Abweichende Empfehlungen

Impfung für Kinder: In einem Punkt widersprechen sich Stiftung Warentest und das RKI

  • vonLucas Maier
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Impfung für Kinder im Test: Nicht alle Einschätzungen von Stiftung Warentest decken sich mit denen des Robert-Koch-Instituts.

  • Im Test: Stiftung Warentest* untersucht Impfung für Kinder.
  • Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden in den meisten Fällen übernommen.
  • Bei zwei Impfungen haben sie allerdings eine andere Einstufung.

Kassel - Die Stiftung Warentest hatte zuletzt verschiedene Impfungen im Test. Bei mancher Impfung weicht die Empfehlung von der des Robert-Koch-Instituts (RKI) ab. Bei ihrer jüngsten Untersuchung ging es um Windpocken und Gürtelrose. Für Kinder kommt Stiftung Warentest teilweise zu anderen Ergebnissen als das Robert-Koch-Institut.

Test von Impfung für Kinder bei Stiftung Warentest

Bei der Stiftung Warentest erarbeitet ein Expertenkreis regelmäßig Einschätzungen zu jeder Impfung für Kinder - sowie zu den jeweiligen Impfstoffen.

Impfung für Kinder im Test: Stiftung Warentest gibt Empfehlungen (Symbolbild).

Für ihren Test werten die Experten aktuelle Studien aus, bringen aber auch ihre eigenen klinischen Erfahrungen mit ein. Der Test hat zum einen das Ziel ein Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko für jeden einzelnen darzustellen, zum anderen wird untersucht, wie sich die jeweilige Krankheit in der Gesellschaft entwickelt, wenn die Impfung von einem Großteil dieser angenommen wird.

Test von Stiftung Warentest: Impfung in Kombination - das sagen die Experten

Einige Eltern sind gerade bei Kindern vorsichtig, was das Thema Impfung anbelangt. Gerade bei den sogenannten Kombinationsimpfungen haben einige Angst vor gesudnheitlichen Schäden. Stiftung Warentest hat auch hierzu eine Empfehlung in ihrem Test.

Mittlerweile gibt es sogar eine Sechsfachimpfung. Früher waren in Kombinationsimpfungen meist nur drei Wirkstoffe enthalten. Wie beispielsweise in der MMR-Impfung, die vor Mumps, Masern und Röteln schützt. Die Experten von Stiftung Warentest hatten die Sechsfachimpfungen im Test. Sie raten dazu, diese Möglichkeit zu nutzen, denn weniger Spritzen in der Summe, bedeute auch insgesamt eine geringere Gefahr von Nebenwirkungen.

Test von Impfung: Stiftung Warentest prüft Sechsfach-Immunisierung für Kinder

Die Sechsfachvariante der Impfung - im Test von Stiftung Warentest - beinhaltet den Schutz gegen Wundstarrkrampf (Tetanus), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B. Es gibt sie allerdings auch in einer Fünffachversion, bei der Hepatitis B ausgelassen wird und einem Dreiklang aus Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten.

Hier die Fakten zu den einzelnen Erkrankungen und den Impfungen:

Wund­starr­krampf (Tetanus)

Übertragung: Durch Bakterien, die in Erde vorkommen. Die Erreger werden durch Verletzungen aufgenommen.

Vorkommen: Weltweit - starke Ausprägung in tropischen Ländern und Ländern mit schlechterer Gesundheitsversorgung.

Krankheitsbild: Schmerzhafte Krämpfe im Gesichtsbereich und an ganzen Muskelgruppen. Meist im Thorsobereich.

Mögliche Folgen: Brüche an der Wirbelsäule, Lungenentzündungen und Krämpfe, die zum Ersticken führen können. 10 - 20 Prozent der Erkrankten sterben trotz der Behandlung auf der Intensivstation.

Die Impfung:

Impfstoff: Totimpf­stoff - verändertes Gift des Bakteriums.

Immunität nach der Impfung: Mindestens 10 Jahre.

Stiftung Warentest rät:

Sehr sinnvolle Impfung für Kinder. Zuverlässigerschutz vor einer lebensbedrohlichen Krankheit.

