+
Da geht's lang: VW-Chef Diess.

Automobilbranche

VW verschärft den Sparkurs

  • schließen

Bei der Kernmarke sollen Tausende Jobs bis 2023 durch Altersteilzeit wegfallen. Betriebsratschef Osterloh will einem Stellenabbau nur zustimmen, wenn die entsprechende Tätigkeit tatsächlich entfällt.

Volkswagen will den anstehenden Stellenabbau ohne Kündigungen bewältigen. Es gehe in den nächsten fünf Jahren um 5000 bis 7000 Stellen bei VW Pkw, der wichtigsten Marke im Konzern, sagte deren Topmanager Ralf Brandstätter am Mittwoch in Wolfsburg. Er sieht notfalls noch mehr Potenzial, weil die geburtenstarken Jahrgänge dem Ruhestand näherkommen.

Der Jobabbau ist Teil eines Programms, mit dem das Ergebnis der Marke um 5,9 Milliarden Euro verbessert werden soll. Die Begründung hatte am Dienstag schon Brandstätters Chef, der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess, geliefert: Es wird Geld für die hohen Investitionen in Elektroantrieb und Vernetzung der Autos gebraucht. Gleichzeitig sind für den Bau der E-Autos weniger Mitarbeiter nötig. Seit gut zwei Jahren läuft bei VW bereits der Abbau von rund 23 000 Stellen hierzulande, der 2020 abgeschlossen werden soll. Bisher haben über 9000 Mitarbeiter Verträge für Altersteilzeit unterschrieben.

Dass Diess und Brandstätter jetzt noch einmal draufsatteln wollen, stößt beim Betriebsrat auf wenig Begeisterung. Ihm sei nicht klar, wie der Vorstand auf die Zahl von 7000 verzichtbaren Stellen komme, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Zudem geben die Arbeitnehmervertreter dem Management die Schuld an nicht erreichten Zielen. Im Vergleich zu früheren Konflikten hält Osterloh aber den Ball flach. Brandstätter wiederum bekräftigte am Mittwoch die bis 2025 geltende Beschäftigungsgarantie – Kündigungen scheiden also aus. Das sei aber kein Problem, weil in den nächsten drei Geburtsjahrgängen allein bei der Marke VW Pkw insgesamt 11 000 Mitarbeiter für Altersteilzeit infrage kämen.

Osterloh will einem Stellenabbau nur zustimmen, wenn die zugehörige Tätigkeit tatsächlich entfällt. Es dürften nicht VW-Jobs durch Fremdvergaben ersetzt werden. Brandstätter sieht Sparmöglichkeiten vor allem durch die Automatisierung von Routinearbeiten. Dabei denkt er auch an die Bürojobs: VW werde Milliarden investieren, um die Prozesse in der Verwaltung zu digitalisieren. Außerdem sollen die Materialkosten gesenkt und die Zahl der Modellvarianten reduziert werden. Diese beiden Maßnahmen sind allerdings seit Jahren fester Bestandteil der Sparprogramme.

Vorstandschef Diess hatte bereits angekündigt, dass der Umbau des Konzerns beschleunigt werde. Er will die E-Autos der neuen Generation schneller und in größerer Zahl auf die Straßen bringen. Das schlägt sich bei der wichtigsten Marke nieder: Bis 2023 will Brandstätter 19 Milliarden Euro in die Zukunftsthemen investieren, acht Milliarden mehr, als ursprünglich für den Zeitraum vorgesehen. Dank der Sparmaßnahmen sollen trotzdem die nötigen Gewinne erzielt werden. Gerade die Marke VW hat hier im Vergleich zu Audi oder Skoda Nachholbedarf.

Ziel sei „ein wettbewerbsfähiges Renditeniveau von sechs Prozent im Jahr 2022“, sagte der Finanzchef der Marke, Arno Antlitz. Von 100 Euro Umsatz aus dem Autoverkauf sollen also sechs Euro Gewinn bleiben. Die Marke VW ist schon lange ertragsschwach und kam ihrem Ziel im vergangenen Jahr nicht näher: Die Umsatzrendite fiel auf weniger als vier Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare