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Rentesystem

Rente wird 2022 in Deutschland erhöht: Wer davon profitiert

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Die Rentenauszahlungen könnten schon bald steigen. Grund dafür ist die Aussetzung des sogenannten Nachholfaktors. Einige Expert:innen sehen die Situation kritisch.

Frankfurt – Viele Rentner:innen können sich in den kommenden Jahren möglicherweise über mehr Geld von der Rentenkasse freuen. Grund dafür ist eine Änderung der Rentenformel ab Juli 2022. Voraussetzung ist jedoch eine positive Entwicklung der Wirtschaft in diesem Jahr. Rentner:innen sollen dann bis zu 5,6 Prozent mehr Rente* erhalten.

Für Rentner:innen aus Westdeutschland sollen die Rentenbezüge ab dem 1. Juli 2022 um 4,8 Prozent und für Rentner:innen aus Ostdeutschland um 5,6 Prozent steigen. Auch im darauffolgenden Jahr 2023 soll es eine Rentenerhöhung in den alten Bundesländern um 3,15 Prozent und in den neuen Bundesländern um 3,88 Prozent geben, wie das Nachrichtenportal inFranken.de berichtet.

Erhöhung der Rente hängt von wirtschaftlichen Faktoren ab

Dabei bezieht sich das Nachrichtenportal allerdings auf einen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung von 2020. Es handelt sich also um keine neue Publikation, was auch eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums und der Deutschen Rentenversicherung gegenüber dem Tagesspiegel bestätigte.

2022 werden in Deutschland die Renten erhöht. (Symbolfoto)

Eine etwaige Rentenerhöhung in dem beschriebenen Maße für 2022 konnte das Bundesarbeitsministerium gegenüber dem Tagesspiegel nicht bejahen. Die beschriebene Rentenerhöhung ist somit unter Vorbehalten zu sehen. „Ob die Renten höher ausfallen, ist von einer Menge Faktoren abhängig, die wir in diesen Zeiten noch nicht absehen können“, sagte eine Sprecherin gegenüber dem Tagesspiegel. Zu diesen Faktoren zähle die Entwicklung der Wirtschaft in diesem Jahr sowie die Lohnentwicklung. Aussagekräftige Zahlen zur Rentenerhöhung könnten erst im März 2022 genannt werden, wird die Sprecherin vom Tagesspiegel zitiert.

Die im Sommer übliche Rentenerhöhung soll im Westen Deutschlands komplett ausfallen und im Osten in diesem Jahr nur um 0,72 Prozent ansteigen. Eine Mitteilung über die jährliche Rentenanpassung wird es laut der Deutschen Rentenversicherung daher auch nur für Rentner mit Arbeitszeiten in den neuen Bundesländern geben. 

Erhöhung der Rente durch Aussetzung des „Nachholfaktors“

Nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik für die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sollen die Rentenzahlungen jedoch künftig jährlich um drei bis vier Milliarden Euro höher ausfallen. Hintergrund ist der sogenannte „Nachholfaktor“ in der Rente, so die FAS. Eingeführt wurde dieser Nachholfaktor im Jahr 2007 im Zuge der damaligen Finanzkrise. Es sollte verhindert werden, dass Renten steigen, wenn Lohnerhöhungen frühere Lohnrückgänge kompensieren mussten. Dies ist heute nicht mehr so: Im Zuge der Änderung der Rentenformel durch das Rentenreformpaket wurde der Nachholfaktor 2018 ausgesetzt.

Rentner:innen könnten sich schon im kommenden Jahr über mehr Rentengeld freuen – Je nach wirtschaftlicher Entwicklung und Entscheidungen der neuen Regierung nach der Bundestagswahl. (Symbolbild/Archivbild)

Das bloße Auf und Ab der Wirtschaft führe dazu, dass sich die Rente erhöhe, ohne dass die Löhne höher ausfallen, so die FAS. Im vergangenen Jahr sind die Löhne in Deutschland wegen der Corona*-Pandemie laut Rentenversicherung um 2,3 Prozent gesunken, die Rente jedoch nicht. Wenn sich die Löhne nach der Krise wieder auf dem alten Level einpendeln, gilt das für die Rente als Lohnerhöhung, und die Renten steigen mit. Wegen des ausgesetzten Nachholfaktors soll sich die Erhöhung der Rente bis 2050 sogar auf 100 Milliarden Euro summieren, so der Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan vom Max-Planck-Institut gegenüber der FAS.

Erhöhung der Rente auch nach Bundestagswahl?

Einige Expert:innen betrachten diesen Mechanismus, der für steigende Renten sorgt, äußerst kritisch. Der rentenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, fordert die Bundesregierung dazu auf, den Nachholfaktor wieder einzuführen, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet: „Ich freue mich über jeden Cent, den Rentnerinnen und Rentner mehr in der Tasche haben. Gleichzeitig ist es eine Frage der Fairness, dass sich Löhne und Renten langfristig im Gleichschritt bewegen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel* hatte eine Änderung der Rentenformel im vergangenen Jahr abgelehnt, als Rentenexpert:innen den entstandenen Mechanismus durch den ausgesetzten Nachholfaktor kritisierten. Sollte mit der zukünftigen neuen Regierung nach der Bundestagswahl 2021* entschieden werden, den Nachholfaktor wieder einzuführen, könnte sich die Situation der steigenden Renten wieder ändern und 2022 doch keine Rentenerhöhung stattfinden*. (Anna Charlotte Groos) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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