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EADS-Beschäftigte demonstrieren gegen Jobverlust.
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EADS-Beschäftigte demonstrieren gegen Jobverlust.

Stellenabbau bei EADS

In Verteidigungsstellung

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Insgesamt 50.000 EADS-Beschäftigte in Deutschland rüsten zum Widerstand gegen die Pläne für einen massiven Stellenabbau im Rüstungsgeschäft des Luft- und Raumfahrtkonzerns. Bis zu 8000 Stellen werden europaweit gestrichen, wird spekuliert.

Das Wetter entspricht dem Anlass. Schneeflocken fallen aus bleigrauem Himmel über dem Firmenparkplatz des Eurofighter-Werks im bayerischen Manching. Bei Minusgraden stehen winterlich vermummte Beschäftigte des militärischen EADS-Luftfahrtzentrums beisammen. „Wir wissen auch nichts, nur Gerüchte“, sagt einer. Ein paar tausend Stellen würden wohl beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern abgebaut, Standorte geschlossen.

„Hier schlägt‘s am stärksten ein, das wird das Zentrum des Grauens“, schätzt ein anderer aus der Gruppe. Seine Kollegen aus der Serienproduktion des Kampfjets nicken stumm. „Es läuft gerade noch der letzte Stellenabbau“, erklärt Thomas Pretzl. Er ist Betriebsratschef nicht nur in Manching, sondern auch von EADS Deutschland. 850 Stellen koste die laufende Runde europaweit bei der Rüstungstochter Cassidian. Das Werk Manching, wo nicht nur der Eurofighter, sondern auch die Drohne Euro Hawk gebaut und Militärflugzeuge aller Art gewartet werden, ist mit 223 Arbeitsplätzen dabei, gut einem Viertel der aktuellen Sparrunde.

Die nächste Sparrunde folgt

„Und jetzt kommt der nächste Abbau oben drauf und wir müssen mit unseren Familien zu Weihnachten um unsere Existenzen bangen“, sagt Pretzl. Dann ertönt Blaskapellenmusik, ein Werkstor öffnet sich und rund 1500 Beschäftigte, ein Drittel der Manchinger Belegschaft, fluten auf das Protestareal. Das geschieht an diesem Donnerstagvormittag zeitgleich auch in Augsburg und Donauwörth, Bremen und Hamburg. Bundesweit hat die IG Metall die 50 000 deutschen EADS-Beschäftigten zum Aktionstag gegen Kahlschlag aufgerufen. Bis zu 8000 Stellen werden europaweit gestrichen, wird spekuliert. Am 9. Dezember will EADS-Chef Tom Enders die Zahl verkünden.

Stimmt schon, dass das zivile Geschäft mit Airbus-Passagierflugzeugen rund läuft und EADS dort Leute braucht, sagt ein etwa 50-jähriger, der in Manching arbeitet. Aber die Boom-Fabriken seien alle in Norddeutschland. Er habe hier Haus und Familie und ins nahegelegenen Audi-Werk in Ingolstadt könne er auch schlecht wechseln. „Ein Auto ist was anderes als ein Kampfjet“, stellt der Mann klar. Hochqualifiziert seien hier viele, aber auch so speziell, dass anderswo kaum ein Unterkommen ist.

Jeder der in Manching Protestierenden hofft, dass es ihn nicht trifft. Aber vielen steht die Angst im Gesicht. Zumindest betriebsbedingte Kündigungen will Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler verhindern. Er ist nach Manching gekommen und redet Management wie Politik ins Gewissen. Zehn Prozent Rendite, wie Enders sie erreichen will, sind überzogen, kritisiert er. „Die Politik kann sich nicht zurücklehnen“, sagt Wechsler und hofft auf ein Machtwort. Schließlich seien es vor allem Politiker gewesen, die vor Jahresfrist eine Fusion von EADS und dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems verhindert haben und es sei die Politik, die Beschaffungsprogramme für die Streitkräfte zusammenstreicht. Für zweieinhalb Jahre gibt es noch Arbeit in Manching.

Technologie nicht mehr rückholbar

„Bei mir rufen fast täglich Zulieferer an“, verrät eine Verwaltungsangestellte. Die wollten wissen, was bei Cassidian oder der Raumfahrtsparte Astrium los ist, die ebenfalls vom neuen Sparkurs betroffen sein wird. Wenn bei EADS gestrichen wird, setze sich das bei Zulieferern fort. „Es geht um die Frage, ob Deutschland noch in der Lage sein will, selbst Militärflugzeuge zu bauen oder sie künftig im Ausland bestellt“, sagt Gewerkschafter Bernhard Stiedl. Sind die Arbeitsplätze einmal weg, sei auch die Technologie nicht mehr rückholbar. Neben der Autoindustrie sei die Branche die innovativste deutsche überhaupt. Vieles, was bei Passagierflugzeugen Verwendung findet, wird in der militärischen Luftfahrt erfunden. Arbeitsplätze in der Wehrindustrie keine schlechteren Arbeitsplätze, so Stiedl.

Wehrhaft gibt sich die Belegschaft. „Ob in Manching ein Flugzeug ausgeliefert wird, das entscheiden wir“, ruft Pretzl in die Menge. Die johlt. Druck erzeuge Gegendruck, warnt der Betriebsrat das Management. Werde ohne Augenmaß gestrichen, sei dieser Donnerstag erst der Anfang des Widerstands.

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