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Unfall, Haftpflicht, Rechtsschutz: sinnvolle Versicherungen und unnötige Ausgaben

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Von: Mechthild Henneke

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Wie sinnvoll sind beispielsweise Reisekrankenversicherungen? Fachleute geben einen Überblick.
Wie sinnvoll sind beispielsweise Reisekrankenversicherungen? Fachleute geben einen Überblick. © Christoph Hardt/Imago

Von Lebensphase zu Lebensphase machen unterschiedliche Absicherungen Sinn. Welche Versicherung für Kinder, junge Erwachsene und Familien notwendig ist.

Die Krankenversicherung ist Pflicht, doch alle weiteren Versicherungen sind individuelle Entscheidung. In den unterschiedlichen Lebensphasen ändern sich die Bedürfnisse – mancher Schutz wird überflüssig, ein anderer kommt hinzu.

Wir haben Expertinnen und Experten gefragt, welche Versicherung für Kinder, Erwachsene und ältere Menschen sinnvoll sind.

Versicherung abschließen: Was ist für Babys und Kinder sinnvoll?

Babys, Kleinkinder, Kinder: Eine private Unfallversicherung ist sinnvoll, um Kinder abzusichern, rät Bianca Boss, Sprecherin beim Bund der Versicherten. Sie weist auf Kinderinvaliditätsversicherungen hin, die noch umfangreicheren Schutz bieten – zum Beispiel eine lebenslange Rente bei krankheits- oder unfallbedingter Invalidität. Der Versicherungsexperte und Ratgeberautor bei Stiftung Warentest, Thomas Hammer, hält eine Unfallversicherung für Kinder für optional. „Sie ist nur sinnvoll, wenn ich auf Nummer sicher gehen will“, sagt er. Niemand setze sein Kind bewusst Gefahren aus, aber es könnten auch unverhofft Schäden eintreten.

Kinder sind über ihre Eltern krankenversichert. „Das gilt bis zum Ende der Schul- oder Hochschulausbildung, längstens bis zum 25. Lebensjahr“, sagt Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie weist darauf hin, dass Kinder von privatversicherten Eltern bei Studienbeginn meist entscheiden können, ob sie privat versichert bleiben oder in die gesetzliche Krankenkasse wechseln wollen. „Bei Beginn einer Lehre werden die jungen Menschen in der Regel in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert“, sagt Weidenbach.

Welche Versicherung sollten junge Erwachsene abschließen?

Junge Erwachsene: Nach Ende der Ausbildungszeit stellt sich die Frage nach einer eigenen Haftpflichtversicherung für die Kinder. „Solange Kinder in der Ausbildung sind, sind sie über die private Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert“, sagt Weidenbach. Man solle den Versicherer aber um eine Bestätigung des Versicherungsschutzes bitten. „Ab bestandener Prüfung sind Kinder nicht mehr über diesen Vertrag der Eltern mitversichert“, betont sie. Dann brauchen sie einen eigenen Schutz.

Ähnliches gilt für den Hausrat: Wenn die Kinder noch bei den Eltern wohnen, ist ihr Hausrat mitversichert. Für den Hausrat in der Studentenbude gibt es den sogenannten Außenversicherungsschutz. „Bis zu einer Höhe von zehn Prozent der Versicherungssumme begrenzt auf 10 000 Euro sind die Kinder über den Hausratvertrag der Eltern versichert“, sagt Weidenbach. Auch hier sollte man im Zweifel beim Versicherer nachfragen.

Welche Absicherung macht in welchem Lebensabschnitt Sinn?
Welche Absicherung macht in welchem Lebensabschnitt Sinn? © Moritz Wienert

Versicherungen für junge Erwachsene: Reiseversicherungen können sinnvoll sein

Ein häufiges Thema für junge Menschen ist das Reisen. „Sie fahren schnell mal nach Österreich, Holland oder Belgien“, sagt Weidenbach. Eine Auslandsreisekrankenversicherung übernimmt zumindest einen Teil der Behandlungskosten und auch den Rücktransport. „In der EU wird der Satz von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet, der in Deutschland fällig gewesen wäre. Werden höhere Kosten in Rechnung gestellt, übernimmt diese die Reisekrankenversicherung“, sagt Hammer.

Absolviert das Kind einen Freiwilligendienst, ein Auslandsjahr oder mehrere Monate im entfernten Ausland, ist darauf zu achten, dass die Versicherung den ganzen Zeitraum abdeckt. „Die meisten Reisekrankenversicherungen sind nur für Reisen bis sechs Wochen gültig. Bei längeren Reisen müsste man eine Versicherung für diese speziellen Aufenthalte wählen“, sagt Hammer.