Diph­therie

Übertragung: Durch Diphtherie-Bakterien - Mesit durch Tröpfcheninfektion, aber auch durch Schmierinfektion möglich.

Vorkommen: Weltweit - große Epedemie in den 1990ger Jahren in Europa.

Krankheitsbild: Atembeschwerden, Fieber, (Obere) Atemwegserkrankung.

Mögliche Folgen: Schwellungen können zum Tod durch Ersticken führen, Herzmuskelentzündung, Hirnnerven können gelähmt werden, Nierenschaden.

Die Impfung:

Impfstoff: Totimpf­stoff - abge­schwächtes Gift des Bakteriums.

Immunität nach der Impfung: Mindestens zehn Jahre.

Stiftung Warentest rät:

Sehr sinnvolle Impfung für Kinder. Bei einer hohen Impfquote (ca. 95%) ist der Schutz aller gegeben.

Keuchhusten (Pertussis)

Übertragung: Durch Pertussis-Bakterien, die als hochansteckend gelten. Meist durch Tröpfcheninfektion

Vorkommen: Weltweit - immer wieder Erkrankungswellen in Deutschland

Krankheitsbild: Grippeähnliche Symptome - danach Hustenanfälle

Mögliche Folgen vor allem bei Säuglingen: Lungenentzündung, Atemstillstand, Krampfanfall, Gehirnhautentzündung. Tödlicher Verlauf möglich!

Die Impfung:

Impfstoff: Totimpf­stoff - Aus Eiweißen des Bakteriums

Immunität nach der Impfung: Fünf bis zehn Jahre

Stiftung Warentest rät:

Sehr sinnvolle Impfung für Kinder. Die Impfung ist bewährt und verringert die Häufigkeit extrem.

Kinder­lähmung (Polio)

Übertragung: Durch Polio-Virus - Durch Tröpfcheninfektion, verunreinigtes Wasser oder durch Schmierinfektion

Vorkommen: Weltweit - Ansteckungen auch in „Poliofreien“ Ländern möglich, durch Einschleppung

Krankheitsbild: Fieber, Hals- uind Kopfschmerzen (Nur bei 5%)

Mögliche Folgen: Lähmungen der Extremitäten, aber auch der Atem- oder Schluckmuskeln möglich

Die Impfung:

Impfstoff: Totimpf­stoff - inaktive Viren

Immunität nach der Impfung: wahrscheinlich lebenslang

Stiftung Warentest rät:

Sehr sinnvolle Impfung für Kinder. Durch ausreichend hohe Impfquoten lässt sich Polio komplett ausrotten.

Hib (Haemophilus influenzae Typ b)

Übertragung: Durch Hib-Bakterien - meist durch Tröpfcheninfektion, aber auch über Gegenstände.

Vorkommen: Weltweit - seit der Impfung in Deutschland bedeutend weniger Fälle.

Krankheitsbild: Infektion im Nasen- und Rachen-Raum, von Fieber begleitet.

Mögliche Folgen: Hirnhautentzündung, Kehldeckelentzündung. Kann zum Ersticken führen. Bleibende Schäden kommen vor.

Die Impfung:

Impfstoff: Kanjugatimpfstoff - Teile der Bakterienhülle sind an Eiweißmoleküle gebunden.

Immunität nach der Impfung: Zehn Jahre.

Stiftung Warentest rät:

Sinnvolle Impfung für Kinder bis zum fünften Lebensjahr. Bewährte Impfung, die die Häufigkeit extrem verringert.

Hepatitis B

Übertragung: Durch Hepatitis B-Viren - Kommt in fast allen Körperflüssigkeiten vor.

Vorkommen: Weltweit - Eine der häufigsten Infektionskrankheiten.

Krankheitsbild: Häuffig mit grippeähnliche Symptome - selten: „Gelbsucht“ - Gelbehaut.

Mögliche Folgen: Leberentzündung (chronisch), Leberzirrhose, Leberkrebs.

Die Impfung:

Impfstoff: Totimpf­stoff - nachgebauter Bestand­teil der Virushülle.

