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Anlageberatung sollte in die Hand von unabhängigen Beratern, fordern Verbraucherschützer.

Banken und Makler

Verbraucherschützer fordern Provisionsverbot

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Die Verbraucherzentralen beobachten, dass Vermittler von Fonds und Versicherungen die Konsumenten oft aus Eigeninteresse in die Irre führen. Sie fordern deshalb ein Verbot von Provisionen.

Die Anlageberatung in Deutschland lässt viele Wünsche offen, wie Sparer immer wieder feststellen. Auch die Verbraucherzentralen beklagen, dass die Tipps und Empfehlungen der Versicherungsvertreter, der Bankspezialisten oder Makler die Konsumenten oft auf falsche Gleise führen. Dabei gibt es aus ihrer Sicht eine einfache Möglichkeit, die Qualität der für die Altersvorsorge so wichtige Disziplin zu verbessern: Der Gesetzgeber müsste dafür Provisionen verbieten, die Vermittler mehr oder wenig heimlich einstreichen, wenn jemand über sie Fondsanteile kauft oder eine Lebensversicherung erwirbt. Das Beispiel Großbritannien zeige, dass ein solches Provisionsverbot wirke, meint Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

„Sowohl die Beratungsqualität als auch das Vertrauen der Verbraucher in die Finanzberatung nehmen zu.“ Letzteres hält Mohn für wichtig, da hierzulande Menschen so skeptisch seien, dass sie bei Anlageentscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen gar keine Anlageberatung in Anspruch nähmen.

Dagegen warnt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vor Nachteilen für die Konsumenten, sollte die Bundesrepublik dem Beispiel Großbritannien folgen. Aus seiner Sicht ist das Provisionsmodell eine „bewährte und beliebte Beratungsform, die einen breiten Zugang zur Vermögensbildung sichert. 

Aktueller Anlass für die Kontroverse ist ein Erfahrungsbericht aus dem Vereinigten Königreich, erstellt von der dortigen Finanzaufsicht. Seit 2013 dürfen Vermittler in dem Land keine Provision verlangen, wenn sie zu Anlageberatungen oder zu Versicherungen mit dem Ziel des Kapitalaufbaus beraten. Stattdessen erheben sie wie ein Anwalt von ihren Kunden ein Honorar, das den Verbrauchern die Kosten verdeutlicht.

Keine Beratung ist kostenlos

Das schmerzt zwar viele Bürger, weil sie dann schwarz auf weiß sehen, wie teuer Geldangelegenheiten sind. Doch keine Beratung sei kostenlos, meinen die deutschen Verbraucherschützer. Hierzulande merkten viele nicht, dass sie beim Abschluss einer Lebensversicherung viel Geld an den Vertreter abführen müssten. Zudem verfolgten die Berater eigene Interessen, wenn sie durch Provisionen bezahlt würden. Kauft jemand ein falsches Finanzprodukt, kann es richtig teuer werden.

Die Auswertung aus Großbritannien zeigt, dass auch die Honorarberatung Probleme mit sich bringt, die jedoch beherrschbar sein dürften. So scheuten Kleinsparer den Aufwand. Allerdings reagierte die Finanzaufsicht darauf und setzte Reformen durch. Beispielsweise können Arbeitgeber auf der Insel die Beratung ihrer Angestellten finanzieren und die Kosten dafür steuerlich geltend machen. Und Verbraucher können eine unabhängige Beratung aus ihren Rentenansprüchen finanzieren und eine Ratenzahlung mit dem Honorarberater vereinbaren. Die Erfahrungen aus Großbritannien belegen nach Ansicht der deutschen Verbraucherschützer, dass sich solche  Regelungen für die Bürger bezahlbar machen.

Eine Reihe von Fallstricken

Hierzulande ist die Honorarberatung zwar seit 2014 gesetzlich geregelt. Doch führt diese Alternative immer noch ein Schattendasein mit vergleichsweise wenig Anbietern. Und das sollte nach Ansicht der Sparkassen auch so bleiben, die auf Nachteile dieses Modells hinweisen. Honorarberater stellten regelmäßig Stundensätze im dreistelligen Eurobereich in Rechnung. Ihre Dienstleistung sei daher attraktiv vor allem für vermögende Privatkunden, nicht aber für den Kleinsparer. Auch könnten Regionen abseits der Ballungszentren verlieren. In den Großstädten lohne sich die Honorarberatung, auf dem Land eher nicht.

Dort werde es für die Menschen noch schwieriger, einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner für Geldangelegenheiten zu finden. Anderer Kritiker verweisen auf die Gefahr von Missbrauch. So könnten Honorarberater einfach mehr Stunden aufschreiben, als sie tatsächlich benötigen. Auch ist es relativ leicht in Deutschland, sich Honorarberater zu nennen. Nicht immer ist gesichert, dass echte Expertise hinter dem Titel steckt.

All das ließe sich freilich bei entsprechendem politischen Willen regeln. Derzeit berät der Bundestag das zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz, das mehr Transparenz bei Finanzgeschäften schaffen und eine EU-Richtlinie umsetzen soll. Mohn fordert die Koalition auf, dieses Gesetz für ein Provisionsverbot bis zum Jahr 2023 zu nutzen. Die Übergangszeit sei nötig, damit sich die Branche auf die Änderungen einstellen könne.

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