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Es gibt keine Gründe Vergleichsportale ganz zu verteufeln.

Vergleichsportale im Test

Mängel bei Vergleichsportalen

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Das Bundeskartellamt hat Vergleichsportale im Internet überprüft und deutliche Mängel festgestellt. Die EU will nun die Offenlegung der Rankingkriterien vorschreiben.

Millionen Kunden informieren sich über Vergleichsportale, wenn es darum geht die beste Versicherung zu finden, den Stromanbieter zu wechseln oder den günstigsten Flug für den Urlaub zu buchen. Doch wie Anbieter ihre Rankings erstellen, daran gibt es immer wieder Kritik. So war etwa der Billigstromversorger BEV Energie kurz vor Insolvenzanmeldung bei gängigen Vergleichsportalen ganz oben gelistet. Eine Prüfung, ob das Geschäftsmodell des Anbieters trage, finde nicht statt, bestätigte etwa das Vergleichportal Check 24 infolge dieses Falls.

Erst kürzlich hat außerdem das Bundeskartellamt 150 solcher Portale für eine Untersuchung näher unter die Lupe genommen. „Der Verbraucher kann sich nicht immer darauf verlassen, tatsächlich das für ihn beste Angebot auf einem Vergleichsportal zu finden“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt im Dezember bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse. Zugleich nannte er Vergleichsportale für Verbraucher aber durchaus auch ein „wichtiges Werkzeug“, solange sie objektiv und unverfälscht Ergebnisse lieferten.

Vergleichsportale ganz zu verteufeln, davon hält auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur vom Verbraucherratgeber „Finanztip“, nichts. Finanztip selbst empfiehlt Verbrauchern regelmäßig eine Anbietersuche über Vergleichsportale. „Kunden können nie so viele Angebote vergleichen, wie das die Portale können“, sagt er. Auch wenn das nicht heiße, dass jedes Portal taugt. Voraussetzung sei immer, dass die Ergebnisse auf den Portalen vorher in einem aufwendigen Verfahren von der Redaktion geprüft wurden. „Dabei zeigen sich meist auch Portale, die wir nicht empfehlen. Etwa wenn diese den Markt nur schlecht abbilden oder den Nutzern nicht die besten Angebote zeigen sondern die, an denen sie das meiste Geld verdienen.“

Vergleichsportale mit Schwächen

In dem 143-seitenlangen Zwischenbericht des Bundeskartellamts wurden nicht einzelne Portale in den Blick genommen, sondern der Geschäftszweig Vergleichsportale in Gänze. Bemängelt werden mehrere Punkte. Zum einen, dass zwar eine vollständige Auflistung aller Anbieter auf dem Markt suggeriert werde, teils aber nur eine Auswahl von weniger als 50 Prozent des existierenden Angebots im Ranking wiederzufinden sei. „Da die Verbraucher in der Regel keine Information darüber erhalten, welche Anbieter auf einem Vergleichsportal nicht dargestellt werden, besteht hier das Risiko einer vorschnellen und damit gegebenenfalls suboptimalen Entscheidung“, heißt es im Bericht. Zum anderen bliebe häufig unklar, wie die Reihenfolge der Empfehlungen zustande komme. So finanzieren sich Vergleichsportale größtenteils über Provisionen. Die Suchergebnisse könnten davon beeinflusst werden – soll heißen, wer eine höhere Provision an das Portal zahlt, wird unter Umständen höher gelistet. Vermittlungsprovisionen machen laut Bundeskartellamt branchenübergreifend – außer im Flugbereich – rund 90 Prozent der Einnahmen aus.

Ein weiterer Punkt im Bericht: Selbst wenn sich Verbraucher auf mehreren Vergleichsportalen gleichzeitig schlau machten, seien sie dadurch nicht immer auf der sicheren Seite. Denn zahlreiche Portale erstellen keinen eigenständigen Vergleich, sondern greifen auf Datensätze anderer Portale zurück.

Verivox und Check 24 weisen Kritik zurück

Verivox wies infolge des Berichts viele Kritikpunkte entschieden zurück. Vor allen Dingen kritisierte das Portal aber die pauschale Zuschreibung, mit der auch Vergleichsportale in Verruf geraten, die transparent arbeiten würden. So gebe Verivox beispielsweise stets an, auf welcher Datenbasis die Ergebnisliste zustande komme. Wenn Anbieterlisten nicht vollständig seien, habe das in der Regel damit zu tun, dass sich einzelne Anbieter nicht listen lassen wollten. Provisionen und deren Höhe würden für die Vergleichsergebnisse im Hotelbereich zwar tatsächlich eine Rolle spielen, in anderen Branchen, wie Energie, Flüge oder Telekommunikation hingegen nicht.

Check 24 argumentierte ähnlich. „Die Rankings bei Check 24 erfolgen nach streng mathematischen Regeln. Der günstigste Tarif steht an erster Stelle“, heißt es beim Unternehmen. Provisionen und deren Höhe spielten für die Vergleichsergebnisse keine Rolle – allerdings auch keine Qualitätskriterien des Anbieters, etwa wie solvent er ist.

Verivox ging letztlich in die Offensive und legte sich eine Selbstverpflichtung auf, die vor allem auf mehr Transparenz abzielt. Auch andere Portale geloben nachzubessern.

Rechtliche Folgen wird die Kartellamtsuntersuchung für die Portale erst einmal nicht haben. Die Behörde hat keine Befugnis, etwaige Rechtsverstöße, die durch die Untersuchung zutage kamen, zu sanktionieren. Derzeit werde ein Abschlussbericht auf Grundlage von 30 Stellungnahmen der Vergleichsportale erstellt, so die Behörde. Ziel darin sei es, die bestehenden Probleme darzustellen, gegebenenfalls einer rechtlichen Einordnung zu unterziehen und daraus Handlungsempfehlungen an Verbraucher und Politik zu geben, erklärte ein Kartellamtssprecher.

Im Koalitionsvertrag von SPD und Union wurde ein Handlungsbedarf zumindest bereits festgeschrieben. Eine rechtlich bindende Regelung wird gerade auf EU-Ebene verhandelt. Der „New Deal for Consumers“ sieht vor, unter anderem eine Offenlegung von Rankingkriterien auf Vergleichsportalen festzuschreiben. Mit einem Beschluss des Europaparlaments sei noch in der jetzigen Legislaturperiode zu rechnen, heißt es im Bundesjustizministerium.

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