Deutscher Werberat

Verstöße gegen Werbekodex

Selbstkontrolle der Wirtschaft beanstandet mehr als 120 Kampagnen

Eine Kfz-Werkstatt wirbt mit dem Plakat einer Frau, die dem Betrachter den Mittelfinger entgegenstreckt, eine Burgerkette mit dem Video einer Frau in knapper Kleidung und sexistischem Kommentar aus dem Off: „Dieses zarte Stück Fleisch, mmh, so saftig“. Das sind zwei der Fälle, die der Deutsche Werberat, das Selbstkontrollorgan der Wirtschaft, 2018 beanstandet hat. Wie der Werberat am Donnerstag mitteilte, sank die Zahl der Verfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Werbekodex insgesamt aber.

Laut der Bilanz des Werberats gingen 2018 insgesamt 1235 einzelne Beschwerden aus der Bevölkerung zu 702 Werbemaßnahmen ein. 240 Fälle fielen allerdings nicht in die Zuständigkeit der Selbstkontrolleinrichtung, etwa weil dabei keine Unternehmen warben, die Produkte an sich kritisiert oder Verstöße gegen gesetzliche Werbeverbote geltend gemacht wurden. Genauer geprüft wurden 462 Werbungen – 2017 waren es noch 530.

Bei knapp drei Vierteln der Fälle (338) beanstandete der Werberat nichts. 108 Kampagnen wurden nach Intervention der Selbstkontrolle von den Unternehmen gestoppt oder geändert. In 16 Fällen erteilte der Werberat eine öffentliche Rüge, weil die Firmen nicht unmittelbar auf die Beanstandung reagierten.

Am häufigsten beschwerten sich die Bürger über „geschlechterdiskriminierende Werbung“. Darunter fällt sexistische Werbung wie beispielsweise die eines Handwerkers auf seinem Lieferwagen: Dort wurde ein Frauenhintern abgebildet und dazu der Spruch „Glatt und eben muss er sein – der Estrich“. Diese Werbung wurde vergangenes Jahr öffentlich gerügt.

An zweiter Stelle der Beschwerdegründe standen Verstöße gegen „ethische und moralische Mindestanforderungen“. So warb etwa ein Betreuungsdienst mit einem Plakat, dessen obere Bildhälfte eine Frau zeigt, die sich einen Strick über den Kopf zieht mit dem Slogan „Perspektivlos?“, während die untere Bildhälfte ein lachendes älteres Paar beim Schaukeln zeigt, umringt von Schmetterlingen und gepaart mit dem Text „oder gut betreut im eigenen Zuhause“. Der Betreuungsdienst wurde ebenfalls gerügt.

Die Rüge ist laut Werberat aber wirklich das letzte Mittel. Rund 90 Prozent der mit Beschwerden konfrontierten Unternehmen zeigten sich demnach kooperativ. (afp)

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