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Die Deutsche Bank hat vom EZB-Geld profitiert.
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Die Deutsche Bank hat vom EZB-Geld profitiert.

Banken

Verluste aus Negativzins übertrieben?

  • VonRolf Obertreis
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Eine neue Studie zeigt: Billig-Kredite der EZB kompensieren die Verluste der Banken in der Eurozone. Die deutschen Institute machen zwar Minus, aber deutlich weniger als es scheint.

Es ist ein Dauer-Lamento deutscher Geldhäuser: Die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Einlagen von aktuell minus 0,5 Prozent. Das habe die deutschen Kreditinstitute 2020 rund 2,6 Milliarden Euro gekostet, heißt es beim Bundesverband Deutscher Banken (BdB). Für alle Banken in der Euro-Zone beziffert er den Aufwand auf 17 Milliarden Euro. Damit begründen Geldhäuser in Deutschland die Weitergabe von Negativzinsen an immer mehr Kunden.

Mittlerweile praktizieren das hierzulande nach Angaben des Finanzportals biallo.de mehr als 500 Institute. Jetzt behauptet eine Studie der IESEG School of Management im französischen Lille, dass diese Angaben übertrieben sind, weil die EZB den Instituten Freibeträge einräumt und zugleich langfristige Finanzierungsgeschäfte – sogenannte TLTROs oder Langfristtender – anbietet zu Zinssätzen von bis zu minus einem Prozent. Die Banken erhalten also eine Zinsprämie. Ergebnis: In acht Euro-Staaten fahren die Institute sogar Gewinne ein. Deutsche Geldhäuser müssen zwar die zweithöchsten Verluste hinnehmen. Mit 566 Millionen Euro im Jahr liegen sie aber deutlich unter den Angaben des BdB.

Italienische Banken bescheren die Zinsen und Zinsprämien der EZB der Studie zufolge sogar einen Nettogewinn von 3,2 Milliarden Euro, Instituten in Spanien von knapp 1,9 Milliarden Euro jährlich. Am stärksten gebeutelt sind der IESEG-Studie zufolge Banken in Luxemburg mit einem jährlichen Verlust von knapp 800 Millionen Euro.

22,2 Milliarden Euro Ertrag

Insgesamt kommen die Negativ-Zinsen der EZB auf Einlagen und die Zinsprämie für TLTRO-Kredite den Geldhäuser in der Euro-Zone aber zugute – mit einem Gewinn von insgesamt fast 5,2 Milliarden Euro. Dies hat Eric Dor von IESEG auf Basis ihrer Bilanzen von Juli 2021 errechnet. Die Belastungen aus dem negativen Einlage-Zins unter Berücksichtigung der Freibeträge beziffert die Studie mit knapp 17 Milliarden Euro pro Jahr, den Ertrag aus den TLTRO-Krediten aber mit fast 22,2 Milliarden Euro.

Dor weist darauf hin, dass die Banken derzeit Kredite von der EZB ausschließlich über die bezuschussten TLTRO-Linien beziehen zu Minus-Zinsen von bis zu einem Prozent. „Es ist offensichtlich, dass negative Zinsen auf TLTRO-Kredite eine Subvention für die europäischen Banken darstellen.“ Er räumt allerdings ein, dass die Betrachtung nur ein Ausschnitt sei. Generell würden die Institute über alle Geschäftsbereiche durch Niedrigzinsen belastet.

Positive Effekte aus den Zinszuschüssen der TLTRO-Kreditlinien haben unter anderem Commerzbank und Deutsche Bank eingeräumt. Die Commerzbank hatte für das erste Halbjahr einen Ertrag von 168 Millionen Euro angegeben. Noch stärker profitiert hat die Deutsche Bank: Im ersten Halbjahr bescherten die TLTRO-Kredite dem Institut einen Gewinn von 282 Millionen Euro. Der Insiderdienst Finanzszene hat für nur zehn deutsche Institute für das erste Halbjahr insgesamt sogar einen TLTRO-Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro ausgerechnet, darunter für die BayernLB 164 Millionen und die Landesbank Baden-Württemberg 110 Millionen Euro. Deutsche Banken seien im „TLTRO-Rausch“.

Bankenverband lehnt Verrechnung von Gewinnen aus Billig-Krediten und Verlusten aus Negativzinsen ab

Der BdB hält die einfache Verrechnung der Negativzinsen mit den Zinsprämien allerdings sachlich für nicht gerechtfertigt. Dies verdecke wichtige Aspekte. So seien die Vergünstigungen bei TLTRO-Krediten an Vorgaben gebunden, etwa an ein bestimmtes Volumen vergebener Kredite. Insofern sei gar nicht klar, ob die Banken den Minuszins von bis zu einem Prozent überhaupt in Anspruch nehmen könnten. Außerdem müssten die Banken bereits seit 2014 Minuszinsen auf Einlagen zahlen. Bis 2020 seien das in der Eurozone insgesamt rund 37 Milliarden Euro gewesen, davon gut elf Milliarden für deutsche Banken.

Im Gegenzug beziffere die Bundesbank die Entlastung durch TLTRO-Kredite für den Zeitraum 2014 bis 2020 nur auf 2,8 Milliarden Euro, heißt es beim BdB. Im Übrigen würden die Negativzinsen, also die Zinsprämie für TLTRO-Kredite erst am Ende der jeweiligen Laufzeit gezahlt, frühestens Mitte 2022. Die Negativzinsen auf Einlagen dagegen berechne die EZB alle sechs Wochen. „Die besonderen Vergünstigungen bei den Langfristtendern sind keine geeignete Kompensation für die Belastungen der Banken durch den negativen Einlagezins der EZB“, sagt BdB-Experte Volker Hofmann. Und fordert nennenswert höhere Freibeträge.

IESEG-Vertreter Dor räumt zwar eine besondere Belastung der deutschen Banken ein. Er ist aber überzeugt, dass gerade sie von der zunehmenden Kreditnachfrage durch die verbesserten Konjunkturaussichten und damit von den Zinsprämien der Langfristtender profitieren. Generell kann er nicht nachvollziehen, dass diese Zinsprämien keine Kompensation für die Negativzinsen sein sollen. „Das Gegenteil ist für die Eurozone der Fall“. Deutsche Banken werden dadurch seinen Analysen zufolge nicht mit jährlich gut 2,5 Milliarden, sondern „nur“ mit knapp 570 Millionen Euro belastet. Allerdings betrachtet es Dor als normal, dass sich die Bankenlobby von der EZB mehr Zugeständnisse durch höhere Freibeträge wünscht.

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