Erste grüne Bundesanleihe

Verschuldung in grün

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Der deutsche Staat begibt erstmals eine nachhaltige Anleihe. Die Nachfrage ist riesig.

Der 2. September 2020 wird in die Annalen als ein wichtiger Tag für nachhaltige Kapitalanlagen eingehen. Denn am Mittwoch hat der deutsche Staat die erste grüne Bundesanleihe platziert - mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage sei immens, hieß es in Finanzkreisen. Obwohl das Papier mit einem Zinskupon von null Prozent ausgestattet ist. Mit dem eingesammelten Geld sollen klimafreundliche Projekte der Bundesregierung finanziert werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass der Bund damit einer der weltweit wichtigsten Akteure bei Öko-Geldanlagen wird. Finanz-Staatssekretär Jörg Kukies hat angekündigt, dass von nun an regelmäßig grüne Bundeswertpapiere emittiert werden.

Umweltschutz-Anleihen gibt es seit Jahren. Unternehmen und Kommunen, aber auch die Regierungen von Schweden, Polen oder den Niederlanden haben solche Papiere ausgegeben. Als einer der Pioniere gilt die staatliche KFW-Bank. Sie refinanziert mit ihren „Green Bonds – Made by KFW“ ihre Kreditprogramme für energieeffizientes Bauen und für Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien.

Dass der Bund nun als Nachzügler in diesen Sektor einsteigt, hat vor allem zwei Gründe. Erstens ging es darum, Projekte zu finden, für die der Vorwurf des Greenwashing ausgeschlossen werden kann – die also nur ein grünes Mäntelchen umgehängt bekommen, aber tatsächlich keine Öko-Projekte sind. Experten der Bundesregierung und der Deutschen Finanzagentur haben dafür ein ganz spezielles Verfahren erdacht: Mit den Anleihen werden Vorhaben nachträglich finanziert, die dem vorangegangenem Haushaltsjahr zugeordnet sind – im aktuellen Fall also 2019.

Projekte aus sieben Bundesministerien wurden zusammengetragen. Sie haben ein Gesamtvolumen von rund 12,7 Milliarden Euro. Da geht es um Kaufprämien für Elektroautos und die Förderung von Heizungen, die mit erneuerbaren Energien arbeiten. Die Bundesregierung unterstützt auch Kommunen bei der Anschaffung von Elektrobussen oder beim Bau von Radwegen

Umtausch möglich

Zweiter Grund für die Nachzügelei: Die Fachleute haben an einem Mechanismus gebastelt, der die Liquidität der grünen Staatsanleihen garantiert. Denn dabei handelt es sich um eine Variante von Wertpapieren, die noch in relativ geringen Mengen gehandelt werden. Das kann es für Investoren unter Umständen schwer machen, die Titel zu verkaufen, wenn schnell Geld benötigt wird. Die Lösung des Problems: Die Greenbonds können jederzeit in „Zwillinge“ umgetauscht werden. Das sind konventionelle Bundesanleihen mit identischen Konditionen, und diese sind an den Finanzmärkten hochgradig liquide.

Insgesamt will sich der Bund in diesem Jahr etwa elf Milliarden Euro für grüne Projekte leihen. Die jetzt platzierten Papiere haben eine Laufzeit von zehn Jahren. In einer zweiten Emission, die für das vierte Quartal geplant ist, sollen Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit offeriert werden.

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