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Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier. Foto: Stefan Ziese/Imago Images
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Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier.

Kohleinvestitionen der Banken

Viel Kohle für die Kohle

  • Antje Mathez
    VonAntje Mathez
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Weltweit investiert die Finanzindustrie immer noch Billionen Dollar in den schmutzigsten Energieträger, wie eine Studie zeigt. Auch deutsche Geldhäuser sind mit dabei.

Die Finanzbranche, die internationale wie die deutsche, zeigt sich gerne klimafreundlich. Man habe die Zeichen der Zeit erkannt, wird dem geneigten Publikum vermittelt. So verkündete etwa Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, Anfang Juli vergangenen Jahres: „Banken spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Denn es ist an uns, über Finanzierungen und Anlageprodukte die Mittel für die Transformation der globalen Wirtschaft bereitzustellen.“ Das sagte der Chef des deutschen Branchenprimus anlässlich einer Selbstverpflichtung, die er und 15 weitere Banken zugunsten des Klimaschutzes unterschrieben haben. Mit dabei übrigens auch die Commerzbank. Schöne grüne Welt.

Eine Studie, die zum ersten Mal die Finanzierung der Kohleindustrie durch Banken und Investoren untersucht hat, zeichnet nun ein anderes Bild. Die Studie, die an diesem Donnerstag von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald zusammen mit Reclaim Finance (Frankreich), Rainforest Action Network (USA), 350.org Japan und 25 weiteren NGO-Partnern veröffentlicht wurde, zeigt erstmals das Ausmaß, in dem globale Investoren und Banken weiterhin die Kohleindustrie unterstützen.

Insbesondere die Banken werden demnach ihren KlimaschutzVersprechen nicht gerecht. Laut der Recherche haben die internationalen Geldhäuser zwischen 2016 und 2019 ihre Unterstützung für den klimaschädlichsten Energieträger von Jahr zu Jahr gesteigert – von 491 Milliarden auf 543 Milliarden Dollar. Geschehen durch direkte Kredite oder das Investmentbanking, das Firmenkunden der Banken dabei unterstützt, neues Kapital an den Finanzmärkten aufzunehmen. Für das Jahr 2020 erwartet die Studie ein ähnlich hohes Niveau wie 2019. „Die überwiegende Mehrheit der Kohle-Richtlinien der Banken hat so viele Schlupflöcher, dass ihre Wirkung fast bedeutungslos ist“, erklärt Yann Louvel, Richtlinien-Analyst bei der NGO Reclaim Finance.

Vorne mit dabei sind die deutschen Banken. Laut Daten der Studie sind sie mit 31 Milliarden Dollar für rund ein Zehntel der gesamten Kreditsumme (315 Milliarden Dollar) für die globale Kohleindustrie verantwortlich. Die Commerzbank war mit 5,1 Milliarden Dollar mit Abstand die größte deutsche Kreditgeberin in den vergangenen zwei Jahren, gefolgt von der Deutschen Bank (drei Milliarden Dollar), die im innerdeutschen Ranking beim Investmentbanking vorne liegt. „Die Ergebnisse unserer Finanzrecherche sind erschreckend“, sagt Katrin Ganswindt, Finanzexpertin bei Urgewald. „Dies gilt insbesondere für deutsche Banken. Sie beteuern gerne ihre Sorge um das Klima, sind aber nicht bereit, ihre Finanzdienstleistungen für Kunden aus der Kohleindustrie zu beenden.“

Global gesehen haben japanische Banken die meisten Kredite vergeben. Das Investmentbanking für die Kohleindustrie dominieren chinesische Institute.

Die Zahlen beruhen auf der nach Angaben von Urgewald „größten bislang durchgeführten Finanzstudie zur Unterstützung der Kohleindustrie“. Für die Recherche wurden die Unternehmen untersucht, die Urgewald in seiner globalen Kohledatenbank „Global Coal Exit List“ zusammengeführt hat. Sie enthält alle wichtigen Investoren und Banken weltweit. Konzentriert haben sich die NGOs dabei vor allem auf das Kreditgeschäft zwischen Oktober 2018 und Oktober 2020 und den aktuellen Stand der Kohle-Investitionen.

Demnach waren 4488 untersuchte institutionelle Investoren im Januar dieses Jahres mit rund einer Billion Dollar in Kohlefirmen investiert. 665 Banken haben solche Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren mit Krediten und Investmentbanking-Geschäften in Höhe von 1,12 Billionen Dollar unterstützt. Viel Geld für klimaschädliche Investitionen.

Weltweit betrachtet, dominieren dabei mit großem Abstand US-Investoren das Feld, allen voran Vanguard mit rund 86 Milliarden Dollar investiertem Vermögen und Blackrock mit 84,3 Milliarden. Die deutschen Finanzinstitutionen verfügen laut der Studie über Aktien und Anleihen von Kohleunternehmen in Höhe von 18,9 Milliarden Dollar.

Im Deutschlandvergleich steht die Allianz, die sich gern als Vorreiter der Branche im Kampf gegen den Klimawandel präsentiert, ganz oben auf dem Treppchen. „Den Klimawandel abzumildern, ist die Herausforderung unseres Lebens“, hatte Allianz-Chef Oliver Bäte vor einem Jahr gesagt. Tatsächlich beträgt die aktuelle Investitionssumme noch immer acht Milliarden Dollar – international bringt das die Allianz auf Platz 20 der größten Kohle-Investoren. Die Deutsche Bank belegt national betrachtet mit sechs Milliarden Dollar den zweiten Platz, gefolgt von der Deka (1,9 Milliarden). Die Commerzbank steht mit rund 47 Millionen Euro auf Platz 16 der deutschen Rangliste.

Was sagen Deutsche Bank, Commerzbank und Allianz dazu? Die Deutsche Bank verwies am Mittwoch auf die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Diese scheine in der bis dahin nur in Teilen vorliegenden Studie „nicht ausreichend berücksichtigt worden zu sein“, so die Bank auf Anfrage der FR. Sie argumentiert also mit der Zeit, die es braucht, die Geschäftsbeziehungen entsprechend umzugestalten. Man habe sich im Mai 2020 „ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele gesetzt“, heißt es in der Stellungnahme weiter, und schon „wesentliche Schritte“ genommen.

Ganz ähnlich bei der Commerzbank: „Zu unserer Verantwortung gehört es, unsere Kunden als strategischer Partner bei ihrer Transformation zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen zu unterstützen“, sagte eine Sprecherin der FR – etwa Energieversorgern bei der Modernisierung ihres Energiemixes zu helfen. Sie verwies auf die Kohle-Richtlinie der Bank: „Seit 2016 schließen wir die Finanzierung neuer Kohlekraftwerke und -minen aus.“ Darauf geht in der Studie Urgewald-Finanzexpertin Ganswindt ein: „Die Commerzbank hat 2016 eine aus heutiger Sicht sehr schwache Kohlerichtlinie verabschiedet, die insbesondere noch viele Geschäfte mit dem Kohlebergbausektor zulässt.“

Die Allianz hob ihre Selbstverpflichtung, die Anlage der Versichertengelder bis spätestens 2050 klimaneutral strukturiert zu haben, hervor. Was den deutlich größeren Batzen in der Vermögensverwaltung betrifft, reicht der Versicherungsriese die Verantwortung an die Investor:innen weiter. Die Töchter seien „treuhänderisch verpflichtet“ die Vermögen entsprechend der Kundenwünsche anzulegen, erklärte der Konzern.

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