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RWE verkleinert den Vorstand

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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RWE-Chef Peter Terium.
RWE-Chef Peter Terium. © dpa

Die Führung der Energiekonzerns soll schlanker werden. Die Tochterunternehmen verlieren ihre Selbstständigkeit. Die Schritte gelten als überfällig, denn RWE droht zwar nicht die Pleite, aber dauerhaftes Siechtum.

Sein Vokabular hört sich ziemlich modern an. Wenn RWE-Chef Peter Terium nach dem Umbau seines Konzerns befragt wird, spricht er davon, einen neuen Innovations-Hub zu schaffen. Es brauche diesen „Landing Spot“, damit Ideen nicht verpufften. Klingt wie ein dynamisches Internetunternehmen und nicht wie ein schwer verkrusteter Apparat, der es in puncto Trägheit locker mit vielen Behörden aufnehmen kann.

Der verbalen Runderneuerung soll nun ein tatsächlicher Großumbau folgen. Denn RWE droht zwar nicht die Pleite, aber immerhin Siechtum. Terium will mit einer radikalen Vereinfachung der Strukturen und mit mehr operativer Macht für die Zentrale gegensteuern. Derzeit gehören zum Konzern rund 100 Tochterfirmen, die teilweise einander behindern. Mehrere Ableger sollen nun ins Mutterhaus integriert werden, auch das Vertriebs- und Netzgeschäft. Diverse Chefetagen werden leergefegt. Die Umstrukturierung soll bis 1. Januar 2017 abgeschlossen sein.

Eigenständig bleiben die Handelstochter Supply & Trading, die Ökostromsparte Innogy sowie der Kraftwerksbereich, sie sind jedoch mit ihren Chefs künftig im Konzernvorstand vertreten, der so von vier auf sieben Mitglieder vergrößert wird.

Was ist da schiefgelaufen? Früher gehörte das Unternehmen Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk, gegründet 1898 als Stadtwerk der Kommune Essen, zu den Innovatoren. Die Steinkohle aus den Bergwerken in Essen und Umgebung war der Brennstoff für die Kraftwerke, die ihre Energie über Leitungsnetze verteilten. Auch noch nach 1945 ging es damit bruchlos weiter. Zur Stein- und Braunkohle kam 1969 allerdings die Atomkraft, mit dem Bau des ersten RWE-Meilers im hessischen Biblis.

Die Politik hatte auch bei der Entscheidung pro Kernkraft die Finger drin – wie bei fast allem, was im Konzern lief. Noch heute halten etwa 130 Kommunen und Landkreise aus NRW knapp 24 Prozent der Anteile.

Der Fluch der Kommunen

Der Deal mit der Politik war im Prinzip simpel: RWE kümmert sich um die Versorgungssicherheit – höchstes Gut der Energiepolitik. Dafür wurde der Konzern als fast monopolartiges Unternehmen geschützt. Und dabei schoss einiges ins Kraut – daher die vielen Töchter. War aber egal, so lange Milliardengewinne eingesackt wurden. Und wie so oft bei Unternehmen, die über viele Jahre erfolgreich sind, konnte sich irgendwann kaum noch jemand in der Organisation vorstellen, dass es mal anders würde. Die Erneuerbaren und ihre umwälzende Wirkung wurden zu lange nicht ernst genommen.

Als den Managern in der Essener Konzernzentrale dann doch dämmerte, dass da ein gewaltiger Umbruch im Gange ist, wurde nur nach bekannten Mustern gearbeitet – nämlich Lobbyismus in der Politik: Sichtbarstes Zeichen dafür war die Laufzeitverlängerung für AKW, die der Bund nach Fukushima zurücknahm. Seither gibt es nur noch Rückzugsgefechte. Auch das beliebte RWE-Argument, dass man nicht aus Atom und Kohle gleichzeitig aussteigen könne, zieht nicht mehr. Heute gibt es riesige Überkapazitäten auf dem deutschen Strommarkt. Die Preise an der Strombörse fallen. Viele RWE-Kraftwerke arbeiten nicht mehr rentabel, Stilllegung droht.

Das Unternehmen macht noch Gewinne – aber kontinuierlich geringere. Analysten erwarten fürs erste Halbjahr einen Rückgang der Profite aus den laufenden Geschäften um gut fünf Prozent. Bei einem Weiter-so-Kurs prognostizieren Insider in drei Jahren rote Zahlen. Die Frage ist, wie grundlegend wird Teriums umbauen? Die kommunalen Anteilseigner haben schon einmal durchgesetzt, dass in NRW keine Standorte schließen. Der Betriebsrat hat zusätzliche Stellenstreichungen für die noch 59 000 Beschäftigten verhindert. Schließlich will auch die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) keinen Ärger wegen Massenentlassungen.

Terium wird jedenfalls nicht so weit gehen, wie sein Kollege Johannes Teyssen von Eon, der den Düsseldorfer Energieriesen in zwei Unternehmen zerschlägt. Eins für die konventionellen Kraftwerke, das wohl kontinuierlich schrumpfen wird. Und eins, das mit Erneuerbaren und neuen Dienstleitungen wachsen soll.

RWE-Chef Terium betont, dass es für den Umbau „einen langen Angang“ brauche. Viele Traditionalisten im Konzern dürfte diese Aussage beruhigen.

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