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Banken umwerben Frauen, ihr Geld bei ihnen anzulegen, statt es zuhause zu horten.

Vermögensaufbau für Frauen

„Ein Mann ist keine Geldanlage“

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Vermögensaufbau war lange ein männerdominiertes Thema. Doch immer mehr Banken und Finanz-Plattformen umwerben Frauen.

Immer mehr Vermögensverwalter, Ratgeber in Finanzdingen, aber auch Banken haben Frauen als Kundengruppe für sich entdeckt. War der Vermögensaufbau lange ein männerdominiertes Thema – und ist es auch heute noch überwiegend –, richten sich immer mehr Plattformen gezielt an das weibliche Geschlecht. „Finanzfitness für Frauen“ lautet das Motto des Onlinemagazins „Hermoney“, das über Elterngeld, Brückenteilzeit, aber auch allgemeine Geldanlage-Themen wie börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, informiert.

Auch die Commerzbank-Tochter Comdirect hat mit „Finanz-Heldinnen“ erst im Januar 2018 eine eigene Online-Plattform ausgekoppelt, auf der sie Informationen speziell für Frauen bereitstellt. „Der Schlüssel zu mehr Finanzkompetenz ist, sich zuerst einmal mit dem Thema auseinanderzusetzen“, heißt es auf der Plattform über die Intention. Und: „Wir möchten Frauen zum Umdenken bewegen und auf ihrem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit unterstützen.“

Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer und leben länger. Im Alter müssen sie mit geringeren Rentenbezügen rechnen. Auch deshalb, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten und ihre Erwerbsbiografie häufiger unterbrochen ist als die von Männern, zum Beispiel durch die Jahre der Kindererziehung oder der Pflege eines Angehörigen. Auf das Einkommen und die Rente des Ehepartners sollte sich keine Frau blindlings verlassen, Ehen werden heute viel häufiger geschieden als früher.

Geldanlage und Vermögensaufbau: Frauen müssen anders angesprochen werden

Seit anderthalb Jahren finden deshalb auch beim Münchener Online-Vermögensverwalter Scalable Capital regelmäßig Infoveranstaltung allein für Frauen statt. „Wir managen das Portfolio einer weiblichen Kundin nicht anders als das eines männlichen Kunden. Aber die Ansprache muss erfahrungsgemäß eine andere sein“, sagt Manuela Rabener, Gründerin der britischen Niederlassung von Scalable Capital.

Bei den Frauen-Events werde zum Beispiel konkret Bezug genommen auf die Erwerbsbiografien. Etwa darauf, dass es Auswirkungen hat, wenn sich Frauen eine längere Auszeit für die Elternzeit nehmen, weil sie in dieser Zeit nichts verdienen, nichts von der betrieblichen Rente in die Altersvorsorge fließt. „Ein Partner ist keine Geldanlage“, sagt Rabener dann. „Latent ist das Bewusstsein dafür bei vielen Frauen natürlich schon da, aber sie handeln nicht immer entsprechend. Deshalb wollen wir sie anhand von Fakten und verständlichen Informationen dafür sensibilisieren, das Thema Vorsorge und Vermögensaufbau eigenständig anzugehen.“

Und das passiert bei Veranstaltungen, konzipiert für Frauen. Bei den Events werden Fingerfood und Prosecco gereicht. Derzeit plant Scalable Capital einem Abend in Kooperation mit Hugo Boss, bei dem Frauen über Geldanlage-Produkte informiert werden und sich anschließend die neue Kollektion der Modemarke anschauen können. Es ist eine etwas spezielle Art, über Geldanlagethemen zu informieren. Aber es funktioniere, sagt Rabener. Seit Scalable Capital mit solchen Events in die Offensive gingen, gewinne man mehr Frauen. Der Anteil weiblicher Kundinnen, die über Gemeinschafts- oder Einzelkonten Geld von Scalable Capital verwalten lassen, liege mittlerweile bei 37 Prozent. Auch wenn nicht alle Interessentinnen sofort Kundinnen werden können: Der Mindestanlagebetrag liegt bei 10 000 Euro.

So unterschiedlich legen Männer und Frauen ihr Geld an

Geldanlagestrategie muss zur finanziellen Situation passen

Sally Peters vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff Hamburg), einem unabhängigen Verein für Forschung und Verbraucherschutz, beurteilt die zielgruppenspezifische Ansprache erst einmal positiv. „Die Voraussetzungen bei Frauen in Bezug auf Bildung und Einkommen sind leider immer noch andere“, sagt sie. Deshalb seien auch eine auf sie zugeschnittene Ansprache und spezielle Produkte notwendig, die in die Lebensrealität der Frauen passten.

Jede Frau sollte sich aber auch die Frage stellen, inwieweit die jeweilige Geldanlagestrategie zur eigenen finanziellen Situation passe, sagt Peters. Wer gerade knapp bei Kasse ist, für den lohne sich eine Anlagestrategie von mehreren Tausend Euro weniger, als erst einmal alle laufenden Rechnungen zu bezahlen und beispielsweise einen Sparplan in geringerer Höhe anzulegen. Auch da ist das Informationsangebot gewachsen.

Geldanlage für Frauen: Empfehlungen gibt es noch nicht

Ausschließen lasse sich nicht, dass es unter den Anbietern auch unseriöse Vermittler gebe, „da würde ich das Risiko bei Frauenfinanzplattformen aber nicht höher einschätzen als bei allen anderen Angeboten“, sagt Peters. „Wichtig ist, generell immer genau zu gucken, wer der Anbieter ist und mit welchen Interessen er was anbietet.“ So gehe es bei Banken natürlich auch darum die eigenen Produkte zu verkaufen.

Einen Marktüberblick und damit Empfehlungen für Verbraucherinnen gibt es allerdings noch nicht. Dazu ist der Markt noch zu jung, auch wenn es vereinzelt spezifizierte Frauenfinanzberatungen schon seit 20, 30 Jahren gibt. Eine davon ist die Münchener Frauenfinanzberatung Svea Kuschel. Seit 30 Jahren berät und verkauft das Unternehmen Produkte im Bereich der Vermögensanlage und Altersvorsorge. Geschäftsführerin Constanze Hintze bemerkt, dass sich in dem Segment der Frauenfinanzberatung etwas bewegt. Das Thema werde stärker besprochen als früher, sie gewinne viele Kundinnen, die sich über Frauenfinanzratgeber mit dem Thema auseinandergesetzt haben. „Frauen sind in den letzten Jahren mutiger geworden, was die Geldanlage betrifft“, sagt Hintze, außerdem hätten sie schlicht und einfach heute mehr Geld zur Verfügung.

Wie Frauen Geld anlegen

Risikobewusstsein: Das Meinungsforschungsinstitut Yougov hat für den Versicherungskonzern Axa in einer Studie im März 2018 das Anlageverhalten von Frauen untersucht. Ein Hauptbefund: Frauen zeigen sich risikobewusster bei der Finanzplanung als Männer.

Fehlendes Fachwissen: Frauen (wie auch Männer) gaben oft an, nicht an der Börse anzulegen, weil ihnen das nötige Fachwissen fehle. Daneben stimmen 64 Prozent der befragten Frauen der Aussage zu, die Börse sei Experten vorbehalten. Bei den Männern waren es lediglich 55 Prozent.

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