dass Betriebsvermögen in Familienunternehmen in vielen Fällen Verfügungsbeschränkungen unterliege und deshalb nicht kurzfristig verkauft werden könne.

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