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Wer fährt wie? Die Versicherer wollen es wissen.

Fahrverhalten

Der Versicherer fährt mit

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Wer sein Fahrverhalten überwachen lässt, bekommt künftig Rabatte auf seine Kfz-Police. Marktführer Huk steigt jetzt groß in das Geschäft ein, andere Assekuranzen werden folgen.

Niemand verkauft in Deutschland mehr Kfz-Policen als Huk Coburg mit gut zwölf Millionen versicherten Autos im Bestand. Wenn sich Huk-Chef Klaus-Jürgen Heitmann nicht irrt, steht seine Branche dieses Jahr vor einem bedeutenden Durchbruch. „Die Zukunft der Kfz-Versicherung ist digital und telematisch“, sagt er voraus.

Für den Marktführer beginnt diese Zukunft jetzt. Denn ab sofort öffnet Huk die eigenen Telematiktarife für jedermann. Für Ende Mai plant das auch Hauptkonkurrent Allianz. Andere Kfz-Versicherer wie Generali, VHV oder HDI haben das ebenfalls vor. Bisher sind diese Tarife, bei denen mittels Digitaltechnik individuelles Fahrverhalten gemessen und bewertet wird, auf jüngere Fahrer beschränkt und damit ein Nischenprodukt.

Das soll sich nun ändern. Binnen weniger Jahre erwartet Heitmann, dass bei Huk hunderttausende Kfz-Versicherte einen Telematiktarif haben werden, um sich damit Rabatte zu erfahren. Ende 2018 waren es 75 000 solche Policen. Die Allianz kommt aktuell auf 90 000 Telematik-Verträge. Die Kunst ist es dabei, solche Tarife für einen Versicherungskonzern profitabel anzubieten. Deshalb haben kleinere Versicherer Testläufe auch wieder eingestellt. Zumindest Huk glaubt aber nun zu wissen, wie es geht.

Gemessen wird das Fahrverhalten bei den Coburgern ab sofort mit einem kleinen Sensor, den Telematik-Versicherte wie eine Vignette von innen an die Windschutzscheibe kleben. Dann sendet der batteriebetriebene Sensor mindestens fünf Jahre lang Daten. Bisherige Lösungen sind entweder teuer oder sie laden zu Tricksereien ein. Teuer sind im Auto fest verbaute Telematikboxen, für die in der Branche Preise von rund 100 Euro genannt werden. Solche Boxen hat Huk bislang verwendet.

Billig ist die App-Lösung, auf die die Allianz setzt. Sie ist aber an ein Smartphone gebunden und in welchem Auto das fährt, wissen die Versicherer nicht. „Ich will keine Taxifahrt messen“, erklärt Heitmann die Probleme damit. Der neue Huk-Sensor dagegen kostet nur den Bruchteil einer Box und misst verlässlich das versicherte Auto. Für Kunden ist das eine wie das andere kostenlos, aber für die Versicherer wirkt sich der Kostenfaktor aus.

Noch wichtiger ist bei Telematiktarifen das Datenmanagement und das Wissen, das sich aus großen Datenmengen saugen lässt. Auch hier wähnt sich Huk auf der Erfolgsspur. Seit gut zwei Jahren testen die Coburger Telematik-Tarife bei jungen Fahrern und wissen deshalb mittlerweile einiges.

Für das Schadensaufkommen entscheidend seien nicht so sehr zu hohe Geschwindigkeiten, verrät der für Kfz-Policen zuständige Huk-Vorstand Jörg Rheinländer. Aus dem Datenpool als riskant herauskristallisiert hätten sich vielmehr typische Fahrmuster, wenn etwa in Kurven ständig beschleunigt oder öfter hart gebremst werde. Wer wie Huk viele Autos unter Vertrag hat, weiß auch, wie hoch die real gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten auf einzelnen Strecken sind und welche Autofahrer auffällig aus der Reihe tanzen.

„Versicherungsmitarbeiter haben keinen Zugriff auf die Rohdaten“, stellt Rheinländer klar. Derart gläsern werde der Kunde nicht. Vielmehr errechne intelligente Software aus den Rohdaten einen Wert, der an Huk gesendet werde und aus dem sich dann ein Telematik-Rabatt errechnet. Das können maximal 30 Prozent sein. Einen Malus bei chronisch rüder Fahrweise gibt es nicht.

Telematiktarife können deshalb dafür sorgen, dass das allgemeine Preisniveau in der Kfz-Versicherung sinkt. Für 2019 und die nächsten Jahre sagt Heitmann jedenfalls einen Preiswettbewerb in der Branche voraus. 2018 lag der durchschnittliche Rabatt für Huk-Kunden übrigens bei 15 Prozent.

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