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Erfolgreiche Krebs-Impfung: Forschende feiern einen Meilenstein (Symbolbild).
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Erfolgreiche Krebs-Impfung: Forschende feiern einen Meilenstein (Symbolbild).

Wissenschaft

Krebs-Impfung: Forschende feiern Meilenstein – Schutzimpfung mit „vielversprechenden“ Ergebnissen

  • Jan-Frederik Wendt
    VonJan-Frederik Wendt
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Zahlreiche Betroffene können eine genetische Veranlagung für Darmkrebs haben. Forschende testen jetzt eine Krebs-Impfung - und haben Erfolg.

Kassel – Ob Übergewicht, Alkohol oder Rauchen: Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko von Darmkrebs. Ein Teil aller Darmkrebs-Patientinnen und -Patienten hat allerdings eine genetische Veranlagung für die Erkrankung. Nun haben Forschende vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und vom Universitätsklinikum Heidelberg eine Impfung gegen erblichen Darmkrebs erfolgreich an Mäusen getestet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten die Krebs-Entstehung hinauszögern.

Laut der Studie überlebten die Mäuse mit einer erblichen Veranlagung für Darmkrebs nach Impfung signifikant länger als ihre ungeimpften Artgenossen. Eine Kombination der Impfung mit einem entzündungshemmenden Medikament steigerte den Schutzeffekt sogar noch.

Krebs-Impfung: Die Entstehung von MSI-Tumoren kann erblich veranlagt sein

Bei den sogenannten mikrosatelliten-instabilen Krebsarten fällt ein wichtiges zelluläres Reparatursystem aus, das normalerweise kleine Fehler im Erbgut korrigiert. Wenn solche DNA-Defekte unkorrigiert bleiben, kann die gesamte Bauanleitung des Proteins aus dem Takt geraten. Die Folge: Zellen bilden neuartige Eiweißstrukturen - sogenannte Neoantigene. Diese werden vom Immunsystem häufig als fremd erkannt. Das berichtet aerzteblatt.de.

Die MSI-Tumore können spontan und als Folge einer erblichen Veranlagung - dem Lynch-Syndrom - entstehen. Rund ein Viertel der MSI-Darmtumore werden durch das Lynch-Syndrom verursacht. Etwa die Hälfte der betroffenen Personen erkrankt dann an Krebs.

Das Forschungsteam von Magnus von Knebel Doeberitz konnte in langjährigen Vorarbeiten zeigen, dass bei Patientinnen und Patienten mit Lynch-Syndrom identische Mutationen und damit auch identische Neoantigene im Tumor auftreten.

Schützt die Krebs-Impfung vor Tumoren? Sichere Ergebnisse erst in einigen Jahren erwartet

„Wir wollten daher prüfen, ob solche häufig vorkommenden Neoantigene in der Lage sind, als Schutzimpfung das Immunsystem gegen die Tumorzellen zu aktivieren und so zu verhindern, dass Krebs entsteht“, erläutert Matthias Kloor. Der Wissenschaftler hat die Forschung zur präventiven Impfung beim Lynch-Syndorm geleitet.

Ob die Krebs-Impfung tatsächlich bösartige Tumore verhindern und damit das Überleben der Patientinnen und Patienten verlängern kann, könne erst in einigen Jahren sicher beurteilt werden.

Video: Die Darmkrebs-Vorsorge nimmt wegen Corona dramatisch ab

Trotzdem: Das Forschungsteam um von Knebel, Doeberitz und Kloor konnte schon jetzt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Krebs-Bekämpfung erreichen. Mit ihren veröffentlichten Arbeiten zeigen die Forschenden erstmals an einem Tiermodell, dass eine Impfung mit MSI-typischen Neoantigenen tatsächlich vor Krebs schützen kann.

Krebs-Impfung: Mäuse entwickelten ab einem Alter von 6 Monaten Tumore im Darm

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dafür einen Mausstamm, der in Folge eines Defekts der DNA-Reparaturenzyme Darmkrebs entwickelt - vergleichbar mit Menschen, die am Lynch-Syndrom leiden. Die „Lynch“-Mäuse entwickelten ab einem Alter von 6 Monaten Tumore im Darm. Wenige Wochen oder Monate später starben sie an der Erkrankung.

Das Heidelberger Forschungsteam identifizierte bei den Mäusen verschiedene Proteinstrukturen, die als Folge der DNA-Defekte auftreten - in Zusammenarbeit mit Steven Lipkin vom Weill Cornell Medical College in New York sowie Kolleginnen und Kollegen aus weiteren US-amerikanischen Forschungseinrichtungen.

Ein Algorithmus sagte voraus, welche dieser Neoantigene eine starke Immunantwort der Tiere auslösen können. Schließlich wählten die Forschenden vier Impfpeptide für die Versuche aus. Dabei handelt es sich um einen Impfstoff, dessen Antigene Peptide sind.

Naproxen steigert präventiven Effekt der Krebs-Impfung

Das Studienergebnis lautet: Im Durchschnitt überlebten die geimpften Mäuse 351 Tage - die ungeimpften Tiere hingegen nur 263 Tage. Auch die Tumormasse fiel bei den geimpften Tieren deutlich geringer aus. Das Medikament Naproxen steigerte den präventive Effekt der Krebs-Impfung weiter.

Naproxen ist ein Entzündungshemmer und Schmerzmittel. Es zählt zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Wirkstoffe aus dieser Gruppe werden bei Erkrankten mit Lynch-Syndrom bereits in einigen Ländern zur Chemoprävention von Darmkrebs empfohlen.

„Auch in ungeimpften Lynch-Mäusen haben wir gesehen, dass das Immunsystem gegen die vier Neoantigene aktiv ist“, sagt Magnus von Knebel Doeberitz. „Unsere Schutzimpfung verstärkt also eine ohnehin vorhandene natürliche Immunreaktion gegen die Krebszellen“, so der Wissenschaftler.

Forschende bewerten getestete Krebs-Impfung als „vielversprechend“

„Wir konnten zum ersten Mal in einem lebenden Organismus nachweisen, dass eine Impfung mit Neoantigenen vor Krebs schützt“, sagt Matthias Kloor und erklärt weiter: „Besonders vielversprechend ist, dass sich Immunschutz und Prävention mit einem Entzündungshemmer offenbar in ihrer Wirkung ergänzen“.

Laut dem Forscher zeigen die Studienergebnisse, „dass die Impfung gegen erbliche Krebserkrankungen ein erfolgsversprechendes Konzept ist, das wir nun weiter in die klinische Anwendung übertragen wollen“. (Jan Wendt)

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