Gastwirtschaft

Verlernt zu hinterfragen

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Wie Sie nicht mehr aneinander vorbeireden.

Ab welcher Einwohneranzahl beginnt für Sie eine Großstadt? Wenn ich diese Frage in einem Seminar stelle, lasse ich die Teilnehmer die Zahl, die ihnen als erstes in den Sinn kommt, auf ein weißes Blatt Papier schreiben und bitte sie, das Blatt sofort umzudrehen. Die Ergebnisse dieser spontanen Abfrage könnten unterschiedlicher nicht sein. Das ist jedes Mal wieder für viele eine große Überraschung.

Welche Zahl kam Ihnen denn gerade in den Sinn? 10.000, 100.000 oder gar eine Million? Die Antwort hängt meist davon ab, wo man selbst aufgewachsen ist beziehungsweise die letzten Jahre verbracht hat und somit auch in seiner Wahrnehmung geprägt wurde.

Was steckt hinter diesem eigentlich recht banalen Beispiel? Ich erlebe als Beraterin sehr oft, dass wir Menschen scheinbar von den gleichen Sachen sprechen, jedoch nicht die gleichen Dinge meinen. Wir gehen lediglich davon aus, dass wir beispielsweise den Begriff „Großstadt“ absolut identisch definieren. Wir bleiben im Austausch mit anderen oftmals an der Oberfläche und gehen viel zu wenig in die Tiefe. Wir merken nicht, dass wir genau aus diesem Grund in Diskussionen - privat und auch geschäftlich - oft buchstäblich aneinander vorbeireden und am Ende nicht zusammenkommen. Wir haben uns zu einer Art „Glaubensgemeinschaft“ entwickelt, denn wir wissen meist wenig über den tatsächlichen Sachverhalt oder über die involvierten Personen.

Whatsapps und E-Mails haben in den letzten Jahren unser Kommunikationsverhalten stark beschädigt. Unsere Reaktionen auf Ereignisse und Personen fußen auf Vermutungen, Annahmen und natürlich auch den eigenen Erfahrungen. Denkfehler und mitunter falsche Handlungen sind das Ergebnis. Wir haben verlernt, Fragen zu stellen und auch Aussagen, vor allem der Medien, zu hinterfragen. „Wie meinen Sie das?“, „Wie ist das bei Ihnen angekommen?“, „Wem nützt es?“, „Was ist Ihnen wichtig?“ „Was verstehen Sie unter...“ Seien Sie also mutig, zeigen Sie Interesse an anderen, fangen Sie am besten gleich damit an und üben Sie sich stetig darin. Ihr berufliches und soziales Umfeld wird sicher positiv darauf reagieren und sich über die Wertschätzung freuen.

Übrigens, eine Großstadt beginnt bei 100.000 Einwohnern.

Die Autorin ist Unternehmerin, Personalexpertin und Buchautorin. Zuletzt erschien von ihr: „Glaubenssätzen auf der Spur – Wie Sie Ihr Leben selbst steuern, statt Hirngespenstern zu folgen“.

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