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Vermögenswirksame Leistungen werden kaum genutzt - bedeuten allerdings bis zu 480 Euro im Jahr quasi geschenkt, wenn der Arbeitgeber mitspielt.

Bis zu 480 Euro im Jahr

Vermögenswirksame Leistungen: Geldgeschenke vom Chef

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Vermögenswirksame Leistungen lohnen sich besonders für Berufsanfänger. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, bekommt man bis zu 480 Euro im Jahr geschenkt.

  • Vermögenswirksame Leistungen - im Monat kann es bis zu 40 Euro vom Arbeitgeber geschenkt geben
  • Das sind bis zu 480 Euro im Jahr quasi geschenkt - wenn der Arbeitgeber mitspielt
  • Alles, was Sie über vermögenswirksame Leistungen wissen müssen

Viele Arbeitnehmer lassen sich Geld entgehen. Und zwar gleich ein paar hundert Euro im Jahr. Genau genommen gibt es bis zu 40 Euro monatlich und damit bis zu 480 Euro im Jahr quasi geschenkt – denn das Geld zahlt im besten Fall komplett der Arbeitgeber in einen Sparvertrag für seine Mitarbeiter ein. Wenn dann noch das zu versteuernde Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt, gibt es obendrauf eine Zulage vom Staat. Die Rede ist von vermögenswirksamen Leistungen.

Vermögenswirksame Leistungen: gerade für Berufsanfänger interessant

Gerade für Berufsanfänger, die geringe steuerliche Abgaben haben, ist diese Sparform interessant. Auch weil es hier die höchsten Zuschüsse vom Staat gibt. Angelegt werden können vermögenswirksame Leistungen etwa in Bausparverträge oder Aktienfonds. Die Verträge laufen sieben Jahre lang. In den ersten sechs Jahren wird eingezahlt, nach einem weiteren Jahr Ruhezeit kann über das angesparte Geld frei verfügt werden.

Ein Sparvertrag über vermögenswirksame Leistungen läuft immer über den Arbeitgeber. Gesetzlich sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern zu ermöglichen, vermögenswirksame Leistungen zu beziehen. Dies schließt allerdings nicht den Zuschuss des Arbeitgebers ein, der bis zu 40 Euro betragen kann. Dieser Betrag kann geringer aus- oder ganz wegfallen. Die Zuschüsse vom Chef sind also freiwillig.

Unterstützt der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen durch Zahlungen?

Deswegen gilt es erst einmal herauszufinden, ob der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen mit eigenen Zahlungen unterstützt. Festgehalten ist dies entweder im Tarifvertrag, der Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag. In den wenigsten Branchen gebe es keine Arbeitgeberzuschüsse, sagt Angelika Sosnowski von der Postbank. Anfragen muss sie der Arbeitnehmer allerdings selbst bei der Geschäftsleitung. Das könne häufig eine Hürde und ein Grund dafür sein, warum kein Vertrag abgeschlossen werde, vermutet Sosnowski. Gerade junge Berufstätige scheuen sich auf den Chef zuzugehen und nach einer solchen Förderung zu fragen.

Vermögenswirksame Leistungen - unterschiedliche Modelle

Es gibt vermögenswirksame Leistungen in unterschiedlicher Form:

  • Bausparverträge
  • Tilgung einer Baufinanzierung
  • Banksparpläne
  • Aktienfonds

Ob sich jemand für Aktienfonds entscheidet, hängt sicher von der Risikobereitschaft ab, sagt Markus Temme, Sprecher von Union Investment. „Da die Leistungen immer über einen Zeitraum von sieben Jahren laufen, sind die Kursschwankungen aber eher gering.“ Außerdem werde bei den Fonds auf viele unterschiedliche Aktien gesetzt, die weit gestreut sind, um das Risiko zu mindern. „In der Tat gibt es ein Verlustrisiko, dessen muss sich jeder bewusst sein. Andererseits gibt es bei diesem Modell die höchsten Renditechancen“, so Temme. Jedoch aufgepasst: Nicht alle Aktienfonds dürfen auch für die Anlage vermögenswirksamer Leistungen verwendet werden.