Versicherung: Welche nach der Hochzeit abgeschlossen werden sollten

Nach der Hochzeit: Wer den Bund der Ehe eingeht, sollte einen „Kassensturz machen“ und alle Versicherungen auf den Prüfstand stellen, sagt Weidenbach. „Eventuell bringen beide Ehepartner eine Haftpflicht mit. Dann muss man sich fragen, welche Versicherungen man zusammenlegen und ob man durch einen Tarif- oder Anbieterwechsel Geld sparen kann.“

Ab der Hochzeit wird auch eine Hausratversicherung sinnvoll, wenn der Besitzstand einen bestimmten Wert erreicht. „Wenn ich von der Orangenkisten-Einrichtung zum Möbelhaus wechsele, könnte ich mir Gedanken über eine Hausratversicherung machen“, sagt sie. Sie versichert gegen Raub, Brand- und Wasserschäden in Mietwohnungen. Hausbesitzer brauchen noch eine Gebäudeversicherung, möglichst mit zusätzlichem Elementarschadenschutz gegen Überschwemmungen.

Rechtsschutz: Fachleute halten Versicherung nicht für absolut notwendig

Rechtschutz: Eine Rechtschutzversicherung halten die Expert:innen nicht für absolut notwendig. „Wenn man sie braucht, ist es gut, wenn sie einspringt und das Kostenrisiko abnimmt“, so Hammer. Betrachte man aber die relativ hohen Beiträge, sei zu überlegen, ob es nicht sinnvoller sei, Geld beiseite zu legen und es im Rechtsstreit zu nutzen. Trete kein Rechtsfall ein, stehe das Geld weiter zur Verfügung.

Weidenbach macht eine Ausnahme für den Verkehrsrechtschutz – besonders für junge Menschen. „Sie sind viel unterwegs – oft auch mit dem Fahrrad“, sagt sie. Hier könne ein Verkehrsrechtschutz wichtig sein, um sich vor Gericht durchzusetzen. Aber Achtung: Knöllchen sind meistens nicht damit anzufechten.

Welche Versicherungen sind für Familien sinnvoll?

Zähne: Auch die Zahnzusatzversicherung ist für die Expert:innen optional. „Wenn es vom Timing her passt, kann es sich lohnen“, sagt Hammer. Wer aber einsteigt, wenn die Zähne schon geschädigt sind, müsse Wartezeiten in Kauf nehmen und es könne passieren, dass die Krankenkasse nicht zahlt, weil ein Schaden schon bestand. Seine Schlussfolgerung: „Man kann auch Geld beiseitelegen und später für Implantate verwenden.“

Zu teuer, zu geringe Leistungen: Auf einige Versicherungen können Verbraucher getrost verzichten, raten Verbraucherschützer. Ein Überblick welche Versicherung überflüssig ist.

Familie: Die Privathaftpflichtversicherung und die Berufsunfähigkeitsversicherung sind die wichtigsten Versicherungen für Erwachsene. Da sind sich die Fachleute einig. Der Bund der Versicherten nennt darüber hinaus noch die Risikolebensversicherung, wenn man andere Personen abzusichern hat. Bei der Privathaftpflichtversicherung rät Hammer zu einer Summe von fünf Millionen Euro für Sach- und Personenschäden. Die Deckungssumme sei heutzutage bei allen Versicherungen hoch. Kostentreiber seien zusätzliche Absicherungen zum Beispiel für den Öltank. Hammer empfiehlt Erwachsenen, den Tarif zu prüfen, wenn die Kinder nicht mehr im Haus leben. „Vier Personen sind teurer als zwei“, sagt er.

Versicherung für Haustiere: Das empfehlen die Fachleute

Haustiere: In der Corona-Zeit haben viele Menschen ein Haustier angeschafft. Kleine Haustiere bis zur Katze sind in der Privathaftpflicht eingeschlossen – Hunde jedoch nicht. Für Hunde oder Pferde gibt es dagegen eine Tierhalterhaftpflicht. Wenn der Hund jemanden beißt oder das Pferd um sich tritt, springt sie ein.

Sterbegeldversicherung: Von ihr raten die Fachleute ab. „Dahinter stecken kostenträchtige, unflexible und unrentable Kapitallebensversicherungen“, sagt Boss. Die Versicherung lohne sich gewissermaßen nur, wenn man kurz nach Abschluss verstirbt. „Besser ist es, das Geld so auf die Seite legen“, sagt auch Hammer. (Mechthild Henneke)

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