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Impfkampagne

Ein Jahr Corona-Impfung: So häufig treten schwere Nebenwirkungen auf

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Seit einem Jahr impft Deutschland gegen das Coronavirus. Seitdem sorgen vereinzelte Berichte über schwere Nebenwirkungen der Impfung für Aufsehen. Zeit für eine Bilanz.

Frankfurt – Die Corona*-Impfkampagne hat nicht nur für Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus gesorgt. Ob Herzmuskelschwäche, Thrombosen oder allergische Reaktionen – Berichte über mögliche Nebenwirkungen haben die Bevölkerung zeitweise stark verunsichert.

Die Impfkampagne startete in Deutschland offiziell vor einem Jahr, am 27. Dezember 2020. Seitdem haben laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) 61,4 Millionen Menschen (73,8 % der Bevölkerung) in Deutschland mindestens eine Impfdosis erhalten. Weltweit wurden inzwischen fast 9 Milliarden Corona-Impfungen durchgeführt. Da die Impfstoffe* durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weiterhin aktiv überwacht werden und inzwischen eine große Datenlage vorliegt, können immer mehr Erkenntnisse zur Langzeitsicherheit, insbesondere sehr seltenen Nebenwirkungen, gewonnen werden. Was ist also dran am Schreckgespenst der schwerwiegenden Nebenwirkungen?

Corona-Impfung: Unterscheidung zwischen Nebenwirkung und Impfreaktion

Zuerst einmal muss klar zwischen Impfreaktionen und Nebenwirkungen unterschieden werden. „Impfreaktionen treten direkt im Anschluss an eine Impfung auf und dauern meist nur einen Tag. Sie sind Zeichen einer Immunreaktion des Körpers und deshalb unbedenklich“, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei den Beschwerden, die zu den häufigen Symptomen nach einer Impfung zählen, wie Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen sowie Schüttelfrost und Fieber, handelt es sich also um Impfreaktionen – und nicht um Nebenwirkungen.

Eine ausbleibende Impfreaktion heiße allerdings im Umkehrschluss nicht, dass die Corona-Schutzimpfung weniger wirksam sei. „Studien zeigen: Auch bei Menschen, die keine Beschwerden nach der Corona-Schutzimpfung haben, liegt die Wirksamkeit der Impfstoffe bei bis zu 95 Prozent. Das heißt: Auch Geimpfte, die keine spürbaren Impfreaktionen haben, haben einen guten Schutz vor dem Coronavirus aufgebaut“, so die BZgA.

Corona-Impfung: Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten

Wer jedoch in einem Zeitraum von vier bis 16 Tagen nach der Corona-Impfung schwerwiegende Nebenwirkungen feststelle, solle ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, so das BZgA. Als „schwerwiegend“ definiert das Arzneimittelgesetz Nebenwirkungen, die tödlich oder lebensbedrohend sind, zu bleibenden Schäden führen oder eine stationäre Behandlung erfordern. Der jüngste PEI-Sicherheitsbericht listet hier Allergien (Anaphylaktische Reaktionen), Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und Herzbeutelentzündung (Perikarditis), die Nervenentzündung Guillain-Barré-Syndrom sowie Blutgerinnsel (Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom, TTS) auf. Diese Nebenwirkungen sind jedoch sehr selten.

Das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung infolge einer Impfung gegen das Coronavirus liegt laut dem Bundesministerium für Gesundheit gerade einmal bei 0,02 %. Schwere Nebenwirkungen treffen also durchschnittlich nur eine von 5.000 Personen. Diese Zahl hat auch das PEI in seinem jüngsten Sicherheitsbericht vom 23. Dezember veröffentlicht. Dabei bezieht sich das Institut auf über 123 Millionen Impfungen, die bundesweit bis Ende November durchgeführt wurden. Insgesamt wurden 196.974 Einzelfallberichte zu Verdachtsfällen von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen nach der Corona-Impfung in Deutschland gemeldet.

Herzmuskelentzündungen als Nebenwirkung der Corona-Impfung

Herzmuskelentzündungen zählen zwar zu den bekannten Impf-Nebenwirkungen der mRNA-Impfstoffe, sind aber sehr selten. Erste Beschwerden treten typischerweise innerhalb von wenigen Tagen nach der Impfung auf, heißt es vom PEI. In seinem jüngsten Sicherheitsbericht schreibt das Institut: „Die Daten aus vielen Ländern einschließlich Deutschland haben ein erhöhtes Risiko insbesondere bei jungen Männern nach der zweiten Dosis gezeigt, wohingegen eine dänische Studie ein leicht erhöhtes Risiko bei jüngeren Frauen gefunden hat.“

Vor einem Jahr startete in Deutschland die Impfkampagne gegen das Coronavirus. (Symbolbild)

Im Einzelfall sollen zwar schwerwiegende Fälle beobachtet worden sein, der Großteil der betroffenen Patienten habe jedoch gut auf die Behandlung angesprochen und sich schnell besser gefühlt. „Wer sich nicht gegen Covid-19 impfen lässt, geht ein weit höheres Risiko durch die Gefahren eines schweren Covid-19-Krankheitsverlaufs ein“, urteilte Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Bei jüngeren Menschen ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung* nach einer Impfung mit dem Vakzin Moderna* zwar sehr selten, jedoch möglicherweise höher als nach einer Impfung mit dem Mittel von Biontech/Pfizer*, schreibt das PEI. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher vorsorglich Biontech für Personen unter 30 Jahren.

