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SMA machte 2018 einen Verlust von fast 176 Millionen Euro.

Solartechnik

SMA verliert in China

Der Preisdruck durch asiatische Konkurrenz trifft den hessischen Solarkonzern hart. Nun sollen rund 400 Stellen abgebaut werden.

Wie erwartet hat der Preisdruck durch asiatische Konkurrenz dem Niestetaler Solartechnikhersteller SMA einen hohen Verlust eingebrockt. Wie der Konzern am Donnerstag in Frankfurt bei seiner Bilanzpressekonferenz mitteilte, lag der Absatz zwar auf Vorjahresniveau – SMA verkaufte demnach im Jahr 2018 Wechselrichter mit einer zusammengerechneten Leistung von rund 8,5 Gigawatt. Allerdings ging der Umsatz von 891 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 760,9 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurück (minus 15 Prozent).

Das Unternehmen machte 2018 einen Verlust von fast 176 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte es noch einen Gewinn von gut 30 Millionen Euro eingefahren. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ((Ebitda) rutschte von knapp 100 Millionen Euro im Vorjahr mit 69,1 Millionen Euro in den Negativbereich.

Der Umsatzrückgang sei im Wesentlichen auf den abrupten Rückgang des Fotovoltaik-Markts in China zurückführen, erklärte SMA-Vorstandschef Jürgen Reinert. Ende Mai hatte die chinesische Regierung ihre Fotovoltaik-Ausbauziele und die Solarförderung drastisch gesenkt. In der Folge drängten die chinesischen Anbieter verstärkt auf die internationalen Märkte und verursachten in allen Segmenten einen hohen Preisdruck. „2018 war ein herausforderndes Jahr für SMA“, räumte Reinert gestern ein. Tatsächlich meinte es 2018 nicht gut mit dem Solartechnikhersteller. Dabei hatte das Geschäftsjahr laut Reinert mit einem hohen Auftragsbestand begonnen.

Doch dann ging es bergab für den SDax-Konzern. In der ersten Jahreshälfte seien elektronische Bauteile seitens der Zulieferer knapp geworden, schilderte der Vorstandschef, und SMA habe seine Kunden nur eingeschränkt beliefern können. Ende Mai dann brach der weltweit größte Solarmarkt in China ein. Um nicht auf ihren Modulen sitzen zu bleiben, überschwemmten einheimische Hersteller den restlichen Weltmarkt mit Produkten zu Billigpreisen und verschärften so den ohnehin harten Preiskampf auf dem Solarmarkt. In der Hoffnung, dass die Preise noch weiter sinken würden, hätten Investoren die Umsetzung von Fotovoltaikprojekten in das Folgejahr verschoben, erläuterte Reinert.

In der Folge des Umsatzeinbruchs hatte SMA kürzlich angekündigt, seine chinesischen Tochtergesellschaften zu verkaufen und weltweit 425 seiner gut 3000 Vollzeitstellen abzubauen. Davon entfallen 100 auf die Standorte in Kassel und Niestetal, an denen laut SMA etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Betroffenen seien inzwischen informiert. Es seien mit allen Aufhebungsverträge geschlossen worden, sagte SMA-Finanzvorstand Ulrich Hadding. „Es gab keine Kündigungen, und es wird auch keine Kündigungen geben“, betonte er.

Um wieder profitabel zu werden, will der Konzern seinen Konsolidierungskurs fortsetzen. Mit dem Verkauf der chinesischen Tochtergesellschaften sowie dem Stellenabbau solle der Standort Deutschland besser ausgelastet werden, so Reinert.

Künftig werde SMA auf seine Kernkompetenzen, das Wechselrichter-Geschäft, setzen, seine Produktpalette anpassen und seine Arbeitsprozesse optimieren, kündigte Reinert an. Ziel sei es, die Kosten um etwa 40 Millionen Euro pro Jahr zu senken.

Trotz des „gruseligen Ergebnisses“ für 2018, wie Hadding es nannte, blickt SMA optimistisch in die Zukunft. Der Markt wachse, Solarenergie werde zur tragenden Säule der Energieversorgung.

von Nicole Schippers

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