Vermögenswirksame Leistungen - staatliche Förderung für den Bausparvertrag

Der Bausparvertrag ist die beliebteste Form. Der Grund sei, sagt Sosnowski, dass es staatliche Förderung in dem Maße eben nur noch auf Bausparverträge gebe.

Der Banksparplan erscheint hingegen am wenigsten lukrativ, da es hier zum einen keine staatliche Förderung gibt und die Renditeerwartung bei den aktuellen Zinsen sehr gering ist.

Vermögenswirksame Leistungen: Wenigverdiener profitieren am meisten

Vermögenswirksame Leistungen machen unter Umständen auch dann Sinn, wenn der Arbeitgeber nur geringe oder gar keine Zuzahlungen gibt. In dem Fall müssten Arbeitnehmer die Beiträge zwar von ihrem eigenen Gehalt aufbringen, doch lohnt sich das trotzdem gerade für diejenigen, die wenig verdienen. Denn die bekommen – ausgenommen bei der Variante des Banksparplans – eine Zulage vom Staat auf eben diese Verträge.

Um diese sogenannte Arbeitnehmersparzulage zu erhalten, darf das zu versteuernde Jahreseinkommen maximal 17.900 Euro (Ehepaare 35.800 Euro) betragen. Diese Grenzen gelten für den Bausparvertrag und die Tilgung eines Baukredits. Die Förderung beträgt dann jeweils neun Prozent der eingezahlten Summe, jedoch höchstens 43 Euro im Jahr. Für Ehepaare gelten die doppelten Werte.

Vermögenswirksame Leistungen: Sparplan für Aktienfonds mit staatlicher Förderung

Bei einem Sparplan für Aktienfonds liegt die Grenze des zu versteuernden Einkommens bei 20.000 Euro (Ehepaare 40.000 Euro). Die staatliche Förderung ist hier noch höher mit 20 Prozent der eingezahlten Summe und maximal 80 Euro im Jahr, beziehungsweise in doppelter Höhe für Ehepaare. Ob man in diesen Grenzen liegt, lässt sich ganz einfach dem Steuerbescheid entnehmen.

Von den staatlichen Zuschüssen im vollen Umfang kann aber nur profitieren, wer den maximalen Betrag von 40 Euro monatlich aufbringt. Deshalb, so empfiehlt Sosnowski, sei es sinnvoll, den Beitrag vom eigenen Gehalt aufzustocken, wenn der Arbeitgeber nicht die volle Summe zahlt.

Vermögenswirksame Leistungen werden in Deutschland selten genutzt

Warum es selten genutzt wird: Die Inanspruchnahme von vermögenswirksamen Leistungen ist in Deutschland laut einer Studie von Union Investment von März 2017 noch seltener als der Besitz von Wertpapier- oder Fondsanleihen, die generell mit einem höheren Risiko verbunden sind. Auch die Postbank führt regelmäßig Erhebungen dazu durch: „Aus zurückliegenden Studien weiß man, dass diese Art des Sparens bei jungen Menschen kaum bekannt ist“, sagt Sosnowski. Knapp 15 Prozent der 16-29-Jährigen hätten noch nie von vermögenswirksamen Leistungen gehört. Wie viele Arbeitgeber die Leistungen in Deutschland bezuschussen und in welcher Höhe, wurde allerdings noch nicht erhoben.

Manche Branchen, wie etwa die Metall- und Elektroindustrie, zahlen die vermögenswirksamen Leistungen im Prinzip, allerdings nur als sogenannte altersvorsorgewirksame Leistungen. Damit ist es nicht möglich, nach der siebenjährigen Sparphase frei über das Geld zu verfügen, es ist komplett für die Altersvorsorge bestimmt. Durch die besondere Form werden allerdings Steuern und Abgaben gespart. Denn vermögenswirksame Leistungen sind steuer- und sozialabgabepflichtig.

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