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Viel Geld und wenig Kredite

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Von: Markus Sievers

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Die im Bau befindliche neue EZB im Frankfurter Ostend.
Die im Bau befindliche neue EZB im Frankfurter Ostend. © Monika Müller

Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet die Märkte mit Geld. Doch die Banken der Eurozone horten die Liquidität lieber, statt Kredite an Unternehmen zu vergeben. Und ohne Kredite gibt es keinen Aufschwung: Eine Analyse.

Immer wenn die Euro-Zone sich zu stabilisieren scheint, gibt es schlechte Nachrichten: So meldete die Europäische Zentralbank (EZB), dass die Banken in der Währungsunion im Februar ihre Kredite erneut zurückgefahren haben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum schränkten sie das Volumen ihrer Darlehen um gut zwei Prozent ein.

Damit bestätigt sich ein besorgniserregender Trend. Die EZB flutet die Märkte. Doch das Geld kommt nicht dort an, wo es soll. Es erreicht nicht die Unternehmen. Ohne Kredite aber keine Investitionen und ohne Investitionen keine Arbeitsplätze – diese Logik leuchtet ein. Oder noch simpler ausgedrückt: Ohne Kredite kein Aufschwung. Solange die Banken den Unternehmen in Spanien, Italien oder Portugal kaum Kredite gewähren, können die Länder ihre Krise nicht überwinden.

Ein Beispiel: Zwei Handwerksbetriebe in Tirol, beide gesund und mit guten Produkten. Der eine fertigt auf der italienischen Seite, der andere fünf Kilometer entfernt in Österreich. Die kleine Entfernung sorgt für eine massive Mehrbelastung für den italienischen Handwerksmeister. Wenn er mit Bankkrediten seinen Betrieb erweitern möchte, zahlt der deutlich höhere Zinsen als der Konkurrent aus Felix Austria.

Banken horten billiges EZB-Geld

Nun bemüht sich die EZB ja bereits, mit Geldspritzen die Banken zu unterstützen. EZB-Präsident Mario Draghi nannte die ungewöhnlich langen Liquiditätshilfen „Dicke Bertha“, in Anlehnung an die riesigen Kanonen im Ersten Weltkrieg. Allerdings horten die Banken das billige Zentralbankgeld statt es an kreditsuchende Firmen weiterzuleiten. Inzwischen zahlen die Institute die langfristigen Kredite sogar an die Zentralbank zurück. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet freute sich im vergangenen Jahr über die „gute Nachricht“, dass die Institute ihre Verschuldung abbauen. Zugleich räumte er ein: „Die schlechte Nachricht ist, dass sie kaum Kredite vergeben“.

Umstritten ist, ob die Zentralbank das Problem lösen kann. Sie müsste dafür ihre unkonventionelle Geldpolitik noch einmal ausweiten und etwa mit Wertpapierkäufen die Kreditmärkte in den Krisenländern in Schwung bringen. Doch letztlich kann sie die Banken nicht zwingen, Kredite auszureichen, wie Klaus Bauknecht von der Industriebank IKB betont. Er erinnert an eine alte Weisheit von Keynes: „Geldpolitik ist wie eine Schnur, die man nur ziehen, aber nicht schieben kann“. Nach Bauknechts Berechnungen kostete die Kreditklemme in Spanien rund zwei Prozent Wachstum im vergangenen Jahr.

Die europäischen Regierungen versuchen, diese Hürden aus dem Weg zu räumen. So erhöhten sie das Kapital der Europäischen Investitionsbank deutlich, damit diese bis 2015 rund 60 Milliarden Euro an zusätzlichen Krediten vergeben kann. „Die Europäische Investitionsbank sollte alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Beschäftigungskrise in Südeuropa einzudämmen“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Dennoch wird die Debatte über die Verantwortung der EZB weitergehen. Zuletzt zeigte sich sogar Bundesbankpräsident Jens Weidmann offen für weitere unkonventionelle Schritte im Kampf gegen die Krise.

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