Gastwirtschaft

Verschärfte Rollenteilung

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Was das Elterngeld in Beziehungen anrichtet.

Das Leben im Kapitalismus ist kompliziert – Eltern sein im Kapitalismus noch viel mehr, vor allem für Frauen. Denn anders als vielleicht beabsichtigt, sorgen die deutschen Gesetze nicht für eine gerechtere Aufteilung von Lohn- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern.

So führt zum Beispiel das Elterngeld besonders bei jungen Paaren mit geringem Einkommen zu einer Verschärfung der Rollenteilung. Aus dem ganz banalen Grund, dass Männer immer noch mehr verdienen als Frauen. Eine Reduktion dieses Haupteinkommens um 33 Prozent können sich Geringverdiener schlicht nicht leisten.

Das Elterngeld ermöglicht es lediglich Paaren mit mittleren und gehobenen Einkommen, tatsächlich Lohn- und Sorgearbeit gerechter aufzuteilen – ob diese das dann tatsächlich tun, sei dahingestellt.

Das und vieles mehr macht Lisa Yashadora Haller in ihrem Buch „Elternschaft im Kapitalismus“ aufschlussreich sichtbar. Die Frauen ihrer Studie verlieren ihren Ausbildungsplatz, fühlen sich gezwungen zu kündigen. Die Männer arbeiten mehr und verdienen besser. Frauen steigen aus, Männer steigen auf. Und alle sind damit unglücklich.

Bemerkenswerterweise aber wird dieses Unglück als privates Unglück wahrgenommen und die daraus resultierenden Probleme werden als individuelles Paar-Problem und nicht als gesellschaftliches Phänomen verstanden. Für die Politik ist das praktisch, denn der Frust darüber entlädt sich am Partner und nicht an der Wahlurne.

Und so bleibt es dabei: der Mann bleibt in der Ernährer-Rolle gefangen und die Frau hat ein erhebliches Risiko für Altersarmut.

Immer mehr Studien belegen, dass es Frauen (und vermutlich auch in abgeschwächter Form den Männern) in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes emotional und mental substanziell schlechter geht. Bei der Interpretation dieser Studien sind sich alle einig: Es sind nicht die Kinder, die unglücklich machen. Es sind die Verhältnisse. Um diese zu ändern, sollten Eltern den gemeinsamen Frust nicht aneinander abladen. Vielmehr sollten sie für ein soziales und geschlechtergerechtes Elterngeld, gute und bezahlbare Kita-Plätze und die gesellschaftliche Anerkennung der Sorgearbeit streiten. Am besten miteinander.

Lisa Großmann hat einen Master in Volkswirtschaftslehre und ist Teil der Initiative „Was ist Ökonomie“.

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