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Wird schwieriger: Sich im Alter beruhigt zurückzulehnen.
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Wird schwieriger: Sich im Alter beruhigt zurückzulehnen.

Versicherungen

Versicherer in der Klemme

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Mehrere Unternehmen wollen den Kundenanteil an ihren Gewinnen senken. In der Niedrigzinsphase wird es zunehmend schwieriger für die Versicherer, ihre Versprechen aus Altverträgen mit bis zu vier Prozent Garantie zu erfüllen.

Lebensversicherer müssen hier zu Lande feste Prozentsätze ihrer Gewinne an Kunden weiterreichen. Bei Gewinnen aus Kapitalanlagen sind das zum Beispiel 90 Prozent. Soll dieser Prozentsatz ausnahmsweise einmal unterschritten werden, ist ein Antrag an die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin in Bonn nötig. Nun haben gleich mehrere der gut 90 in Deutschland aktiven Lebensversicherer einen solchen Antrag gestellt, bestätigt eine Bafin-Sprecherin auf Anfrage. Wie viele Gesellschaften es sind, ließ sie offen. In der Branche ist von rund einem Dutzend die Rede. „Die Zahl kann ich nicht bestätigen“, sagt die Bafin-Sprecherin. Auch sonst könne sie keine Details nennen. Die Aufsicht ist traditionell ebenso wie auch die Assekuranzen verschwiegen.

Dem Vernehmen nach sind keine Branchengrößen sondern eher kleinere Unternehmen betroffen. Ein Antrag auf eine zeitlich befristete Aussetzung der Mindestzuführungsverordnung, wie der Vorgang im Branchenjargon heißt, ist zwar historisch nicht einmalig. Solche Anträge hat es seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 und der damit einhergehenden Phase niedriger Zinsen mehrmals gegeben, bestätigt die Bafin.

Dabei ist es aber immer nur um einzelne Versicherer gegangen, betont ein Experte. Wenn jetzt geballt gleich mehrere Konzerne vorstellig würden, sei das bemerkenswert. Es zeige, dass sich ein branchenweites Problem aufbaut.

Dessen Ursache liegt auch in den 90er Jahren. Damals wurden Lebenspolicen mit einem gesetzlichen Garantiezins von bis zu vier Prozent verkauft. Zu dieser Zeit war das unproblematisch, weil das allgemeine Zinsniveau höher lag. Der Branchendienst Map-Report hat für Deutschland einen historischen Durchschnittszins von 6,4 Prozent errechnet. Der sei allerdings 1995 letztmals erreicht worden. Seitdem geht es immer rasanter bergab.

Die Leitzinsen liegen unter einem Prozent und das wohl noch auf Jahre, glaubt man den Aussagen von Zentralbankern. Wer heute neu eine Lebenspolice abschließt, erhält deshalb nur noch 1,75 Prozent Garantiezins. Einige Lebenssversicherer haben sich angesichts der Lage aus dem Neugeschäft verabschiedet. Auch sie müssen aber, wie die ganze Branche, die Versprechen aus Altverträgen mit bis zu vier Prozent Garantie erfüllen. Das wird zunehmend schwieriger, je länger die Niedrigzinsphase dauert.

Drängendes Problem der Altverträge

Noch erwirtschaften Lebensversicherer mit ihren Kapitalanlagen im Schnitt gut vier Prozent Rendite. Das liegt vor allem daran, dass sie in ihren Anlagebeständen noch hochverzinsliche Wertpapiere aus früheren Zinszeiten halten. Die werden aber nach und nach fällig. Muss Geld neu angelegt werden, schaffen aber selbst die besten Anlageprofis, ohne massiv ins Risiko zu gehen, nur noch gut drei Prozent – zu wenig für Altverträge.

Wenn die Lage aber tendenziell nicht besser, sondern immer schlimmer wird, ist dann aber wirklich ein nur befristetes Aussetzen der Gewinnzuführung zu erwarten? Werden zurückgehaltene Summen jemals nachbezahlt, sodass Kunden nicht um ihnen zustehende Ausschüttungsbestandteile gebracht werden? Das fragt sich auch der Bund der Versicherten (BdV). „Wir werden da nicht mitspielen“, sagt BdV-Expertin Bianca Boss und kündigt Widerstand gegen die Pläne der Lebensversicherer an. Wenn der Branche ihr lange gut verkauftes Produkt Kapitallebensversicherung aus den Händen gleitet, müsse sie sich eben vom Geschäft verabschieden. Das immer drängendere Problem der Altverträge würde dieser Schritt allerdings nicht lösen.

Die Versicherten müssten sich nicht sorgen, betont die Bafin-Sprecherin. Kurz- und auch mittelfristig könnten die Assekuranzen alle Garantien erfüllen, schränkt sie ein. Auch wenn das stimmt, ist es aber nur die halbe Wahrheit. Bislang übersteigt die Auszahlung an Kapitallebensversicherte die gesetzlichen Garantien. Denn zum gesetzlichen Garantiezins kommen noch diverse Formen von Überschussbeteiligungen. Zumindest damit könnte in Zukunft Schluss sein. Außerdem kümmert sich die Niedrigzinsphase nicht um kurz- oder mittelfristige Berechnungen. Sie ist gerade dabei, sich langfristig zu verfestigen.

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