Allergische Reaktionen als Nebenwirkung der Corona-Impfung

Die Melderate für allergische Reaktionen beträgt laut PEI in Deutschland (Stand 30.11.2021) weniger als einen Fall pro 100.000 Impfungen und ist damit sehr selten. Bei Frauen ist das Risiko etwas höher als bei Männern. Zudem tritt die Nebenwirkung eher nach der Erstimpfung als nach Folgeimpfungen auf.

Thrombosen als Nebenwirkung der Corona-Impfung

Im Frühjahr 2021 sorgten vor allem Berichte über sehr seltene Thrombosen als mögliche Nebenwirkung der Corona-Impfung für Aufruhr. Beim sogenannten Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) liegt eine verminderte Anzahl von Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut vor, wodurch das Blutungsrisiko steigt. Die Thrombosen treten dabei oftmals an ungewöhnlichen Stellen auf, wie zum Beispiel in zerebralen Hirnvenen.

Das PEI bezeichnet das TTS als eine sehr seltene, und in einigen wenigen Fällen tödliche Nebenwirkung. Die Meldungen betrafen überwiegend die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca* und Johnson & Johnson*. Laut Sicherheitsbericht wurden 43 Todesfälle durch TTS mit den Impfungen in Verbindung gebracht. 29 davon erfüllen laut PEI die speziellen Kriterien für eine TTS.

Das Guillain-Barré-Syndrom als Nebenwirkung der Corona-Impfung

Personen, die mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, können in sehr seltenen Fällen das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) entwickeln. Dabei handelt es sich um eine akute Entzündung des peripheren Nervensystems und der Nervenwurzeln.

Die Melderate eines GBS nach der Impfung mit einem Vektorimpfstoff ist laut PEI jedoch sehr niedrig. Auf 100.000 Dosen kam laut Bericht weniger als eine Meldung.

Corona-Impfung und Sterberate – Kein „Risikosignal“ für Impfstoffe

Insgesamt wurden laut dem Paul-Ehrlich-Institut 1919 Todesfälle nach einer Corona-Impfung in Deutschland gemeldet. Ein Vergleich mit den statistisch zufällig zu erwartenden Todesfällen im gleichen Zeitraum (ein Tag bis sechs Wochen nach der Impfung) ergab für keinen der in Deutschland eingesetzten Impfstoffe ein Risikosignal. „Dies gilt für die Booster-Impfung und für plötzliche, unerwartete Todesfälle“, so das PEI.

Auch Todesfälle mit unbekanntem oder sehr langem Abstand nach der Impfung wurden in die Analyse mit einbezogen. Auch hier zeigte sich laut Bericht des PEI kein Risikosignal für eine erhöhte Sterblichkeit für einen der vier eingesetzten Corona-Impfstoffe*.

Langzeitfolgen der Corona-Impfung sind „nicht zu erwarten“

Langzeitfolgen durch die Corona-Impfung schließen Wissenschaftler:innen vollkommen aus. „Nebenwirkungen, die unerwartet und erst lange Zeit (z. B. mehrere Jahre) nach der Impfung auftreten, sind bei noch keiner Impfung beobachtet worden und sind auch bei den COVID-19-Impfstoffen nicht zu erwarten“, so die BZgA.

Deutschland habe „von Beginn an die Verdachtsfallmeldungen zu Impfstoffnebenwirkungen und -komplikationen mit höchster Priorität beobachtet, auch sehr seltene Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und Maßnahmen zur Risikominimierung eingeleitet“, schreiben die Chefs vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Klaus Cichutek und Karl Broich, in ihrer Bilanz ein Jahr nach Start der Impfungen, so das RND. Meldungen über Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung nimmt das Paul-Ehrlich-Institut über ein Meldeportal entgegen.

Das Risiko für Ungeimpfte, sich mit dem Virus zu infizieren, ist laut dem Bundesministerium für Gesundheit weitaus größer, als das Auftreten von Nebenwirkungen. Jede zehnte Person, die sich infiziert, muss mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs von Covid-19 rechnen. Außerdem besteht für Infizierte das Risiko, von Long-Covid betroffen zu sein*. (Anna Charlotte Groos) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

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