+
Ernten von Kaffeekirschen.

Starbucks und Co.

Verzweifelte Kaffeebauern

  • schließen

Steigende Ernte und Spekulationen sorgen für Preisverfall, Farmer aus Südamerika bitten nun Großkonzerne wie Starbucks um Hilfe.

Quimbaya, Frankfurt, San Pedro Sula – drei Städte, drei Meldungen der vergangenen Tage, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und doch die ganzen Verflechtungen von Massenflucht und Profitgier zwischen erster und dritter Welt aufzeigen.

Kolumbiens Präsident Ivan Duque hatte seinen Amtskollegen aus Honduras am Wochenende eigens in die zauberhafte Kaffeezone des südamerikanischen Landes eingeladen. In eine der malerischen Kaffeefincas in Quimbaya, die inzwischen auch bei internationalen Touristen so beliebt sind.

Doch was Duque und Juan Orlando Hernandez dem Rest der Welt mitzuteilen hatten, waren alles andere als gute Nachrichten. Wegen des niedrigen Kaffeepreises seien rund 90 000 Familien in Gefahr, in extreme Armut abzurutschen, warnte Orlando Hernandez. Nur einen Tag später kletterte die Aktie der Kaffeekette Starbucks um 1,54 Prozent an der Börse in Frankfurt. Und in Orlando Hernandez Heimat Honduras machte sich in San Pedro Sula eine Migranten-Karawane von 2000 Flüchtlingen auf dem Weg in Richtung USA. Kurz nachdem US-Vizepräsident Mike Pence die mittelamerikanischen Länder aufgefordert hatte, die Migration gen Norden stärker zu bekämpfen.

Ein Blick auf die Preisentwicklung macht deutlich, welche dramatischen Verluste die Kaffeebauern hinnehmen müssen. Im November 2016 lag der Kaffeepreis für die Sorte „Arabica kolumbianisch mild“ noch bei 177,85 Cent je Pfund, ein Jahr später war der Preis bereits auf 144,09 Cent abgestürzt und zuletzt lag der Preis im September 2018 bei 125,74 Cent. Ein Verlust von mehr als 25 Prozent, einige Sorten erreichen die tiefsten Preise seit zwölf Jahren.

Steigende Ernten, aber auch Spekulationen an den Börsen sorgten für den Preisverfall. „Unsere Lage ist verzweifelt“, sagte Roberto Velez, Sprecher der kolumbianischen Bauern vor ein paar Tagen und bat die Märkte um Hilfe. Sein Appell an die Großkonzerne wie Starbucks oder Nestle, zumindest die Produktionskosten zu erstatten, verhallt bislang allerdings wirkungslos.

Für die Kaffeepflücker in den kolumbianischen Anden oder in den honduranischen Bergen hat das dramatische Konsequenzen, viele verlieren ihre Jobs oder müssen mit gerade einmal sechs US-Dollar am Tag auskommen. Andere wechseln zum illegalen aber lukrativeren Koka-Anbau. Die Kokain-Produktion in Kolumbien ist seit zwei Jahren trotz Friedensprozess deutlich gestiegen.

Abnehmer wie Starbucks steigern durch die niedrigen Kaffeepreis dagegen ihren Profit. Im Geschäftsjahr 2017 erzielte die Coffee-Shop-Kette einen Reingewinn von rund 2,9 Milliarden US-Dollar, was vor allem daran liegt, dass sie den Kaffee mit allerlei Zutaten wie Soja-Milch oder Karamell teuer verkaufen. Die Aktionäre können sich über Dividenden freuen, doch in Lateinamerika kommt vom Kaffeehype nichts an und die Bauern packen die Koffer. Sie zieht es dahin, wo man in einer halben Stunde hinter dem Tresen bei Starbucks so viel verdient wie an einem ganzen Tag beim anstrengenden Pflücken in den Bergen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare