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Die deutsche Wirtschaftsdelegation unterwegs mit Minister Gabriel Anfang November in China.
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Die deutsche Wirtschaftsdelegation unterwegs mit Minister Gabriel Anfang November in China.

Unternehmen

Verunsichert in China

Deutsche Firmen in der Volksrepublik fühlen sich weniger willkommen und beklagen Ungleichbehandlung.

Von Finn Mayer-Kuckuk

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft in China hat sich deutlich eingetrübt. Vier von zehn befragten deutschen Unternehmen spüren in diesem Jahr eine Verschlechterung der Marktbedingungen. Eine deutliche Mehrheit wartet weiterhin vergeblich auf Verbesserungen vorhandener Missstände. Nur zehn Prozent der Firmen fühlen sich „willkommener“ als zuvor, eine Mehrheit empfindet steigende Widerstände oder Stagnation. „Die Unternehmen bewerten die Situation als eine der schwierigsten in den vergangenen Jahren“, sagte Lothar Herrmann, Präsident der deutschen Handelskammer in Peking, am Dienstag bei der Vorstellung der aktuellen Geschäftsklima-Umfrage.

China ist auch nicht mehr der Standort müheloser Gewinnsprünge, der er vor wenigen Jahren noch war. Jedes vierte Unternehmen dort rechnet sogar mit sinkenden Erträgen. Die Investitionsbereitschaft ist derweil auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gefallen. Die plötzlich so pessimistische Sicht der Dinge ist insofern bemerkenswert, als die Handelskammer sich meist zweckoptimistisch zeigt – und auch die jährliche Geschäftsklima-Umfrage bisher im Allgemeinen eine zuversichtlich Färbung aufgewiesen hat.

Nun hat sich die Einschätzung deutlich gedreht, die Unzufriedenheit lässt sich nicht mehr leugnen. Hauptgrund ist der allgemeine Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik. Das Gesamtwachstum sinkt: Die chinesische Regierung bemüht sich, Überkapazitäten in der Industrie abzubauen. Klar, dass deutsche Maschinenbauer da weniger Geräte absetzen.

Die Belastung durch das sinkende Wachstum gilt für einheimische und internationale Unternehmen zwar gleichermaßen. Was jedoch nach 35 Jahren hoher Investitionen richtig weh tut, ist die fortgesetzte Ungleichbehandlung. Während chinesische Unternehmen in Deutschland für Rekordsummen Firmen aufkaufen, leiden deutsche Betriebe in China unter Rechtsunsicherheit und Benachteiligung bei Ausschreibungen.

Die deutsche Botschaft in Peking berichtet von einem „sprunghaften Anstieg“ der Zahl von Firmen, die dort um Hilfe beim Umgang mit den chinesischen Behörden nachsuchen. Von „ökonomischem Nationalismus“ spricht der Botschafter vor Ort.

Die ungleichen Geschäftsbedingungen waren auch Thema bei einem Besuch von Sigmar Gabriel Anfang November in China. Der Bundeswirtschaftsminister hat die Beschwerden der deutschen Wirtschaft an höchster Stelle vorgetragen – zumindest da, wo das noch möglich war, denn mehrere Minister hatten Gespräche mit ihm plötzlich abgesagt. Auch Gabriel beklagt vor allem das verzerrte Gesamtbild: Chinesische Firmen können sich Perlen der deutschen Industrie wie den Roboterbauer Kuka schnappen, während BMW in China nicht einmal seine eigene Produktionstochter vollständig besitzen darf.

China dämpft derweil etwas überraschend den Enthusiasmus der eigenen Firmen für Übernahmen im Ausland. Die Banken des Landes haben in den vergangenen Tagen die Anweisung erhalten, Überweisungen für solche Investitionen künftig streng zu prüfen, wenn sie den Gegenwert von fünf Millionen Dollar überschreiten. Das berichtet das Internetportal Tencent Finance. Bevor die Firmen im Ausland zuschlagen können, müssen sie demnach eine Erlaubnis aus Peking einholen. Die Zentralregierung will damit offenbar nach einer Phase der Liberalisierung einen Teil der Kontrolle über Auslandszukäufe zurückholen.

Die Neuregelung werde die „Trophäenjagd“ durch kapitalstarke chinesische Unternehmen beenden, kommentiert die Zeitung „South China Morning Post“. Hintergrund des Erlasses aus Peking: Der Abbau von Kapazitäten und der Wachstumsrückgang im Inland führt zu erheblichen Kapitalabflüssen. Die chinesischen Devisenreserven sind in den vergangenen zwei Jahren um 870 Milliarden Dollar gefallen. Sie liegen allerdings immer noch bei mehr als 3000 Milliarden Dollar – Probleme sind daher auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Peking will den ungehemmten Abfluss gleichwohl auf jeden Fall stoppen.

Die deutsche Handelskammer in Peking zeigte sich derweil zuversichtlich, dass deutsche Firmen wieder mehr in China investieren, wenn die Reformen vorankommen. Voraussetzung sei, dass die Firmen sich hier wieder eher willkommen fühlen. Daran könnten die Regierung und die Behörden durch eine Verbesserung der Geschäftsbedingungen vergleichsweise leicht etwas ändern. Bürokratieabbau, mehr Rechtssicherheit und Gleichbehandlung bei Ausschreibungen stehen weit oben auf der Wunschliste.

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