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Yahoo übernimmt das Blog-Netzwerk Tumblr.

Soziale Netzwerke

Verjüngungskur: Yahoo kauft Tumblr

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Der US-Internetkonzern Yahoo greift tief in die Tasche und kauft das Blogger-Netzwerk Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar. die größte Übernahme in der Branche seit Jahren soll eine Verjüngungskur für Yahoo sein - doch Tumblr stellt auch ein Risiko dar.

Der US-Internetkonzern Yahoo greift tief in die Tasche und kauft das Blogger-Netzwerk Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar. die größte Übernahme in der Branche seit Jahren soll eine Verjüngungskur für Yahoo sein - doch Tumblr stellt auch ein Risiko dar.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer greift tief in die Tasche, um ihrem alternden Internet-Konzern eine Verjüngungskur zu verpassen. Für 1,1 Milliarden Dollar will Yahoo das Blog-Netzwerk Tumblr übernehmen. Der Aufsichtsrat hat dem Kauf bereits zugestimmt, am Montag wurde der Deal offiziell gemacht. Es ist die größte Übernahme in der Branche seit Jahren und übersteigt sogar Facebooks Milliardengeschäft mit der Foto-Anwendung Instagram im vergangenen Jahr.

Entwicklung verschlafen

Mit der Übernahme – bereits die siebte, seit Mayer im vorigen Jahr nach 13 Jahren bei Google an die Spitze von Yahoo wechselte – will die Chefin eine klaffende Lücke im Angebot schließen. Denn der Internet-Konzern hat das Phänomen der sozialen Netzwerke vollkommen verschlafen. Und das, obwohl Yahoo mit 700 Millionen Nutzern eine der größten Seiten im Netz betreibt. Bislang fehlte es aber an Ideen, das zu nutzen.

Die soll Tumblr bringen. Das populäre Blogger-Netzwerk kommt inzwischen auf weltweit 108 Millionen Blogs und ein Vielfaches an sehr aktiven Nutzern. Der gerade mal 26-Jährige Gründer David Karp hat die Plattform zu einer der beliebtesten Netzwerke im Internet ausgebaut. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Nutzerzahl verdoppelt. Auch den Wandel zum Mobilgeschäft konnte die Firma aus New York nutzen: Ein Viertel der Nutzer geht inzwischen über das Smartphone oder das Tablet auf die Seite. Zudem sind die Nutzer deutlich jünger als die Yahoos, die mit dem Internet-Pionier über die Jahre gealtert sind.

All das kann Yahoo dringend gebrauchen. Seit Jahren stagniert der Umsatz bei rund fünf Milliarden Dollar. Auf Smartphones und Tablet-Computern ist Yahoo kaum vertreten, und Facebook und Google haben mit ihren Netzwerken und Suchmaschinen den Werbemarkt weitgehend unter sich aufgeteilt. Unternehmenschefin Marissa Mayer setzt seit ihrem Einstieg bei Yahoo deshalb auf mehr eigene Inhalte, um für Anzeigenkunden interessanter zu werden.

Allerdings stellt Tumblr ein Risiko dar. Denn das Netzwerk teilt ein altbekanntes Problem mit unzähligen Internet-Startups: Trotz der beeindruckenden Nutzerzahlen ist die Firma auch sechs Jahre nach dem Start nicht profitabel. Bis weit ins vergangene Jahr hinein hatte sich Firmengründer Karp geweigert, überhaupt Anzeigen zu schalten. Im vergangenen Jahr kam das Netzwerk nach eigenen Angaben auf einen Umsatz von 13 Millionen Dollar. Yahoo will nun die eigenen Ressourcen nutzen, um das Potenzial der Seite auszuschöpfen. Der Internet-Riese verfügt über eine etablierte Infrastruktur im Werbegeschäft und ein riesiges Portfolio an Anzeigenkunden.

Werbung als Risiko

Die große Herausforderung für Marissa Mayer wird es sein, das junge Netzwerk in das riesige Yahoo-Ökosystem einzubetten. In der Vergangenheit hat sich der Konzern damit schwer getan. Vielversprechende Zukäufe wie das Foto-Netzwerk Flickr vor acht Jahren oder der Webhost-Service Geocities sind nach der Übernahme untergegangen oder haben an Bedeutung verloren.

Und zu viel Werbung und Präsenz des Internet-Riesen könnte die jungen Tumblr-Nutzer verschrecken. „Wir werden nicht lila werden“, versprach David Karp seinen besorgten Anwendern in Anspielung auf das Yahoo-Logo am Montag in seinem Blog.

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