Immunität nach der Impfung: mindestens zehn Jahre, wahrscheinlich länger.

Stiftung Warentest rät:

Sinnvolle Impfung für gesunde Kinder. Bewährte Impfung, die die Sterberate extrem verringert. Früher Impftermin wird empfohlen.

Die sechsfache Impfung hat allerdings auch Nebenwirkungen. In den ersten Tagen nach der Impfung können laut Stiftung Warentest Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle auftreten. Aber auch Beschwerden des Magen-Darm-Traktes und Fieber sind bekannte Nebenwirkungen.

In sehr seltenen Fällen bei weniger als einem vom 10.000 geimpften Patienten kann es zu einem Fieberkrampf kommen. Dieser bleibt zumeist folgenlos. Auch ein kurzzeitiger schockähnlicher Zustand kann in sehr seltenen Fällen vorkommen. Dieser bleibt im Normalfall ebenfalls ohne weitere Folgen.

Stiftung Warentest: Im Test war die Impfung für Kinder (Symbolbild).

Test von Stiftung Warentest: Hier stimmen sie mit dem RKI überein

Mit der sechsfachen Impfung ist schon ein Großteil der relevanten Impfungen für Kinder abgedeckt. Im Test von Stiftung Warentest wurden allerdings noch acht weitere Impfungen unter die Lupe genommen. Die Experten von Stiftung Warentest empfehlen die klassische dreifache Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln.

Bei einer Impfquote von 95 Prozent in der Bevölkerung wäre es möglich, die drei Krankheiten komplett auszurotten. Eine Impfung gegen Rotaviren befürworten die Experten der Stiftung Warentest ebenfalls. Hier empfehlen sie eine Impfung bereits in der sechsten Lebenswoche. Denn Säuglinge und Kleinkinder sind hiervon am stärksten betroffen.

Test von Stiftung Warentest: Impfung gegen Windpocken ratsam

Die Experten der Stiftung Warentest änderten in ihrem Test die Bewertung der Windpocken-Impfung. Da sich die Lage der Studien immens verbessert hat, stufen die Experten die Impfung gegen Windpocken als empfehlenswert ein.

Auch raten die Experten dazu, Kinder gegen Humane Papillom-Viren, kurz HPV, impfen zu lassen. Diese können zu Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten führen. Den Impfstoff gibt es erst seit dem Jahr 2006. Seit dem Jahr 2018 wird vom Robert-Koch-Institut auch eine Impfung von Jungen empfohlen. Die Experten von Stiftung Warentest konnten diese Empfehlung bestätigen. Sie raten zu dem Impfstoff Gardasil 9.

Von Stiftung Warentest weichen die Empfehlungen in zwei Fällen von den offiziellen Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes ab. Eine Impfung gegen Meningokokken sind laut diesem bei Kindern in Deutschland, nur gegen den C Erreger anzuraten. Die Experten von Stiftung Warentest raten allerdings dazu, sowohl gegen C, als auch gegen B zu impfen.

Wenn Kinder in bestimmte Länder reisen, beispielsweise in Länder im Subsahara-Afrika-Raum, wird hier auch eine Kombi-Impfung gegen die Typen A, C, W und Y empfohlen.

Offiziell wird eine Impfung gegen Grippe nur für Risikogruppen empfohlen. Die Experten von Stiftung Warentest halten die Strategie, vor allem ältere Menschen zu impfen, für wenig sinnvoll.

Sie empfehlen eine Impfung von Kindern, denn diese hätten eine viel stärkere Immunantwort auf Impfungen. Zudem könnte die Verbreitung so effektiv eingegrenzt werden, da gerade jüngere Menschen eine Vielzahl an Sozialkontakten hätten.

Test von Stiftung Warentest: Auch Lebensmittel im Test

In Kassel wurde eine Impfung einem Test* unterzogen. Die Spritze sollte gegen Migräne helfen.

Die Stiftung Warentest untersuchte in letzter Zeit auch häufig Lebensmittel auf mögliche Gesundheitsgefahren. So auch verschiedene Hafermilch-Produkte. Das Ergebnis überrascht sogar die Experten. (Lucas Maier) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa

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