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Super-Score

Schufa will Kontoauszüge von o2-Kunden einsehen - Datenschützer sind entsetzt

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Die Schufa plant einen neuen „Super-Score“. Dazu will das Unternehmen Einsicht in Kontoauszüge bekommen. Ein Partner ist ein auch o2.

  • Um einen besseren Score bei der Schufa zu bekommen, können Verbraucher:innen eine Einwilligung abgeben.
  • Dann werden allerdings ihre Kontoauszüge durchleuchtet.
  • Im Boot sitzt auch der Anbieter „Telefonica/o2“.

Wiesbaden - Bereits jetzt kommen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht um einen Score bei der Schufa herum. Probleme drohen, wenn Menschen einen schlechten Eintrag haben. Dann kann es schwierig werden, einen Mietvertrag, ein Handy oder ein Auto zu bekommen. An dieser Praxis gab es immer wieder Kritik. So legt die Schufa die hauseigene Berechnung des Wertes nicht offen. Für Außenstehende ist das nicht transparent.

Zwar können Verbraucher:innen die Score-Übermittlung bei der Schufa untersagen, wie die Verbraucherzentrale Hamburg berichtete. Allerdings drohen mitunter Konsequenzen. Denn es ist nicht klar, ob das negative Auswirkungen auf eine Kreditvergabe hat. Laut einer gemeinsamen Recherche von „NDR, WDR und SZ“ plant das Unternehmen nun auch, Kontoauszüge zu durchleuchten. Wie kam es dazu?

Die Schufa möchte mit einem neuen Score Einblicke in Kontoauszüge von Verbraucher:innen bekommen. Auch o2 ist dabei (Symbolbild).

Schufa kooperiert mit o2 und will Einsicht in Kontoauszüge nehmen - neuer Score möglich

Um das nachzuvollziehen, müssen wir ein Jahr in der Zeit zurückreisen. Damals gingen die ersten Tests an den Start.. Es wurde untersucht, wie man das in der Praxis umsetzen könnte. Jetzt im November 2020, wir schreiben bekanntlich das Corona-Jahr, hat die Schufa einen Partner ans Land gezogen - den Telefonanbieter „Telefonica/o2“. Der neue Service „CheckNow“ soll sich an Menschen richten, die einen schlechten Score haben.

Verbraucher:innen müssen zustimmen, dass die Schufa Einblick in ihre Kontoauszüge nehmen darf. Daraus basierend ermittelt die Auskunftskartei eine neue Bewertung. Dadurch könnten Menschen doch einen Vertrag bekommen. Auf Anfrage von „NDR, WDR und SZ“ gab die Schufa an, dass nur relevante Daten gesichtet und auch nur kurz gespeichert würden. „Die Testumgebung ist derzeit so gestaltet, dass selbst bei einer Zustimmung des Nutzers keine Daten gespeichert werden“, hieß es von dem Unternehmen.

Schufa möchte sensible Daten aus Kontoauszügen auswerten

Doch „NDR, WDR und SZ“ liegen interne Dokumente wie Mails und Präsentationen vor. Diese sollen belegen, dass auch sensible Daten aus Kontoauszügen systematisch ausgewertet und weiterverarbeitet werden könnten. Möglich gemacht hat das übrigens eine EU-Richtlinie. Demnach dürfen „Kontoinformationsdienste“ Einblicke in die Konten der Kunden bekommen. Deshalb hatte die Schufa den FInanzdienstleister Finapi GmbH gekauft. Finapi hat „den gesicherten Zugang zu derzeit 58 Millionen Endkunden-Konten“, wie die Schufa mitteilte.

Laut „NDR, WDR und SZ“ gab ein Finapi-Mitarbeiter an, dass man Kontoauszüge in 65 Kategorien unterteilen könnte. Ein Blick darauf zeigt, welche Auswertungen für die Schufa dann möglich wäre.

  • Gehalt
  • Staatliche Leistungen
  • Unterhaltszahlungen
  • Ausgaben für Garten
  • „Risikofaktoren“ wie Glücksspiel oder Zahlungen an Inkassoinstitute

Datenschützer ist wegen „Superscore“ der Schufa entsetzt

Ein Datenschützer ist wegen des neuen „Superscores“ der Schufa entsetzt. „Ich mache mich da wirklich nackig, wenn ich diesen Einwilligungsbutton bestätige“, sagte Peter Schaar, früherer Bundesdatenschutzbeauftragter. Die Einbeziehung „sehr vieler, auch höchstpersönlicher Informationen“ führe zu einem neuen „Blick auf die Bonität“, woraus sich Nachteile für Betroffene ergeben könnten. Außerdem sei die Schufa dadurch in der Lage, an Daten Dritter zu gelangen, die ebenfalls in den Kontoauszügen auftauchen.

Was sagt die Schufa dazu? „Datenschutzhürden“ könne man überwinden - man müsse Kunden nur ihre Ängste nehmen. „Ihr Verbraucher wird sich da durchklicken, weil die Leute faul und bequem sind. Die haben keinen Bock auf sowas, und die wollen einfach den Service haben. Und sie klicken das durch“, sagte eine Schufa-Betriebsleiterin.

Unternehmen:Schufa
Hauptstandort:Wiesbaden
Gründung:1927, Berlin
Sitz:Wiesbaden: Deutschland
Tochtergesellschaften:finAPI GmbH, Creditinfo SCHUFA GmbH
Schlüsselpersonen:Michael Freytag, Michael Breuer
Unternehmensform:Aktiengesellschaft

o2 kooperiert mit Schufa: Teilnahme ist freiwillig - Datenschutzaufsicht prüft „Superscore“

Vom Vertragspartner o2 heißt es: „Wir testen aktuell lediglich in einem Pilotprojekt mit einer geringen Zahl von weniger als 100 Nutzern die Nachfrage und Akzeptanz des CheckNow-Verfahrens der Schufa bei einigen unserer Kunden. Die Teilnahme ist freiwillig und setzt die aktive Einwilligung des Nutzers voraus.“

Verbraucher:inen sollten also genau überlegen, ob sie ab sofort das Häkchen bei o2 setzen. Falls das geschieht, darf die Schufa die Kontoauszüge für 12 Monate „zum Zwecke ihrer Aufgaben als Auskunftei und Informationsdienstleister zu verarbeiten“. Aktuell wird die Leistung vom zuständigen Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht geprüft, da finapi ihren Sitz in München hat. Es ist nämlich noch nicht klar, ob die Schufa tatsächlich Kontoauszüge von o2-Kunden auswerten darf. (Moritz Serif)

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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