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Ist Lachs aus dem Labor der Fisch der Zukunft?

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Von: Sophia Lother

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Im Labor hergestellter Lachs könnte die Ernährung revolutionieren. Und auch für die Umwelt kann er eine tragende Rolle spielen.

Kalifornien – Maki und Nigiri-Häppchen liegen auf einem Teller. Leuchtend orange-roter Lachs garniert die verschiedenen Sushi-Spezialitäten. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Lachs ist zuvor weder im Ozean noch im Wasser einer Lachsfarm geschwommen, ganz im Gegenteil, seine Kiemen sind noch kein einziges Mal mit Wasser in Berührung gekommen. Der Grund: Er kommt aus dem Labor.

Ein Start-up aus Kalifornien plant, die Ernährungswelt zu verändern und Lachs aus dem Labor in Sushi-Qualität herzustellen und rührt kräftig die Werbetrommel. Eine sinkende Nachfrage von Lachs aus der freien Wildbahn oder aus Aquakulturen könnte nicht nur der Tierwelt, sondern auch der Umwelt nutzen. Doch wie wird der künstliche Fisch hergestellt und warum schadet herkömmlicher Lachs der Natur?

Lachs aus dem Labor als Ernährung der Zukunft? Start-up will Lachs in Sushi-Qualität herstellen

Das Start-up Wildtype will eine Alternative zu Lachs aus dem Ozean oder aus Aquakulturen bieten. Hierfür nutzen sie lebende Zellen eines Lachstyps der sowohl im Pazifik als auch in küstennahen Flüssen zu finden ist. Die Zellen dieses Fischs, der auch Silber- oder Coho-Lachs genannt wird, werden anschließend im Labor mithilfe eines Nährmediums kultiviert. Ähnlich ist auch das Vorgehen bei In-Vitro-Fleisch.

  1. So entsteht der Labor-Lachs des Start-up:
  2. Entnahme der Zellen
  3. Wachstum in Nährlösung in Kultivator
  4. Formgebung und Fertigstellung in „Gerüsten“ auf pflanzlicher Basis

Die Zellen wachsen in Kultivatoren heran, die den Stahltanks sehr ähnlich sind, die zum Bierbrauen genutzt werden, erklären die Entwickler auf ihrer Webseite. Im Anschluss muss diesen Zellen noch eine Struktur verliehen werden. Dafür werden die Zellen in Formen oder Gerüste „gesät“. Diese sind auf pflanzlicher Basis und ermöglichen es, dass die Zellen auf eine fischähnliche Form anwachsen. Doch nicht nur die Form, sondern auch die Textur wird mithilfe der Gerüste imitiert. Zwischen vier und sechs Wochen dauert dieser Wachstumsprozess.

Auch andere Meerestiere werden inzwischen im Labor hergestellt. In Singapur ist das Unternehmen Shiok Meats damit beschäftigt, Garnelen, Krabben und Hummer künstlich herzustellen. Auch deren Zellen wachsen in Kultivatoren heran.

Fisch und Fleisch aus dem Labor: Ist das die Ernährung der Zukunft?

Im Labor hergestellter Fisch und andere Meerestiere können nicht nur den Bestand der Tiere verbessern, der von Jahr zu Jahr stärker durch Überfischung bedroht ist. Auch an der Umwelt gehen die Aquakulturen nicht spurlos vorbei.

Laut Daten des WWF kommt ein Großteil des Lachses, der die Supermarktregale füllt, nicht mehr aus freier Wildbahn. Circa 90 Prozent würde stattdessen aus Aquakulturen kommen. Als Grund dafür nennt die Umweltschutzorganisation Überfischung und die Verschmutzung der Meere. Doch was ist so schädlich an der Lachszucht?

Ist Lachs schädlich? Das Problem der Aquakulturen für Gesundheit und Umwelt

Die Lachse werden laut der Organisation in der beengten Massentierhaltung häufig krank oder von Läusen befallen. Ständige Medikamentengabe kann in der Konsequenz dazu führen, dass diese immer resistenter werden. Diese sind dann wiederum eine Gefahr für die Fische in freier Wildbahn. Ein weiteres Problem: Entkommen Lachse aus der Gefangenschaft, kann das die natürlichen Fischbestände massiv gefährden.

Die Umwelt leidet auch unter der Ernährung der Fische. Laut quarks.de werden neben anderen Fischen auch massenhaft Sojabohnen an die Lachse verfüttert. Pflanzliche Futtermittel machen circa 80 Prozent aus. Circa 500 Gramm Sojabohnen sind für die Produktion von einem Kilogramm Lachs nötig. Die Futtermittelproduktion verschlingt Ressourcen. Ein Großteil dieser Bohnen kommt laut dem Magazin aus Südamerika, wo der Regenwald zugunsten der Futtermittel gerodet werde.

Ist Lachs aus dem Labor der Fisch der Zukunft? Ein Start-up aus den USA geht in die nächste Entwicklungsrunde. (Symbolfoto)
Ist Lachs aus dem Labor der Fisch der Zukunft? Ein Start-up aus den USA geht in die nächste Entwicklungsrunde. (Symbolfoto) © Ramon Lopez/Imago

Umweltschützer kritisieren außerdem immer wieder massiv den Einsatz spezieller Mittel bei der Lachszüchtung. Um die rötliche Färbung zu gewährleisten, werde auf Lachsfarmen des Öfteren das chemisch hergestellte „Karotinoid Astaxanthin“ genutzt, wodurch der Natur rund um die Aquakultur enorm geschadet werde. Laut Greenpeace sei auch der Einsatz des Antioxidanten Ethoxyquin im Lachsfutter gefährlich. Es soll die Haltbarkeit verbessern, steht aber unter Verdacht, krebserregend zu sein.

Ernährung: Künstlicher Lachs aus dem Labor – Wie geht es weiter?

Noch sind die Produkte von Firmen wie Shiok Meats oder Wildtype nicht in den hiesigen Supermarktregalen angekommen. Doch letztere hat im Februar 2022 einen weiteren Erfolg feiern dürfen. Sie sammelten Investitionen von 100 Millionen Dollar. Unter den Investoren waren bekannte Gesichter wie Leonardo DiCaprio und Jeff Bezos.

Gegenüber CNN erklärt Justin Kolbeck, Mitgründer der Firma, dass die derzeitigen Produktionskapazitäten noch „bescheiden“ seien. Er schätzte, dass es noch circa ein Jahrzehnt dauern könnte, bis die Firma im industriellen Maßstab produzieren könne und unterstreicht, dass gegen Überfischung noch weitaus weitreichendere Maßnahmen ergriffen werden müssten. (Sophia Lother)

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