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Letztlich geht es Amazon darum, ein komplettes Ökosystem von Diensten und Geräten zu offerieren.

Smart Home

Amazon und das verwobene Ökosystem

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Mit dem Kauf des Start-ups Eero kommt Amazon seinem Ziel eines vernetzten Zuhauses näher. Datenschützern macht das Sorgen.

Diese Pointe konnten sich die Manager von Amazon nicht verkneifen. Der Online-Gigant hat die US-Firma Eero gekauft, und als Begründung werden die Bewertungen auf der Website des weltgrößten Internethändlers angeführt. Die lägen im Schnitt bei 4,6 von fünf möglichen Punkten, heißt es in der Mitteilung zu dem Deal.

Über den Kaufpreis für das 2014 gegründete Start-Up Eero wurden keine Angaben gemacht. Laut Finanzdienst Bloomberg wurde es zuletzt mit 148 Millionen Dollar bewertet. Da hat Amazon womöglich ein echtes Schnäppchen gemacht. Denn Eero ist ein Spezialist für sogenannte Mesh-Router. Das ist so etwas wie WLAN 2.0. Es gibt nicht mehr nur ein zentrales Gerät, das digitale Signale versendet, sondern mehrere Knotenpunkte in rundlichen Plastikgehäusen, die in Gebäuden verteilt werden. Sie können untereinander kommunizieren und dafür sorgen, dass überall in einer Wohnung, in einem Haus oder in einem ganzen Bürokomplex die Nutzer über die maximale Bandbreite verfügen – „to mesh“ bedeutet so viel wie verweben.

Branchenkenner gehen davon aus, dass Mesh-Anlagen sich in den nächsten Jahren auf breiter Front durchsetzen werden. Die Eero-Übernahme hat also allein schon aus diesem Grund das Zeug dazu, eine lukrative Sache für den Konzern aus Seattle zu werden. Doch Amazon wäre nicht Amazon, wenn damit nicht noch viel weiter reichende Pläne verknüpft wären.

Kleine Computer, die auch Daten sammeln können

Die Mesh-Router seien ein weiterer Baustein für Amazons Smart-Home-Strategie, sagte Mark Hung vom Analyse- und Beratungshaus Gartner dem Fachdienst Wired. Die wichtigsten Produkte sind da derzeit der Streaming-Stick Fire TV, mit dem Nutzer Filme abrufen können, und der interaktive Lautsprecher Echo – beide operieren mit dem Sprachassistenten Alexa. Man teile mit Eero die Vision, dass im vernetzten Zuhause vieles einfacher werden könne, sagte Dave Limp, Chef der Hardware- und Servicesparte bei Amazon.

Das leuchtet ein: Die Attraktivität des Dienstes Prime Video steigt, wenn Nutzer überall im Haus die Filme ruckelfrei abrufen können. Ähnliches gilt für auditives, das aus dem Echo-Lautsprecher kommt. Letztlich aber geht es Amazon darum, ein komplettes Ökosystem von Diensten und Geräten zu offerieren. Dazu können potenziell alle elektrischen Geräte in einem Haushalt gehören, die eines Tages über Sprache und/oder aus der Ferne über Smartphone gesteuert werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor dürfte sein, dass Mesh-Router im Grunde kleine Computer sind, die auch Daten sammeln können. Zwar versichert das Eero-Management per Twitter, dass man auch künftig die Privatsphäre der Kunden ernst nehme und keine Informationen zum Verhalten der Nutzer im Internet sammeln werde. Allerdings stellt sich die Frage, wie das genau gemeint ist. Denn Eero-Chef Nick Weaver hatte schon 2017 in einem Internet-Blog erläutert, man analysiere Daten, um zu verstehen, wie gut Smartphones, digitale Lautsprecher oder Alexa in den Mesh-Netzwerken funktionierten.

Informationen über das Verhalten der Kunden sind für Amazon auf verschiedenen Ebenen enorm wichtig – das geht von Kaufempfehlungen über Werbung bis hin zur Steuerung der Logistik für die Auslieferungslager weltweit. Datenschutz-Aktivisten gehen davon aus, dass der Konzern da wenig zimperlich ist – auch den strengeren Regeln in Europa zum Trotz.

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