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Hunderttausende Schock-Kündigungen bei Strom und Gas: So können Sie sich wehren

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Von: Jan Trieselmann

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Eine Hand packt an ein technisches Gerät, an dem viele Zahlen zu sehen sind.
Um den Jahreswechsel kündigten mehrere Strom- und Gasanbieter ihren Kunden die Verträge. Doch die können dagegen vorgehen. Ein wichtiger Schritt ist, ihre Verträge und Zähler genau zu dokumentieren. © Peter Steffen/dpa

Um den Jahreswechsel kündigten mehrere Strom- und Gasversorger ihren Kunden. Die mussten zu deutlich teureren Anbietern wechseln – können aber dagegen vorgehen.

Kassel ‒ Mehrere hunderttausend Kunden erlebten um den Jahreswechsel herum eine böse Überraschung: eine plötzliche Kündigung ihres Strom- und Gasversorgers. Betroffen waren Menschen, die Strom und Gas von Stromio, gas.de und Grünwelt beziehen. Besonders bitter: Die Gaspreise explodieren zurzeit ohnehin und verursachen hohe Kosten. Neben dem Strom steigen noch dazu auch die Preise für Heizung und Benzin.

Die Folgen für die Verbraucher waren gravierend: Sie mussten in vielen Fällen auf Neukunden-Tarife des Grundversorgers ausweichen – also das Unternehmen, das in den jeweiligen Gebieten die meisten Haushalte ausstattet. Die sind in der Regel jedoch deutlich teurer als die Tarife, die die Betroffenen vorher hatten. Doch sie können sich dagegen wehren.

Nach Schock-Kündigung bei Strom und Gas: Wiederbelieferung oder Schadensersatz?

„Das Verhalten der Unternehmen ist rechtlich unzulässig und unseriös“, sagt auch Holger Schneidewindt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen laut Informationen der ARD. Schneidewindt nennt mehrere Wege für Betroffene, gegen Stromio, gas.de und Grünwelt vorzugehen.

NameStromio
SitzKaarst (Nordrhein-Westfalen)
Gründung2009

Schneidewindt zufolge könnten sie zum einen darauf zu pochen, wieder von ihnen beliefert zu werden. Zum anderen können sie sich einen anderen Strom- und Gasversorger suchen und versuchen, selbst Schadensersatz von Stromio, gas.de und Grünwelt zu erhalten. Zwischen beiden Vorgehen nach der Strom- und Gas-Kündigung spricht er allerdings eine klare Empfehlung aus.

Kündigung bei Strom und Gas: Verbraucherzentrale klagt gegen Energie-Discounter

Denn eine Wiederbelieferung „kann ein Schrecken ohne Ende sein. Wir empfehlen eher ein Ende mit Schrecken“, zitiert die ARD Schneidewindt. Zwar gebe es von der Verbraucherzentrale Musterschreiben für beide Vorgehen. Besser sei aber, zu einem anderen Versorger zu gehen und Schadensersatz einzufordern.

Dafür spricht auch ein weiterer Fakt: Die Verbraucherzentrale Hessen will gegen den Energie-Discounter Stromio klagen. Man halte die Kündigungen für rechtswidrig und bereite eine Musterfeststellungsklage gegen das Unternehmen vor, teilte sie der Deutschen Presse-Agentur zufolge mit. Die soll Menschen aus ganz deutschland zugänglich sein.

Schadensersatz nach Strom- und Gas-Kündigung: Zählerstände genau dokumentieren

Je nach den Vertragslaufzeiten rechnet die Verbraucherzentrale mit Schadenssummen von mehreren hundert Euro pro Vertrag. Um ihre Ansprüche zu untermauern, sollten Kunden dabei ihre Verträge und Zählerstände genau dokumentieren.

Wenn die Verbraucherzentrale die Klage eingereicht hat, soll es beim Bundesamt für Justiz ein Klageregister geben, in das sich Betroffene kostenlos eintragen dürfen. Aktuelle Informationen über die Klage gibt die Verbraucherzentrale Hessen auf ihrer Webseite. So können sich Betroffene für den Moment kompakt selbst helfen:

Gegenüber der ARD begründet eine Anwaltskanzlei die Kündigungen von Stromio und gas.de in deren Namen mit der „historisch einmaligen Preisexplosionen am Energiemarkt“ – und wehrt sich gegen den Vorwurf, man habe die verbliebene Energie an den Großhandel verkauft, um mehr Geld einzunehmen.

Eine gute Nachricht gibt es aber auch für nicht von den Kündigungen Betroffenen: Auch bei hohen Preisen, Neuverträgen und Lieferstopps bei Strom und Gas können Kunden etwas tun. (Jan Trieselmann mit dpa)

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